Erdrutschsieg für Jörg Lösing in Weinbach

BÜRGERMEISTERWAHL  Dirk Schmidt kann bei der Stichwahl kaum zusätzliche Wähler mobilisieren

(Grafik: Steinhaus)

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Schon nachdem der vierte von sieben Wahlbezirken ausgezählt ist, wird im Sitzungssaal des Rathauses getuschelt. „Das reicht, das ist durch.“ Voll ist es an diesem Sonntagabend. Die Besucher drängen sich bis in den Gang. Auch etliche Bürgermeister aus den Nachbargemeinden sind darunter.

Jörg Lösing gewinnt Stichwahl deutlich

Spannend ist es allerdings zu keiner Minute, was da auf die Leinwand projiziert wird. Jörg Lösing liegt von Anfang an vorn und das deutlich. In keinem Ortsteil kann sich Dirk Schmidt gegen den Baudirektor aus Dresden durchsetzen. Das sah im ersten Wahlgang noch anders aus. Da holte Schmidt zumindest seinen Wohnort Gräveneck, wenn auch nur mit einem knappen Vorsprung von fünf Stimmen. Diesmal muss er sich selbst dort geschlagen geben. 206 Wähler machen in dem Wohnort des amtierenden Bürgermeisters Thorsten Sprenger (parteilos) ihr Kreuz bei Lösing. Schmidt wählen nur 159. Und das ist sein bestes Ergebnis. Desaströs geht die Wahl für Schmidt in der Kerngemeinde aus. Nur 88 Bürger machen dort ihr Kreuz bei Schmidt, 464 bei Lösing.

Damit ist das Ergebnis in Weinbach symptomatisch für die gesamte Gemeinde. Seit dem ersten Wahlgang ist es Dirk Schmidt nicht gelungen, die Wähler der übrigen fünf Kandidaten von sich zu überzeugen. Lediglich um drei Prozent kann er sein Ergebnis steigern. Damit überzeugt er nur 25 Wähler mehr als im ersten Wahlgang. Jörg Lösing hingegen holt am Sonntag 631 Stimmen zusätzlich.

Zu einem Einbruch der Wahlbeteiligung, wie von vielen befürchtet, ist es nicht gekommen. 64,6 Prozent der Wahlberechtigten gehen an die Wahlurnen. Vor drei Wochen waren es 68,6 Prozent. Rückläufig ist die Beteiligung vor allem in den Orten, in denen zuvor andere Kandidaten stark waren. In Weinbach, wo Christian Schöll in der ersten Wahl die zweitmeisten Stimmen holte, bleiben rund 80 Wähler zu Hause. In Blessenbach, wo vor drei Wochen Werner Zirnzak am stärksten war, machen rund 50 Wähler weniger ihr Kreuz. Die übrigen Stimmen, die vorher an andere gingen, wandern zu Lösing.

Absturz der Wahlbeteiligung bleibt aus – 64,6 Prozent gehen 
an die Urnen

Dirk Schmidt gibt sich am Sonntagabend Mühe, das Ergebnis mit Fassung zu tragen. „Es ist alles gut, so wie es ist“, sagt der 40-Jährige nachdem er seinem Kontrahenten gratuliert hat. Er habe mit einem ähnlichen Ergebnis gerechnet. Sein Dank gelte seinen Unterstützern. Das nicht alles gut war in den vergangenen Wochen, macht seine Frau Eva deutlich. „Seine Familie ist froh, dass er nicht gewählt wurde, nachdem was hier in den vergangenen Wochen abgegangen ist.“ Wie es für ihn, den Haupt- und Personalamtsleiter der Gemeinde Weinbach, nun beruflich weiter geht, dazu will er am Wahlabend noch nichts sagen. „Es ist zu früh, sich darüber Gedanken zu machen. Erst mal habe ich ein Dienstverhältnis und daran ändert sich nichts.“

Jörg Lösing freut sich indes über das „klare Votum“ der Bürger. Für die Kapriolen der vergangenen Wochen macht er „wenige Verirrte“ verantwortlich. „Ich habe mich in meinem Wahlkampf nur auf mich konzentriert. Deshalb kann ich auch zu den Rücktritten in den Gemeindegremien nichts sagen.“

CDU-Fraktionschef Jochen Schmidt bedauert die Rücktritte von Heinz Bördner, Arno Kapp und Burkhard Hölz. „Es ist schade, weil die Gemeinde gute Kräfte verloren hat.“ Ganz so deutlich habe er das Wahlergebnis nicht erwartet, die Tendenz habe sich aber abgezeichnet. Das haben auch die Kollegen an der Fraktionsspitze von SPD und FWG so eingeschätzt. Zu den Rücktritten will sich Friedhelm Ketter (SPD) nicht äußern, zur Unterstützung von Dirk Schmidt steht er aber. „Die Wahl muss jetzt erst mal analysiert werden.“ Heinz-Josef Pabst (FWG) sieht das kritischer. „Es war vielleicht nicht so glücklich für Dirk Schmidt, dass sich die Fraktionen so deutlich für ihn ausgesprochen haben. Ohne die Unterstützung wäre der Vorwurf der Klüngelei wahrscheinlich nicht aufgekommen.“ Die Rücktritte der Kollegen Kapp und Bördner hält er für übereilt. „Mit solchen Anfeindungen muss man umgehen können“, meint Pabst. Die Freien Wähler hätten zwei bekannte Gesichter verloren und müssten sich für die Kommunalwahl 2016 nun etwas einfallen lassen.

Nach dem scharfen Klima der vergangenen Woche ist Grünen-Fraktionschef Rüdiger Schultheiß froh, dass seine Partei keine Wahlempfehlung ausgesprochen hat. „In den vergangenen Wochen waren so viele Gerüchte und Spekulationen im Umlauf. Daran beteilige ich mich nicht. Das ist hier nicht mein Job.“


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