Hand in Hand mit Manuel Neuer

FUSSBALL Constantin Tippel aus Elz begleitet den deutschen Torwart aufs Feld

Seine Aufregung sieht man dem zehnjährigen Constantin Tippel (neben der deutschen Nummer 1 Manuel Neuer) gar nicht an. Das Bild hat Constantins Mama Petra Tippel vom Fernsehbild gemacht. (Fotos: privat)

Start in Frankfurt für Constantin und Gernot Tippel: Die Reise beginnt.

Am Strand von Ipanema spielt Constantin mit anderen Eskortenkindern Fußball und schießt für seine Mannschaft zwei Tore.

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"Alles begann mit einem Zeitungsartikel bei der Oma, in dem Kinder für die ,McDonald's Fußball-Eskorte‘ für die WM in Brasilien gesucht wurden. Die Bewerbung sollte ein Gedicht, ein Bild oder etwas anderes enthalten. Und es gab noch andere Beschränkungen: Die Kinder sollten zwischen sechs und zehn Jahre alt sowie höchstens 1,48 Meter groß sein", erzählt Constantins Mutter Petra Tippel.

Sie ist es auch, die für die Bewerbung die entscheidende Idee hat: Constantin, begeisterter Musiker und Mitglied der Elzer Musikanten, spielt auf seiner Posaune die deutsche Nationalhymne - selbstverständlich ausgestattet mit Trikot, Fan-Hut und schwarz-rot-goldener Kette. Die Eltern drehen ein Video, Schwester Louisa (7) schwenkt dazu im Hintergrund die deutsche Fahne.

Das Ergebnis überzeugt: Gemeinsam mit 14 anderen Kindern wird Constantin aus 20 000 Bewerbern ausgewählt. "Die Zusage kam telefonisch am 2. Mai", erinnert sich Petra Tippel. Doch so richtig habe Constantin das Ganze da noch nicht realisieren können.

Gemeinsam mit Vater Gernot geht es am 22. Juni in Limburg am ICE-Bahnhof los. Am Rhein-Main-Flughafen treffen sich die sieben Kinder, die für das Spiel gegen die USA ausgewählt worden waren. Zuvor bekamen die Kinder und ihre Begleiter schon einheitliche T-Shirts geschickt, damit sich alle schnell erkennen konnten", erzählt Petra Tippel. Zum Abschluss des elfeinhalbstündigen Fluges dürfen die Fußballkinder sich ins Cockpit der Maschine setzen.

"Beim Einlaufen mehr gejubelt als beim Rest des Spiels"

In Brasilien wohnt Constantin in einem Hotel mit Pool auf dem Dach des 26. Stocks und Aussicht auf den Atlantik. Die "Eskortenkinder" werden zur Sicherheit von einem Bodyguard begleitet. Auch ein Kameramann und ein Fotograf sind stets zur Stelle, um die Eindrücke der Kinder zu dokumentieren. Im Anschluss bekommen alle eine DVD als Reisetagebuch.

Der erste Höhepunkt der Reise ist ein Fußballspiel am Strand von Rio gegen eine andere Eskortenmannschaft, die aus Kindern aus den USA, Honduras, Ecuador und Frankreich besteht. Das deutsche Team gewinnt mit 9:4. Constantin - zu Hause Stürmer bei der E-Jugend des SV Elz - schießt zwei Tore. Ein Ausflug führt die Kinder auf den berühmten Zuckerhut mit Aussicht auf die hell erleuchtete Stadt und die Copacabana - "atemberaubend" lautet das Fazit der Reisegruppe.

"Dann ging es mit einem Inlandsflug weiter nach Recife. Die Hitze und Schwüle beim Verlassen des Flugzeugs waren extrem", sagt Petra Tippel. Am nächsten Tag geht es schon morgens um 5.30 Uhr zum Frühstück, um 7 Uhr steht die Probe zum Einlaufen auf dem Programm. Stundenlang habe es monsunartig geregnet, so dass innerhalb kürzester Zeit die Straßen kniehoch unter Wasser standen. "Das hat das Durchkommen zum Stadion erheblich erschwerte", sagt Tippel. Als die Kinder im Stadion dann Aufstellung im Kabinengang des Stadions nehmen, wird Constantin der zweite Platz zugewiesen. "Da war mir klar, dass ich mit Manuel Neuer einlaufen darf", sagt der Zehnjährige stolz. Auch wenn der Nachwuchs-Fußballer Fan von Eintracht Frankfurt ist, hat er sich trotzdem gefreut, mit Neuer einzulaufen. Gesprochen habe der deutsche Tormann aber leider nicht mit ihm. "Der hat seine Handschuhe vorher nicht richtig angekriegt", verrät Constantin.

Richtig aufregend sei es dann geworden, als endlich die feierliche Einlauf-Hymne erklang, und er Hand in Hand mit dem Torwart der deutschen Nationalmannschaft auf den Stadionrasen einlaufen durfte. "Leider regnete es immer noch, so dass viele Kinder und Fußballer den Kopf reflexartig etwas gesenkt hielten, um sich vor dem Regen zu schützen", sagt Petra Tippel. "Meine Familie saß ganz aufgeregt vor dem Fernseher und hat sich gefreut, dass ich sehr lange Zeit deutlich zu erkennen war", erzählt der Schüler der Elzer Erlenbachschule.

Freunde, Bekannte und Nachbarn haben Constantin im Fernsehen erkannt und die Familienmitglieder danach immer wieder angesprochen. "Als wir Constantin gesehen haben, haben wir mehr gejubelt als den ganzen Rest des Spiels", erzählt beispielsweise ein Nachbar.

Seine Mitschüler wären am liebsten alle mitgeflogen und wollten hinterher alles ganz genau wissen, sagt Constantin.

Inzwischen ist Constantin wieder zu Hause, im Gepäck viele besondere Erinnerungen: zum Beispiel die Sportsachen und -schuhe, die er beim Einlaufen trug. Die darf er behalten. Und auch der Sand vom Strand in Ipanema wird ihn noch lange an das Erlebnis erinnern.


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