Hunderte Ritter lagern in Runkel

KULTURSOMMER Klaus Lage singt an der Lahn und die Burg steht in Flammen

In der Zeltstadt an der Lahn: Ritter aus Kronberg machen Brotzeit. (Fotos: Will)

Die Burg "brennt": Feuerwehrleute erinnern mit Leuchtraketen an die Zerstörung der Burg im 17. Jahrhundert.

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"Die Helme bleiben heute im Lager, auch wenn wir unser 30-jähriges Jubiläum feiern", lachte Arkadius Bugla, Hauptmann der Runkeler Burgmannen. Bei über 30 Grad haben die Gardisten zum historischen Markt am Campingplatz an der Lahn nur das Nötigste ihrer Uniformen angezogen.

Der Markt wurde ab dem frühen Mittag mit Kanonenschüssen, Gauklern, Handwerkern und befreundeten Garden begangen. Zusammen mit den Kronberger Rittern, den Garden aus Kirchhain, Lahnstein, Königstein und Heftrich, der historischen Bürgergarde der Stadt Schlüchtern und der Mittelaltergruppe "Tempora Historica" aus Koblenz haben die Runkeler Burgmannen mit über 50 Zelten eine riesige Stadt errichtet und die Wiese an der Lahn kurzerhand in eine vergangene Zeit versetzt.

In den 80er Jahren wollte Klaus Lage nach Runkel ziehen

"Über ein Jahr haben wir den Markt hier vorbereitet und die letzten Wochen waren natürlich richtig stressig", sagt Hauptmann Bugla. Die Burgmannen von Runkel sorgten schon im 13. Jahrhundert für die Sicherung der Lahnbrücke und die Sicherheit der Stadt. Sie waren vor allem Adelige ohne eigenes Land, lebten im Burgmannenhaus in einer exklusiven Männer-WG und waren dort auch noch für den Schutz der Burg zuständig.

Damals wie heute gibt es im Verein der starken Männer nur eine einzige Frau: die Marketenderin, zuständig für die Versorgung und Verpflegung der Garde. Heute wird dieses Amt von Sibille Giesemann bekleidet - die Frau für alle Fälle, die auch beim 30-jährigen Jubiläum der Burgmannen nicht ohne Arbeit ist.

"Kragen und Knöpfe habe ich heute schon an den Uniformen angenäht. Und Hunger und Durst haben die Männer ja sowieso am Jubiläumstag", erzählt sie mit einem Augenzwinkern.

Bis 17 Uhr feierten die Burgmannen an der Lahn. "Um 21 Uhr machen wir noch einen letzten Rundgang durch die Stadt. Zwei Stunden später machen wir dann all unsere Waffen scharf", kündigte Hauptmann Bugla an, "und nur wenige Minuten später wird die Burg in Flammen stehen."

"Live zu Zweit" erschienen dann Klaus Lage und sein Keyboarder Bo Heart auf der Bühne der Schleuseninsel, als die Burgmannen gerade ihren letzten Rundgang auf der alten Lahnbrücke beendet hatten. Mitgebracht hatten die beiden Hits aus den vergangenen 35 Jahren. Nicht nur auf der Schleuseninsel hatte sich das Publikum versammelt - auch an den Ufern der Lahn standen und saßen Menschen, um der Musik zu lauschen.

Nach einer abgebrochenen Ausbildung zum Kaufmann ging Lage nach Berlin und arbeitete dort als Erzieher und Sozialarbeiter. Schon immer aber hatte es ihn aber auf die Bühne gezogen und als im Jahr 1984 seine Lieder "1000 und 1 Nacht (Zoom!)" und "Monopoli" ausgekoppelt wurden, erlangte er schnell Bekanntheit als deutscher Joe Cocker.

Was nur wenige wissen: Klaus Lage wäre einmal fast nach Runkel gezogen. Nur am Ausblick soll der Hauskauf in den 80er Jahren gescheitert sein, denn Lage wollte unbedingt 35 Kilometer weit aus den Fenstern blicken können.

Viele Besucher sangen die Lieder mit, alle - auch die auf der anderen Seite der Lahn - spendeten großen Beifall für den Musiker, der mittlerweile nur noch auf kleineren Veranstaltungen oder an besonders schönen Orten aufspielt.

In Runkel verzichtete Lage auf eine Pause und sang eine halbe Stunde länger als geplant. Und so waren die beiden Musiker Schuld, dass Arkadius Bugla, Hauptmann der Burgmannen, sein großes Versprechen vom Mittag nicht halten konnte: Denn erst gegen 23:40 Uhr erhellten die ersten Leuchtraketen das verdunkelte Runkel.

Lange Minuten haben die Besucher auf der Lahnbrücke und rund um die Lahn auf diesen Moment gewartet. Ein Sturm der Begeisterung brach los, als die ersten bengalischen Lichter in den Fenstern der Burg aufleuchteten. Das Spektakel soll an die Zerstörung der Burg am 1. Oktober 1634 während des 30-jährigen Krieges erinnern und wird alle zwei Jahre von der Freiwilligen Feuerwehr Runkel ausgerichtet.

Eigentlich hätte die Burg erst 2015 wieder "gebrannt", für das Festival "Dialog Runkel" jedoch kletterten die Feuerwehrleute schon in diesem Jahr in die Fenster und Nischen der Burg. Minutenlang leuchtete die Burg in roter Farbe und dichter Qualm stieg von den Zinnen auf - ein atemberaubender Abschluss eines langen Theater- und Musikabends.

Am kommenden Samstagabend wird der Kultursommer in Runkel mit einem großen Feuerwerk zu Ende gehen.


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