Kindern eine Lobby geben

Helft uns helfen  Deutscher Kinderschutzbund engagiert sich auch im Kreis / Chancengleichheit ist Ziel

Kinder an die Hand nehmen, sie fördern und in ihren Rechten stärken: Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich bundesweit für die Interessen der schwächsten Mitglieder unserer Gesellschaft ein. (Foto: Hildenbrand/dpa)
Der Schülertreff in Bad Camberg bietet Kindern im Grundschulalter qualifizierte Hausaufgabenbetreuung und individuelle Förderung. (Foto: privat)
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Es ist ein Paradebeispiel dafür, wie sie gelingen kann und soll, die vieldiskutierte Integration: Eine Flüchtlingsfamilie aus Afghanistan besucht einen Spieleabend in Bad Camberg, die neunjährige Tochter Tamina (Name von der Redaktion geändert) spricht ein paar Worte Deutsch. Sie ist aufgeschlossen, unbekümmert, reißt die Unterhaltung direkt an sich. Vier Wochen später beim nächsten Spieleabend kann sie sich schon problemlos mit den anderen Gästen verständigen, sie lernt schnell, ist wissbegierig.

Doch diese Potenziale wollen gefördert werden. Die Frage kommt auf, wie Tamina in ihrer schulischen Laufbahn – zu der Zeit besucht sie eine Willkommensklasse in einer Grundschule – unterstützt, wie ihre sprachlichen Kompetenzen weiter ausgebaut werden können. Der Schülertreff in Bad Camberg hält eine solche Förderung vor. Doch das Angebot kostet Geld und übersteigt die finanziellen Möglichkeiten der Familie. Ein Mann aus der Runde erklärt sich umgehend bereit, die Patenschaft für Tamina zu übernehmen und ihr so den Besuch zu ermöglichen.

Diese Geschichte ist ein Beispiel für Integration, sie steht aber auch stellvertretend für die Arbeit des Deutschen Kinderschutzbunds im Kreisverband Limburg-Weilburg. Denn sowohl Spieleabend als Teil der Spielerei – einer Sammlung von 700 Spielen, die im Kinderhaus in Bad Camberg ausgeliehen werden können – als auch Schülertreff sind von dem Verein initiierte Projekte.

„Es ist eine ganz ureigene, typische Einrichtung des Kinderschutzbunds im Kreis, die dafür steht, dass jedes Kind die gleichen Betreuungsmöglichkeiten und damit auch Bildungschancen haben sollte“, sagt die Pressesprecherin und kaufmännische Geschäftsführerin des Kreisverbands, Susanne Schmidt, über den Schülertreff in Bad Camberg. Kinder im Grundschulalter erhalten dort qualifizierte Unterstützung bei Hausaufgaben, bei Bedarf auch individuelle Förderung, zum Beispiel bei der Vorbereitung auf Klassenarbeiten. Einen Schwerpunkt der Arbeit bildet dabei die Vermittlung von Sprachkenntnissen an Kinder mit Migrationshintergrund.

Die Kosten für das Betreuungsangebot liegen bei 30 Euro im Monat, ein Betrag, der sich nach wenig anhört, für manche Familien aber dennoch eine Herausforderung ist. „Wir haben daher ein Patenschaftsmodell in die Wege geleitet und in Zeitungen dazu aufgerufen, dass Menschen sich an den Kosten beteiligen“, berichtet Schmidt und fügt an: „Alle unsere Projekte funktionieren nur mit ganz viel Unterstützung, auch vonseiten der Kommunen, sowie mit Hilfe von Spendengeldern und ehrenamtlichem Engagement.“

Die Bedeutung des letztgenannten Punktes wird auch bei einem Blick auf die Mitgliederzahlen im Kreisverband deutlich. „Bei uns sind zurzeit rund 50 Mitarbeiter tätig, die meisten von ihnen ehrenamtlich“, erklärt Vorstandsmitglied Karsten Schmidt. Der 48-Jährige ist verheiratet mit Susanne Schmidt und engagiert sich seit 14 Jahren im Kinderschutzbund. Die Ursprünge des Ortsverbands Bad Camberg, aus dem 2010 der jetzige Kreisverband hervorging, reichen indes noch deutlich weiter zurück.

„Wir haben dort 1981 mit einer Kleiderstube und dem Schülertreff begonnen, mittlerweile betreiben wir allein in Bad Camberg vier Betreuungseinrichtungen“, sieht Karsten Schmidt die Schwerpunkte der Vereinsarbeit nach wie vor in der Kurstadt. Mit der Gründung des Kreisverbands kamen jedoch nach und nach auch weitere Standorte in der Region hinzu.

So auch in Weilburg, wo im Jahr 2014 das Familienzentrum seine Türen öffnete. „Dort werden Beratung und Kurse für die unterschiedlichsten Zielgruppen angeboten“, gibt Susanne Schmidt eine kurze Zusammenfassung der Aufgabenschwerpunkte. Ihren Auftrag versteht die Einrichtung darin, Familien wohnortnah in ihrem jeweiligen Lebenszusammenhang zu unterstützen – in enger Zusammenarbeit mit den Kitas der Weilburger Kernstadt. Die Angebote reichen dabei von Kinderbetreuung über Bildungs- und Erziehungskurse bis hin zu generationenübergreifenden Projekten wie dem „Waldspaziergang für Jung und Alt“.

Seit November vergangenen Jahres gibt es im Familienzentrum unter dem Namen „Drop In(klusive)“ zudem eine offene Anlaufstelle für Eltern mit Kleinkindern. „Sie finden dort zusammen, können gemeinsam frühstücken und sich unterhalten, während die Kinder spielen“, erklärt Susanne Schmidt. Es gehe in erster Linie um den gegenseitigen Austausch und oft um ganz alltägliche Dinge wie beispielsweise die Frage, wo es in der Nähe einen guten Kinderarzt gebe. In der Anlaufstelle sieht Susanne Schmidt daher vor allem ein „niedrigschwelliges Angebot für Familien und Alleinerziehende, die sonst nicht so viel Rückhalt haben“.

Einen ganz ähnlichen Ansatz verfolgt derweil auch das Interkulturelle Familienzentrum (IkuFaz) in Hadamar, die neueste Einrichtung des Kreisverbands. „Wir haben von der Stadt ein komplettes Haus zur Verfügung gestellt bekommen, sie haben es saniert und wir im vergangenen Jahr eingerichtet“, blickt Karsten Schmidt auf die Entstehungsgeschichte des IkuFaz zurück.

„Man kann also sagen, solche Angebote leisten das, was früher die Großfamilie übernommen hat“

Dessen Kursprogramm unterscheidet sich hinsichtlich der Themenbreite und gesetzter Schwerpunkte zwar nicht wesentlich von dem des Weilburger Familienzentrums. Aber: „Wir haben uns früher insbesondere auf Familien fokussiert, das IkuFaz soll hingegen ein Treffpunkt für alle sein, unabhängig von Alter, Religion oder persönlichem Hintergrund“, erklärt Susanne Schmidt. Die Menschen, die ins Familienzentrum kommen, seien oft zugezogen oder alleinerziehend, sie hätten keine Anlaufstelle. „Man kann also sagen, solche Angebote leisten das, was früher die Großfamilie übernommen hat.“

Die Früchte dieses Aufgabentransfers liegen dabei oft im Verborgenen. Doch in Geschichten wie der von Tamina werden sie sichtbar. Sie ist ein Paradebeispiel und eines von vielen Aushängeschildern der Arbeit des Kinderschutzbunds. Susanne Schmidt: „Zwar liegt die Zukunft der Kinder nicht in unserem direkten Einflussbereich, doch möchten wir sicher sein, den richtigen Grundstein gelegt zu haben.“

 

Die Spendenkonten von "Helft uns Helfen":
Sparkasse Wetzlar: IBAN DE81 5155 0035 0000 0422 26
Volksbank Mittelhessen: IBAN DE29 5139 0000 0081 0931 05

 

INFO: DER DEUTSCHE KINDERSCHUTZBUND

Der Deutsche Kinderschutzbund setzt sich für den Schutz von Kindern vor Gewalt, gegen Kinderarmut und für die Umsetzung der Kinderrechte in Deutschland ein.
Der Verein wurde 1953 in Hamburg gegründet, mit rund 50 000 Einzelmitgliedern ist er der größte Kinderschutzverband Deutschlands. Der Deutsche Kinderschutzbund organisiert seine Arbeit neben dem Bundesverband in 16 Landesverbänden und über 400 Orts- und Kreisverbänden – allein in Hessen gibt es 28. Als gemeinnütziger Verein finanziert er seine Aktivitäten dabei ausschließlich durch Mitgliedsbeiträge, Spenden, Bußgelder und öffentliche Zuschüsse. Im Kinderschutzbund engagieren sich derzeit 15 000 Ehrenamtliche sowie weitere 5000 Mitarbeiter in der Kinderschutzarbeit vor Ort. (sch)


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