Leser beschweren sich über Funklöcher

MOBILFUNK  Nach TAGEBLATT-Bericht über Netzabdeckung melden Verbraucher weitere Lücken im Netz

Eine App testet die Sendestärke eines Mobilfunkanbieters in der Weilburger Innenstadt: TAGEBLATT-Leser beschweren sich über die Netzabdeckung im Landkreis. (Foto: Beuster)
Warum gibt es Funklöcher im Landkreis Limburg-Weilburg? Der Sprecher eines Anbieters bringt es auf den Punkt: Entweder sind es physikalische Gründe – oder es lohnt sich für die Anbieter nicht. (Foto: Archiv)
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Noch in diesem Jahr soll es in Dietenhausen eine Antennenanlage geben, die dafür sorgen soll, dass auch in diesem Ortsteil des Marktfleckens neben dem Behördenfunknetz auch Handys genutzt werden können – wie es mittlerweile fast weltweit eigentlich eine Selbstverständlichkeit ist, sogar in Entwicklungsländern.

Eigentlich. Denn auf unserer lokalen Facebook-Seite kommentierten etliche Nutzer den Artikel mit der Überschrift „Ein Schritt zur Sicherheit“. Nutzer posteten, dass Dietenhausen kein Einzelfall im Landkreis Limburg-Weilburg sei – auch andernorts sei man von der Mobilfunkabdeckung abgehängt.

Der Steuerzahler wird den Ausbau gerade im ländlichen Raum mit unterstützen müssen

TAGEBLATT-Leser berichten so in dem Sozialen Netzwerk, dass beispielsweise auch in Weilmünster-Audenschmiede, Villmar-Langhecke, im Weilburger Stadtteil Drommershausen sowie im Runkeler Stadtteil Wirbelau mit dem Handy kein Mobilfunknetz zu empfangen sei.

Das TAGEBLATT hat die Nutzerkommentare ausgewertet und die drei wichtigsten Mobilfunkanbieter in Deutschland mit diesen Nutzerbeschwerden konfrontiert und nachgefragt, wie sie die Situation bewerten.

Wer wissen will, welcher Anbieter in seinem Heimatort eine Netzabdeckung anbietet, kann die von den Unternehmen aufgeführten Internetseiten nutzen, die jeweils am Ende der Antwortblöcke aufgeführt sind.

Deutsche Telekom

„Deutschland hat ein sehr gutes Mobilfunknetz, was unabhängige Test immer wieder belegen“, antwortet die zuständige Sprecherin der Telekom, Stefanie Halle, auf unsere Anfrage. Es sei zwar wichtig, dass Netzbetreiber sowie Bund und Länder gemeinsam den Mobilfunkausbau weiter trieben. „Es besteht aber kein Grund das bisher Erreichte klein zu reden“, sagt sie auf die TAGEBLATT-Anfrage.

Die Deutsche Telekom erhöhe die Investitionen der Deutschen Funkturm, die für die Antennenstandorte zuständig ist, um rund 100 Millionen Euro im laufenden Jahr. „Wir können so den Netzausbau von rund 500 Funkstandorten im Durchschnitt der vergangenen Jahre deutlich auf mittelfristig rund 2000 Standorte jährlich erhöhen“, sagt Halle. Das Ziel: Bis Jahresende 2019 solle die Bevölkerungsabdeckung mit LTE bei 98 Prozent liegen. „Gleichzeitig werden wir Funklöcher an Autobahnen systematisch lokalisieren und schließen sowie die Versorgung entlang von Bahnstrecken und in ländlichen Gebieten deutlich verbessern“, sagt Halle weiter. Auf die Anfrage nach der Schließung der von den TAGEBLATT-Lesern gemeldeten Funklöchern geht sie nicht konkret ein.

Die Netzabdeckung der Telekom ist auf www.telekom.de/schneller zu finden.

Vodafone

„Das Vodafone-Netz im Bereich Limburg-Weilburg ist sehr gut ausgebaut“, antwortet der Konzernpressesprecher von Vodafone, Volker Petendorf, auf die TAGEBLATT-Anfrage. „Vodafone bietet bereits jetzt im Landkreis Limburg-Weilburg eine nahezu flächendeckende Mobilfunkversorgung mit Sprachdiensten (GSM und LTE): In den besiedelten Gebieten des Landkreises haben wir eine Outdoor-Versorgung von über 98 Prozent“, sagt Petendorf.

„Sogar innerhalb ihrer Gebäude können 86 Prozent der Einwohner mit dem Handy telefonieren. Auch bei der mobilen Breitbandversorgung mit der neuesten Mobilfunktechnologie LTE (4G) weist Vodafone schon jetzt eine Versorgung von 82 Prozent der besiedelten Fläche auf“, berichtet Petendorf. Sein Unternehmen habe im Landkreis Limburg-Weilburg bereits mehr als zwölf Millionen Euro in den Ausbau und die Komplettmodernisierung des Mobilfunknetzes investiert und die Zahl der Mobilfunk-Basisstationen auf 61 Standorte gesteigert, wie Petendorf weiter erläutert. Der Ausbau gehe indes weiter: „Für die nächsten zwölf Monate haben wir in unserem Mobilfunknetz im Landkreis Limburg-Weilburg gleich acht Bauvorhaben geplant, darunter ein kompletter Neubau einer Sendestation sowie die erstmalige Installation von LTE an fünf bestehenden Standorten“, sagt Petendorf. Ziel sei es, auch bei der mobilen Breitbandversorgung ein nahezu flächendeckendes Netz zur Verfügung stellen zu können. „Für die weitere Mobilfunk-Verbesserung innerhalb von Gebäuden setzen wir neben dem Netzausbau vor allem auch auf die neue Technologie WiFi-Calling. Diesen Dienst hat Vodafone eingeführt, um die Inhouse-Versorgung für Sprachdienste weiter zu verbessern“, erläutert Petendorf.

Infos zur Netzabdeckung für jede Adresse im Landkreis Limburg-Weilburg gibt es auf www.vodafone.de/hilfe/netzabdeckung.html. In dieser Darstellung sei bereits berücksichtigt, dass Topographie, Witterung und Vegetation dem Wirkungsradius der Mobilfunktechnik mitunter physikalische Grenzen setzten.

Telefónica

Der Mobilfunkanbieter Telefónica ist unter anderem mit den Marken „O2“, „Blau“ und „Base“ am deutschen Markt vertreten. „Funklöcher in den Mobilfunknetzen aller Betreiber haben zumeist entweder physikalische oder ökonomische Gründe“, antwortet Pressesprecher Jörg Borm auf die TAGEBLATT-Anfrage. Das heiße: „Entweder stehen die Kosten einer Versorgung bestimmter Landstriche deutlich geringeren Erlösen gegenüber oder die Topologie eines Standortes führt zu einer schwierigen Versorgungslage.“ Auch wenn Bürger im Landkreis frustriert sind, dass sie keinen Handy-Empfang haben – sie können davon ausgehen, dass das Unternehmen davon weiß. „Wir kennen den Stand unserer bundesweiten Netzversorgung genau und wo immer wirtschaftlich und baulich möglich, werden diese Funklöcher sukzessive geschlossen“, sagt der Konzernsprecher. Ganz von alleine wird sich also wohl nichts tun, denn: „Aktuell braucht es aus unserer Sicht eine gemeinschaftliche Anstrengung von Netzbetreibern und Politik, um den Standort Deutschland mit einer weltweit führenden Breitbandinfrastruktur zu versorgen.“ Der Steuerzahler wird den Ausbau gerade im ländlichen Raum mit unterstützen müssen. Den Vorwurf, alleine auf Profit auszusein, weist das Unternehmen zurück. Denn: „In den vergangenen Jahren wurden den Netzbetreibern über hohe Frequenz-Lizensierungskosten und eine starke Regulierung hierfür erhebliche Mittel entzogen“, sagt der Sprecher und macht insgesamt 60 Milliarden Euro geltend, die von den Telekommunikationsanbietern geleistet wurden.

Der aktuelle Stand der Netzversorgung wird auf www.o2online.de/service/netz-verfuegbarkeit/ gezeigt.


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Kommentare (1)
Das Tageblatt schreibt: "Der Steuerzahler wird den Ausbau gerade im ländlichen Raum mit unterstützen müssen".
Dabei ist genau das Gegenteil bisher der Fall. Der Steuerzahler hat sich in den letzten Jahrzehnten an den mehr
Mobilfunkfirmen bedient. Es wurden fast 70.000.000.000€ alleine an Lizenzkosten abgezwackt. Und die nächste Versteigerung steh schon vor der Tür bei der auch wieder 15.000.000.000 eingenommen werden soll. Wenn sich dann die Politiker hin stellen und ein paar Mio. Euro Subventionen Umverteilen um Funklöcher zu stopfen ist dies an Lächerlichkeit nicht mehr zu überbieten.

(Anm. d. Red.: So steht es auch im Artikel.)
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