Marktflecken steht unter Wasser

Unwetter  Starkregen richtet in Ernsthausen und Laimbach schwere Schäden an

In den Weilmünsterer Ortsteilen Laimbach und Ernsthausen hat ein Hochwasser erneut schwere Schäden angerichtet. (Foto: Bach)

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„Es war wie ein Tsunami!“ Imker Hermann Bernhardt aus Ernsthausen ringt mit der Fassung. Keine Stunde ist es her, dass plötzlich in seinem Garten, der sich im ansteigenden Tal am Ortseingang an den Hang schmiegt, eine Katastrophe geschieht.

Das Tal setzt sich hangaufwärts etwa dreieinhalb Kilometer fort und nach Einbruch der Regengüsse stürzen plötzlich enorme Wasser- und Schlammmassen auf das Grundstück. Sie reißen die Türen des Imkerstübchens mit sich, ein paar Meter weiter unten wird eine ganze Wand aus dem Freisitz herausgerissen. Die unbändige Kraft des Wassers trägt alles mit sich: teure Maschinen, Lager- und Abfüllware, 70 Zargen samt den bereits ausgeschleuderten Honigwaben, etwa 400 Kilogramm Honig und vielerlei mehr.

Mehr als hundert Meter weiter liegen die Ruinen eines Imkerlebens verteilt in den Wiesen. Die 32 Bienenvölker hatten großes Glück: ihre Kästen stehen an geschützteren Stellen und sind nicht betroffen. Den Schaden schätzt Bernhardt auf etwa 100 000 Euro; was von der Versicherung übernommen wird, kann er nicht sagen.

In der etwas unterhalb liegenden Schreinerei Wick ist die Werkstatt überschwemmt. Nicht vorzustellen, was wäre, wenn es die Feuerwehr nicht gäbe: Rund 100 Einsatzkräfte aus Weilmünster, seinen Ortsteilen und Weinbach werden am Donnerstagnachmittag stark gefordert. Sie pumpen Werkstatt und Keller leer und packen an, wo es nötig ist. Gemeindebrandinspektor Peter Schwarz führt die Regie, Kreisbrandinspektor Georg Hauch ist ebenfalls an den Einsatzstellen vor Ort.

Und der Dank der Betroffenen ist ihnen gewiss. „Wenn die Feuerwehr nicht gekommen wäre, wäre uns die Werkstatt voll gelaufen“, schildert Andrea Herrmann, die zusammen mit Ehemann Jochen das Autohaus Seewald in Laimbach führt. Neben Ernsthausen ist Laimbach am schlimmsten von den Überschwemmungen betroffene, und auch Weilmünster und Langenbach haben einiges abbekommen. Die Weilstraße ist stellenweise schwer passierbar.

„Beim letzten Mal waren wir vom Unwetter nicht betroffen, aber diesmal hat es mächtig zugeschlagen“, fährt Andrea Herrmann fort. Sie habe plötzlich einen lauten Knall gehört: die Scheibe der Kellertür war geplatzt, Wasser flutet die Kellerräume. Die Heizungsanlage und der Kompressor für die Werkstatt dürften kaputt sein. Ursache für den Wassereinbruch ist der Garten nebenan: Hier haben sich Schlamm- und Wassermassen gesammelt.

„Nach dem letzten Unwetter hätten längst die zugewachsenen Weggräben entlang der Feldwege frei gemacht werden müssen“

Die Vogelvoliere steht halb unter Wasser, von den aufgeregt herumflatternden Sittichen hat einer bereits einen Herzschlag erlitten und schwimmt tot im Wasser. Nachdem die Feuerwehr mit dem Abpumpen des riesigen Gartens begonnen hat, findet ein im Wasser herumwatender Mann einen Abfluss. Er öffnet den Deckel und ein kräftiger Strudel saugt die Wassermassen ab. In den Straßen sind viele Menschen mit dem Wegschaufeln der Schlammberge beschäftigt.

Und es gibt auch ärgerliche Stimmen: „Nach dem letzten Unwetter hätten längst die zugewachsenen Weggräben entlang der Feldwege frei gemacht werden müssen, das hätte den Wasserfluss sicher etwas gebremst“, meint André Füllhas. Dem stimmt auch Anlieger Ralf Becker zu. Er hat nun schon zum dritten Mal den Schlammfluss durch Garage, Hof und Garten erleben müssen.

In Laimbach waren die Wehren aus dem Ort und aus Dietenhausen im Einsatz. Zur Verstärkung kam zudem Weinbach mit technischem Gerät hinzu.


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