Mehrheit der Beselicher stimmt für den Steinbruch

BÜRGERBEFRAGUNG 53,81 Prozent sind für den Verkauf der Gemeinde-Feldwege an Schaefer Kalk

Wo soll der Weg bei „Hengen“ hinführen? Die Firma Schaefer Kalk will auf dem Hügel zwischen Schupbach, Niedertiefenbach und Eschenau hochwertiges Kalkgestein abbauen und in ihrem Kalksteinwerk in Steeden weiterverarbeiten. Die Bürgerinitiative Hengen versucht, einen Steinbruch auf „Hengen“ zu verhindern. (Foto: Vetter)

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Die Frage „Soll die Gemeinde Beselich ihre im Bereich des geplanten Steinbruchs ,Hengen’ liegenden Feldwege an die Firma Schaefer Kalk verkaufen?“ beantworteten 1087 Bürger mit Ja. 933 Bürger stimmten mit Nein.

Von 4621 Wahlberechtigten haben also 2047 Bürger aus den vier Ortsteilen selbst an einem hochsommerlichen Sonntag den Gang an die Wahlurne gemacht. Ein Zeichen, wie sehr das Thema die Menschen bewegt. Als um 16 Uhr die Wahllokale schließen, beginnen die Mitarbeiter der Verwaltung mit der Auszählung der Stimmen. Im Sitzungssaal des Rathauses in Obertiefenbach, das auch als Wahllokal diente, steht das Ergebnis schon nach kurzer Zeit fest.

Die Ergebnisse der anderen drei Wahllokale laufen im Büro des Bürgermeisters ein, dringen aber nicht nach außen. Die offizielle Verkündung durch Bürgermeister Michael Franz (parteilos) ist für 18 Uhr angesetzt. Eine Viertelstunde vorher füllt sich der Sitzungssaal zusehends. Etwa 70 interessierte Bürger, Gemeindevertreter und Mitglieder der Bürgerinitiative warten auf die Zahlen.

Beim Verlesen der Wahlbeteilung geht ein Raunen durch den Sitzungssaal

Zwei Minuten vor 18 Uhr kommt der Rathauschef und dankt als erstes den Mitarbeitern, die einen guten Job gemacht haben. Dafür gibt es Applaus. Beim Verlesen der ersten Zahl geht ein Raunen durch die Reihen der Zuhörer. Die Wahlbeteiligung liegt bei 44,3 Prozent.

Dann verliest Franz die Ergebnisse für die einzelnen Ortsteile: Obertiefenbach, Heckholzhausen, Schupbach und Niedertiefenbach.

Aufmerksam hören die Gäste im Sitzungssaal zu, machen sich vereinzelt Notizen, spontane Reaktionen auf die Einzelergebnisse bleiben jedoch aus. Bei den meisten scheint es, als müssten sie die Informationen erst einmal „sacken lassen“. Nach wenigen Minuten leert sich der Sitzungssaal, doch draußen vor dem Bürgerhaus stehen die Menschen noch in kleinen Gruppen zusammen und diskutieren.

Redebedarf wird es in den nächsten Tagen zur Genüge geben, das machen die drei Fraktionsvorsitzenden deutlich.

Bernd Litzinger von der Bürgerliste Beselich zeigt sich erfreut von der hohen Wahlbeteiligung. Es mache deutlich, dass das Thema viele Bürger mobilisiert habe. Die hohe Wahlbeteiligung sei zudem hilfreich für die weitere Entscheidung des Gemeindeparlaments. Allerdings sei es so gekommen, wie er es teilweise befürchtet habe, dass Schupbach sich mit großer Mehrheit gegen den Steinbruch ausgesprochen habe.

Eine Bewertung des Ergebnisses will die Bürgerliste Beselich in ihrer Fraktionssitzung am Montagabend vornehmen. Litzinger verwies darauf, dem Votum der Schupbacher Bürger eine besondere Bedeutung beimessen zu wollen. Klar sei aber auch, das Votum in Relation setzen zu müssen zu den drei anderen Ortsteilen.

Dass mehr als 44 Prozent aller wahlberechtigten Bürger von ihrem Stimmrecht Gebrauch gemacht haben, freut auch den SPD-Fraktionsvorsitzenden Michael Jahn. Das sei gut für die Entscheidungsfindung und stelle die Diskussion auf eine breitere Basis. Da Schupbach besonders von dem geplanten Steinbruch betroffen sei, wollte die SPD eine Bürgerbefragung und keinen Bürgerentscheid. Jetzt gebe es für die Gemeindevertreter ein Stimmungsbild, mit dem sie in der Fraktion entsprechend umgehen können.

Der CDU-Fraktionsvorsitzende Theo Schneider spricht zunächst allen Bürgern einen Dank aus, die zu diesem schwierigen Thema ihre Meinung abgegeben haben. Nun gebe es ein demokratisches Ergebnis, mit dem die Parlamentarier verantwortungsvoll umgehen müssten. Auch die CDU-Fraktion trifft sich am Montagabend zu einer Sitzung und wird das Wahlergebnis in ihre Entscheidungsfindung einfließen lassen.

Für Josef Schulte, den Vorsitzenden der Bürgerinitiative Hengen, ist das Ergebnis von Schupbach „der Hammer“. Eine Wahlbeteiligung von fast 70 Prozent und davon 72,39 Prozent, die mit „Nein“ gestimmt hätten, sei gigantisch. „Das haben wir uns gewünscht, dass es so eingetroffen ist, ist absolut toll“, sagt Schulte. Es sei ganz klar, was die Menschen in Schupbach über den Steinbruch denken. Das klare Votum der Schupbacher müsse für die Gemeindevertreter eine Vorgabe sein. In Heckholzhausen habe es eine deutlich schwächere Wahlbeteiligung gegeben, doch die Stimmenzahl sei für die Bürgerinitiative absolut in Ordnung, betont Schulte.

Erfreut über das Gesamtergebnis ist Heike Horn, Geschäftsführerin von Schaefer Kalk. Eine so hohe Wahlbeteiligung ohne eine andere Wahl sei beeindruckend, erklärt sie. Die Mehrheit habe für den Verkauf der Feldwege an die Firma Schaefer Kalk gestimmt.

Daher sei es wohl gelungen, die Beselicher Bürger zu überzeugen, dass der Steinbruch nicht so bedrohlich sei, wie er vereinzelt dargestellt werde, bedauert Horn die im Vorfeld teils sehr emotional geführte Debatte. Nun sei es am Gemeindeparlament, aus dem Ergebnis der Bürgerbefragung etwas zu machen. Sie stehe auch weiterhin für Gespräche zur Verfügung, erklärt die Geschäftsführerin von Schaefer Kalk.

DAS ERGEBNIS:

Beselich insgesamt:

Ja: 53,81 %, Nein: 46,19 %, ungültig: 1,32 %, Wahlbeteiligung: 44,30 %

Obertiefenbach:

Ja: 66,67 %, Nein: 33,33 %, ungültig: 0,74 %, Wahlbeteiligung: 33,43 %

Heckholzhausen:

Ja: 58,82 %, Nein: 41,18 %, ungültig: 4,03 %, Wahlbeteiligung: 28,67 %

Schupbach:

Ja: 27,61 %, Nein: 72,39 %, ungültig: 1,69 %, Wahlbeteiligung: 69,73 %

Niedertiefenbach:
Ja: 68,66 %, Nein: 31,34 %, ungültig: 0,21 %, Wahlbeteiligung: 59,05 %


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