Onkel niedergeknüppelt

PROZESS 24-Jähriger steht wegen versuchten Mordes vor Gericht

Der Angeklagte verbarg sein Gesicht hinter Aktendeckeln. Links seine Verteidigerin Andrea Wetz. (Foto: Fluck)

Limburg/Lahnau (flu). Wegen versuchten Mordes aus Heimtücke muss sich seit Mittwoch ein 24-Jähriger aus Braunfels vor dem Limburger Landgericht verantworten.

Laut Anklage hat er am 6. Januar auf einer Hochzeit mit 750 Gästen in Waldgirmes seinem Onkel von hinten mit einem Baseballschläger auf den Hinterkopf geschlagen, so dass dieser bewusstlos in eine Klinik eingeliefert und intensivmedizinisch versorgt werden musste.

Anlass der Tat war nach Angaben des Angeklagten, dass ihn dieser von seiner Familie später verstoßene Onkel im Alter von sechs bis acht Jahren einige Male sexuell missbraucht habe. In dieser Zeit sei auch seine Mutter gestorben. Der Kurde, der aus einer intakten Familie stammt, schilderte den Missbrauch unter Tränen.

Er habe den Onkel auf der Hochzeit auf dem Weg zur Tanzfläche wiedergesehen. Der habe ihn angegrinst. "Ich weiß nicht mehr, was ich getan habe. Ich habe einfach draufgehauen, nur noch schwarz gesehen und wurde weggezogen. Womit ich geschlagen habe, weiß ich nicht. Ich wollte einfach nur, dass das alles aufhört", sagte der junge Mann. Laut Anklage hatten Zeugen den zweiten Schlag verhindert.

Offensichtlich leidet der junge Mann unter den Vorgängen in seiner Kindheit, als er mit dem über zehn Jahre älteren Onkel in der elterlichen Wohnung in einem Zimmer schlief. Er ist der Stiefbruder seines Vaters. "Mein Vater wollte ihm helfen und für ihn Arbeit suchen. Er ist dann zu uns gezogen", berichtete der Angeklagte. "Meine Mutter hat ihn später aus der Wohnung verwiesen. Über die Vorgänge ist in der Familie nie gesprochen worden."

Der Angeklagte: "Ich hatte das nicht verstanden, was er mit mir macht, ob das schlecht oder gut ist. Ich habe bis heute nicht verstanden, warum ihn meine Eltern nicht angezeigt haben. Mir ist erst später klar geworden, was da passiert ist."

Auf die Nachfrage des Staatsanwalts, warum er den Onkel später nicht selbst angezeigt habe, sagte er "Es wurde verheimlicht, weil es bei uns eine Schande wäre, wenn das herauskommt. Ich war in einem Konflikt und wusste nicht, was ich machen sollte." Heute macht er eine Psychotherapie.

Später sei dieser Onkel im Krieg in Irak gewesen und lebe heute mit seiner Familie in der Schweiz. Auf den Trauerfeiern für dessen Eltern habe er seinen Peiniger von damals jeweils wiedergesehen. Nachdem er ihn immer angegrinst habe, sei er von der Trauerfeier weggegangen.

An der besagten Hochzeit habe er jedoch teilgenommen und vorher mit einem Bekannten Whisky getrunken. In der Halle habe er den grinsenden Onkel zunächst in einem Nebenraum erblickt. "Ich war schockiert, habe mich zu meiner Mutter (die Stiefmutter) an den Tisch gesetzt, um mich zu beruhigen. Ich wollte mich ablenken und ging auf die Tanzfläche zu den anderen Männern, die dort in der Reihe tanzten. Auf dem Weg dorthin habe ich wieder den Onkel mit diesem Grinsen gesehen und einfach draufgehauen", so der 24-Jährige.

Der Verwandte soll Angeklagten als Kind missbraucht haben

Dass er - wie eine Zeugin bei der Polizei angab - eine blaue Plastiktüte mit einem Baseballschläger dabei hatte, daran erinnert sich der Angeklagte nicht und vermutet eine Falschaussage. Er weiß noch, dass er anschließend bis nach Gießen fuhr. Als ihn sein Vater benachrichtigte, dass er von der Polizei gesucht werde, habe er sich gestellt. Nach Angaben des Gerichts habe der Onkel mitgeteilt, dass er von der Familie des Angeklagten bedroht werde und Angst habe, nach Deutschland einzureisen. "Meine Familie hat überhaupt keinen Kontakt mehr zu ihm", erklärte darauf der Angeklagte. Der Prozess wird fortgesetzt.


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