Pfeiler fallen spät

Sprengung Nach Pfeiler vier passiert erstmal nichts / Kabelbruch verursacht Verzögerung

Mit Unterbrechung, aber sie fallen: Am Sonntagmorgen sind die sechs Brückenpfeiler der früheren Lahntalbrücke gesprengt worden. (Fotos: Kaminsky)

Sprengmeister Thomas Hoffman (in rot) und ein Elektriker suchen nach dem Fehler. (Fotos: Kaminsky)

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Sprengung glückt in der Verlängerung

„Pulverisieren“ nannte Sprengmeister Thomas Hoffmann im Vorfeld der Arbeiten das erhoffte Ergebnis. Doch der sogenannte Sprengabriss verursachte mehr als nur Staub: herumfliegende Trümmer beschädigten eine der Sprengleitungen. Nur vier der sechs Pfeiler fielen beim ersten Versuch. Bis ein Elektriker des Sprengteams den Fehler gefunden und die Kabeltrasse repariert hatte, verging etwa eine halbe Stunde.

Als um 9.23 Uhr eigentlich der Verkehr auf Autobahn, Landesstraße und der Schiene hätte wieder laufen sollen, rumste es erneut und die verbliebenen Brückenpfeiler stürzten um.

Rund um das abgesperrte Gebiet hatten sich Hunderte Schaulustige versammelt. „Wir haben die ganzen Bauarbeiten von Anfang mit verfolgt, da lassen wir uns doch die Sprengung nicht entgehen“, sagte Michael Prestler aus Eschhofen. Er war schon um 7 Uhr vor Ort und hatte sogar Klappstühle für sich und seine Lebensgefährtin mitgebracht. Alexander Keil kam aus Dillenburg angereist, um die Sprengung zu sehen. Er war an den Planierarbeiten für den befestigten Bereich für Politiker und Pressevertreter beteiligt und kannte deshalb eine Stelle mit gutem Blick am Rande der Evakuierungszone. „Da muss man doch dabei gewesen sein“, sagte er.

Scheinbar 
in Zeitlupe kippte 
der erste Pfeiler 
in das dafür vorgesehene Fallbett

Auch wenn alle, die die Sprengung erleben wollten, durch die vorhergehenden lauten Warntöne vorbereitet waren, so ging doch bei der ersten Explosion ein kollektives Zusammenzucken durch die Menge. Der Knall war doch lauter, als die meisten vermutet hatten, und sofort umwaberte eine dicke Wolke aus Staub den Sockel des östlichen, direkt an der Lahn stehenden Pfeilers.

Scheinbar in Zeitlupe kippte er dann in das dafür vorbereitetes Fallbett und schon zündete der nächste Sprengsatz an seinem unmittelbaren Nachbarn. Das oberste der drei Pfeilerpaare war als nächstes dran, doch statt bei beiden zündete das Dynamit nur am westlichen, oberen Pfeiler und dann – entgegen der Planung – der westliche Mittlere. Dann war Ruhe, obwohl noch zwei Sprengungen anstanden.

Sprengmeister Hoffmann und ein Elektriker aus seinem Team machten sich an die Fehlersuche, begutachteten die Anschlüsse und gingen die 150 Meter lange Kabeltrasse zwischen dem Schaltpult und der Sprengladungen ab. Sie entdeckten einen Kabelbruch, der repariert werden konnte.

Nach einigen Minuten ertönten erneut die beiden Signaltöne als Zeichen dafür, dass die Sprengung unmittelbar bevorstehe, und um 9.25 Uhr zeigte eine dreifacher Ton das erfolgreiche Ende der Sprengung an. Damit konnte auch die vollgesperrte Autobahn und umliegende Straßen wieder freigegeben werden.


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