Produktionszeitraum: zehn Jahre

DIREKTVERMARKTER Müllers züchten in Merenberg Weihnachtsbäume

Zur Baumpflege gehört auch, dass das Unkraut gemäht wird. Zweimal im Jahr geht Wolfgang Müller über seine Fläche.

Wolfgang Müller und Manuela Hambach-Müller ziehen in Barig-Selbenhausen über mindestens zehn Jahre hinweg Weihnachtsbäume auf, damit diese dann einmal ein Fest schmücken können. (Fotos: Sauer)

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Im Alter von zwei bis drei Jahren kommen die Bäumchen nach Barig-Selbenhausen. Wenn die Müllers sie dann auf einer ihrer fünf Weihnachtsbaumplantagen rund um den Marktflecken Merenberg setzen, ist es Frühjahr. "Im April, spätestens Mai, wenn der Boden noch feucht vom Winter ist, bohren wir die Pflanzen", erklärt Wolfgang Müller.

Um die Arbeit zu demonstrieren, schafft er mit einem Erdbohrer Platz für einen kleinen Baum, den seine Frau Manuela Hambach-Müller einsetzt. "In den ersten drei Jahren, die der Baum auf der Plantage wächst, müssen wir das Unkraut rundherum bekämpfen", erläutert Müller weiter. Gerade die Nordmanntanne benötige viel Platz, die unteren Äste müssten frei bleiben. "So wächst er in den richtigen Proportionen, rundherum gleichmäßig", erklärt der ausgebildete Forstwirt. Deshalb geht er mit einem speziellen Mäher durch die Baumreihen. "Außerdem müssen wir Blatt- und Bodenherbizide einsetzen, ohne Chemie ist es schwierig."

Auf insgesamt fünf Hektar Fläche, rund um Merenberg verteilt, zieht das Paar verschiedene Nadelgehölze groß. "Wir haben vier Weihnachtsbaumplantagen, um das Risiko zu minieren", erläutert Hambach-Müller. Vor allem der Spätfrost im Frühling sei gefährlich. "Wenn die ersten grünen Spitzen schon gewachsen sind und dann noch einmal Frost kommt, werden diese beschädigt", erklärt sie. Das gleiche Problem hätten beispielsweise auch Obstbauern. Vom Frost geschädigte Bäume können aber ganz einfach wieder in Form gebracht werden, wenn der Schaden nicht zu umfassend ist. Hambach-Müller deutet auf einen kniehohen Baum, dessen Äste auf der einen Seite weniger lang sind als auf der anderen.

Dann nimmt sie eine große Heckenschere in die Hand und schneidet einmal von oben nach unten die äußeren Spitzen ab: "Das ist der Friseurbesuch, den die Weihnachtsbäume im Sommer bekommen." Jedes Jahr sorgen die beiden Wahl-Merenberger so dafür, dass ihre Weihnachtsbäume in der klassischen Pyramidenform wachsen.

"Einfach pflanzen und später ernten, funktioniert nicht"

Damit die Bäume auch in dichten Etagen wachsen, muss im Frühjahr die Spitze eingeschnitten werden. "Das wirkt wie eine Bremse. Damit fließt der Saft langsamer nach oben und die Tanne wächst langsamer", erklärt Müller. Beide Arbeitsschritte müssen jedes Jahr gemacht werden. "Einfach einen Baum pflanzen und in zehn Jahren fällen, funktioniert nicht", sagt er.

Vor 14 Jahren ist die Familie aus dem Bergischen Land, wo sie noch eine weitere Weihnachtsbaumplantage betreibt, in den Marktflecken gezogen. Wolfgang Müller, der neben seiner Ausbildung zum Forstwirt auch Forstwirtschaft studiert hat, arbeitet für einen Papierproduzenten im Holzeinkauf. Sein Arbeitsplatz hatte sich in den Landkreis Limburg-Weilburg verlegt.

Um die Weihnachtsbäume und das Erdbeer- und Himbeerfeld kümmern sich die Eheleute im Nebenerwerb. "Das ist ein schönes Hobby und eine Herzensangelegenheit, aber wir können es uns momentan zumindest nicht vorstellen, das hauptberuflich zu machen", sagt der 46-Jährige. Seit 2003 verkaufen sie im Hof des Forsthauses Barig, das sie bewohnen, Weihnachtsbäume aus eigenem Anbau. Zudem bieten sie Schnittgrün an, für das sie extra Bäume aufziehen. Bis sie die Äste für Kränze, Grabgestecke oder winterliche Blumensträuße ernten können, müssen die Bäume ebenfalls mindestens zehn Jahre wachsen und gepflegt werden.

"Es ärgert mich, wenn Leute diese Facharbeit nicht wertschätzen und keinen angemessenen Preis zahlen wollen", sagt Müller. Schmuckgrün verkaufen sie im Fünf-Kilo-Bündel für zehn bis 15 Euro. "Wer nur einzelne Äste haben möchte, bekommt die auch", ergänzt Hambach-Müller. Die Nordmann- und Nobilis-Tannen kosten 18 Euro pro Laufmeter.

Bevor die bis zu 200 Weihnachtsbäume Ende November und im Dezember geerntet werden, werden sie etikettiert. "Je nach Größe, Qualität und Sorte bekommen sie unterschiedliche Markierungen", erläutert die 43-Jährige. Immer am 10. Dezember beginnen Müllers mit dem Verkauf der Bäume.

Leid tut ihnen das Fällen nicht: "Demut ist dennoch dabei. Als Förster weiß ich, dass Bäume sehr alt werden können." Seine Frau schränkt ein: "Wir züchten die Bäume aber als Produkt."


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