Prozess nach Angriff mit dem Messer

GERICHT War es versuchter Mord?

Ein 28-jähriger Mann hat vor dem Limburger Schwurgericht gestanden, weil er am 29. März im Asylbewerberheim Gaudernbach einen 25-jährigen Mitbewohner mit einem Messerstich verletzt haben soll. (Archivfoto: Schwarz)

"Ich habe das getan, weil er mich vorher verletzt hatte. Das Ganze ist mir unerklärlich und macht mich traurig. Ich bedaure das sehr", sagte der Mann aus Somalia, den die Staatsanwaltschaft wegen versuchten Mordes aus Heimtücke angeklagt hat. Der große, kräftige Angeklagte erzählte, dass er in der vorherigen Nacht in seiner Unterkunft im Dachgeschoss Alkohol getrunken und eine TV-Sendung geschaut habe, als sein 25-jähriger Landsmann (beide sind Muslime), der nicht auf seiner Etage wohnte, mit einem Mobiltelefon in sein Zimmer gekommen sei, weil er dort einen besseren Empfang habe. "Er telefonierte so laut, dass ich ihn aufgefordert habe, nach draußen zu gehen. Ich sagte ihm: Ich möchte meine Ruhe haben."

Doch der Mann habe nicht reagiert, so dass er ihn hinausgedrängt habe. "Der hat mich so geschubst, dass ich in die Glasscheibe einer Tür gefallen bin und mich verletzt habe. Der andere rannte die Treppe hinunter. Ich war außer mir, bin hinunter gerannt und habe einen Gegenstand gegen ihn geworfen." Als er ihn am nächsten Morgen sah, habe er ihn auf den Vorfall angesprochen. Doch der andere sei nur auf ihn zugekommen, worauf er ihn geschlagen habe.

Dann habe er in der Küche ein Messer ergriffen. "Ich weiß nicht genau, wohin ich ihn gestochen habe. Es muss oberhalb des Schulterbereichs gewesen sein." Die Messerklinge hatte sich fast rechtwinklig verbogen, der Griff war abgebrochen. "Ich bin wohl an die Wand gekommen." Das Opfer hatte eine 1,5 Zentimeter breite Stichwunde im Rücken, Schnittverletzungen an Händen und Armen sowie eine blutige Lippe und musste ins Krankenhaus.

Er habe mit dem Kontrahenten noch nie Streit gehabt, beteuerte der Mann. Der Angeklagte soll vorher schon in einer Unterkunft in Langhecke im alkoholisierten Zustand randaliert haben, so dass ihn die Polizei ins Gewahrsam nahm. Dass er randaliert habe, davon wisse er nichts. "Ich hatte einen Disput mit einem Mitbewohner." Ja und dann sei er bei der Polizei gewesen.

Der 28-Jährige sagte auf Befragen des Gerichts, dass er vor seiner Flucht aus Somalia Ende 2012 keinen Alkohol getrunken, aber Kath-Blätter gekaut habe. Andere Flüchtlinge hätten ihm gesagt: "Mit Alkohol kannst du deine Sorgen vergessen." Drei bis vier Mal pro Woche habe er eine halbe Flasche Whisky getrunken. Das sei ihm gar nicht bekommen.

Angeklagter berichtet von Morddrohungen gegen ihn in seiner Heimat

Der Angeklagte berichtete, radikal-islamische Männer hätten ihn in seiner Heimat mit dem Tode gedroht, wenn er sich ihnen nicht anschließt. Da sei er geflüchtet. Zuhause habe er das Abitur gemacht und ein Zertifikat (vergleichbar mit Bachelor) in Wirtschaft erworben, aber nur als Taxifahrer und Mechanikergehilfe gearbeitet. Dort lebten seine Ehefrau mit ihren beiden kleinen Kindern. Einige Tage vor der Tat sei in Somalia seine Mutter gestorben. Er sei weder in seiner Heimat noch in Deutschland vorbestraft.

Zum Vorfall mit seinem Landsmann sagte der 28-Jährige: "Der Teufel stand im Spiel. Er hat uns gegeneinander aufgehetzt." Auf Nachfrage des Gerichts, wo sich der Teufel befand, meinte der Somalier: "In einer Person, die sich dort befand, in der der Teufel steckt - ich weiß es nicht." Ein psychiatrischer Gutachter verfolgt den Prozess, der am 24. September fortgesetzt wird.


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