Rinks vermissen nur die SG Weinbachtal

SERIE Leben im Paradies: Ehepaar ist auf die indonesische Insel Lombok ausgewandert

Das Weinbacher Ehepaar Gerhard und Bärbel Rink in seiner neuen Heimat an der Westküste der Insel Lombok. "Hier gibt es zum Teil herrliche, noch unberührte Strände", sagt Bärbel Rink. (Fotos: privat)

Frau Rink, Herr Rink. Wo wohnen Sie denn nun genau auf Lombok?

Gerhard Rink: Wir wohnen im Westen von Lombok ganz nah am Touristenort Senggigi.

Bärbel Rink: Unser Wohngebiet heißt Green Valley. Hier haben wir vergangenes Jahr im Urlaub schon ein Haus gemietet und ein Bett bestellt. Jetzt sind wir aber dabei, unser eigenes Häuschen auf unserem Grundstück zu bauen. Das haben wir schon vor einigen Jahren gekauft.

Was machen Sie in Indonesien beruflich?

Gerhard Rink: Ab 55 Jahren kann man in Indonesien ein Rentnervisum beantragen, das erst einmal für ein Jahr gilt und das später um fünf Jahre verlängert werden kann. Mit diesem Visum darf man allerdings keiner Beschäftigung nachgehen. Zum Glück sind wir aber auch nicht auf zusätzliches Geld angewiesen, weil ich passive Altersteilzeit mache. Zurzeit engagieren wir uns hier ehrenamtlich für unseren Verein "Ein Stern für Lombok". Bärbel macht dort Buchhaltung und ich bringe den Kindern Tischtennisspielen bei. Wozu habe ich selbst jahrelang in Weinbach gespielt? Dafür spendieren wir auch noch eine Tischtennisplatte.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, nach Lombok auszuwandern?

Bärbel Rink: Wir haben über 30 Indonesienurlaube in den vergangenen 20 Jahren gemacht. Dabei haben wir uns in die Insel verliebt. Und mittlerweile haben wir hier auch Freundschaften aufgebaut.

Wollten Sie schon immer gerne an einen so "paradiesischen" Ort auswandern?

Gerhard Rink: Wir beide lieben das tropische Klima und die Sonne und das Meer. Es war schon viele Jahre unser Traum, hier mal dauerhaft zu leben. Und außerdem wollten wir nach 20 Jahren an ein und demselben Ort auch mal etwas ganz Neues wagen.

Was begeistert Sie an Lombok so? Warum ist es nicht das bekanntere Bali geworden?

Gerhard Rink: Bali ist tatsächlich viel bekannter als Lombok und hat auch mehr Einwohner, aber eigentlich ist es gar nicht so viel größer. Und das ist mit ein Grund, warum es uns hier deutlich besser gefällt.

Bärbel Rink: Wir haben hier noch weit weniger Verkehr und die Landschaft ist viel schöner. Zum Teil gibt es hier sogar noch unberührte Strände. Und die Menschen sind sehr liebenswürdig. Was auch nicht ganz unwichtig ist: Die Grundstücke in Strandnähe sind noch erschwinglich. Wir brauchen nur sechs Minuten zu Fuß zum Meer.

Haben Sie überhaupt Zeit, sich jeden Tag an den Strand zu legen oder größere Touren auf der Insel zu unternehmen?

Gerhard Rink: In unseren ersten zehn Wochen auf Lombok waren wir so beschäftigt, dass wir kaum Zeit hatten, einfach nur zu relaxen. Aber in der ersten Woche hatten wir uns ein Hotel gegönnt, damit wir nach dem ganzen Auszugsstress in Deutschland ein wenig Urlaub machen können. Jetzt nehmen wir uns jeden Mittwoch als Wellnesstag. Dann gehen wir vormittags an den Strand, schwimmen, lesen und ruhen uns aus und ich lasse mich massieren. Zum Abschluss essen wir abends lecker in einem Restaurant in Senggigi und treffen unsere Freunde.

Sie sind ja gerade noch ganz am Anfang Ihres "Lombok-Abenteuers". Was vermissen Sie schon jetzt?

Gerhard Rink: Eigentlich nichts, ab und zu vielleicht mal einen Plausch mit unseren Freunden in Weinbach oder eine gemeinsame Unternehmung.

Bärbel Rink: Wahrscheinlich würden wir uns ab August gerne mal auf den Fußballplatz beamen, damit wir zusammen mit unseren Freunden die SG Weinbachtal anfeuern können.

Die Umstellung von Deutschland auf Lombok stellt man sich gewaltig vor. Wie ist das wirklich? Wie haben Sie sich auf die neue Heimat vorbereitet?

Gerhard Rink: Jeder Lombok-Urlaub war jedes Mal ein bisschen mehr wie nach Hause kommen. Wir sind dann schon immer im Hotel oder in den Restaurants mit "Welcome back!" begrüßt worden und unsere Freunde haben uns erwartet. Von daher fielen uns die Umstellung und die Eingewöhnung nicht schwer. Großartig vorbereiten brauchten wir uns auch nicht auf Lombok.

Wie sieht es dort mit den gewohnten deutschen Standards aus, zum Beispiel in Bezug auf Hygiene oder Bürokratie?

Bärbel Rink: So exotisch ist Lombok auch nicht. Es gibt hier westliche Toiletten, fließend Wasser und Ärzte und Krankenhäuser.

Gerhard Rink: Und die Bürokratie in Deutschland nimmt ja auch immer größere Auswüchse an. Da war es keine wirkliche Umstellung auf die indonesische Bürokratie. Die ist aber manchmal auch gewöhnungsbedürftig.

Bärbel Rink: Als Deutscher muss man lernen, dass man immer viel Zeit mitbringen muss. Und ein Lächeln im Gesicht hilft auch viel.

Wie ist es mit dem Essen? Was steht nun bei Ihnen auf dem Speiseplan?

Bärbel Rink: Ganz viel Obst, Gemüse und Salat. Auf dem Markt einzukaufen, ist schon ein Genuss. Alles ist frisch und nicht hochgezüchtet. Da will ich gar nicht mehr im deutschen Supermarkt einkaufen. Zum Beispiel wird der Fisch hier nachts gefangen und morgens gleich verkauft - der schmeckt so lecker! Es gibt hier alles, was das Herz begehrt. Und man kann mittlerweile auch westliche Sachen wie Käse oder Wurst im Supermarkt kaufen.

Können Sie auf Lombok deutsches Essen kochen oder würde Ihnen das dort gar nicht schmecken?

Gerhard Rink: Klar können wir hier deutsches Essen kochen. Das machen wir auch immer mal wieder gerne. Oft backen wir Kartoffelbrot nach dem Rezept meiner Mutter.

Was hat Ihnen bis jetzt Schwierigkeiten bereitet? Was sind die Schattenseiten des Urlaubsparadieses?

Bärbel Rink: Bei uns ist es nicht so gelaufen, wie man es im Fernsehen bei den Goodbye-Deutschland-Auswanderern sieht. Die stürzen ja von einem Chaos ins andere. Bei uns ist bisher alles ganz reibungslos gelaufen, teilweise sogar besser als erwartet. Wir hatten schnell unser Visum, die Möbelanfertigung nach unseren Plänen lief super. Unser Container mit unserem Hausrat ist heil angekommen und wir haben ein Konto bei der Bank eröffnet. Gute Freunde haben uns viel geholfen, dadurch wurde auch alles leichter.

Gerhard Rink: Manchmal kneifen wir uns in den Arm...

Auf Lombok werden verschiedene Sprachen gesprochen, zum Beispiel auch Sasak. Wie verständigen Sie sich?

Gerhard Rink: Sasak ist die Regionalsprache hier, aber das wird hauptsächlich nur in Dörfern oder von den Alten gesprochen. Ansonsten sprechen die Leute hier Indonesisch. Wir kommen aber auch mit Englisch ganz gut klar.

Bärbel Rink: Für das Einkaufen auf dem Markt und Gespräche mit unserer Haushaltshilfe reicht mein Indonesisch schon. Aber bald ist für uns beide trotzdem wieder Schulbankdrücken angesagt.

Was war das schönste Erlebnis, das Sie in Ihrer Anfangszeit auf Lombok gemacht haben?

Gerhard Rink: Das schönste Erlebnis gab es nicht. Aber wir hatten so viele kleine Highlights, die man gar nicht aufzählen kann. Schön ist immer wieder ein Sonnenuntergang am Meer. Davon können wir wahrscheinlich nie genug kriegen.

Bärbel Rink: Und ein Besuch im Sternenland ist immer schön, da können wir den Kindern beim Lernen oder Spielen zugucken.

Wie nehmen die Leute Sie dort auf?

Bärbel Rink: Ganz prima. Wir denken aber, dass das auch daran liegt, wie wir uns verhalten.

Gibt es irgendetwas Kurioses, das im kompletten Kontrast zu Deutschland steht?

Gerhard Rink: Kurios ist es eigentlich nicht, aber ein Kontrast zu Deutschland: Unser Leben spielt sich ausschließlich draußen ab. Unser Wohnzimmer ist die Terrasse. Das genießen wir total.

Wie oft wollen Sie künftig in Ihrer alten Heimat Urlaub machen?

Bärbel Rink: Einmal im Jahr wollen wir auf jeden Fall für vier Wochen nach Deutschland kommen und Freunde und Familie besuchen.

Und hat sich auch schon der erste Besuch angekündigt?

Gerhard Rink: Ja, im Dezember kommen sechs Freunde aus Weinbach zu meinem sechzigstem Geburtstag. Dann feiern sie auch gleich noch Weihnachten und Silvester mit uns und unseren Freunden auf Lombok.

Bärbel Rink: Wenn nur ein Bruchteil derer kommt, die sich angesagt haben, erwarten wir wohl öfters Besuch aus Deutschland.

Können Sie sich vorstellen, jemals wieder aus Lombok wegzugehen?

Gerhard Rink: Nein, im Moment ganz sicher nicht. Dafür haben wir viel zu lange darauf hingearbeitet. Und wir fühlen uns zu wohl hier.


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