"So heftig war es noch nie"

Staupebefall Tierarzt rät Hundebesitzern weiterhin zur Vorsicht / 37 Fälle im Landkreis

Unter der Rubrik „Andere Impfungen“ werden vom Tierarzt die Impfungen unter anderen gegen Staupe und Leptospirose eingetragen. Das S bei „SHPPi“ steht für Staupe. Auch der Zeitpunkt zu dem die nächste Impfung fällig wird, ist dort in aller Regel eingetragen. (Foto: Keller)

Vor allem Füchse sind bisher dem Staupevirus erlegen. Es trifft aber auch andere Wildtiere wie Waschbären und Marder. (Archivfoto: Vetter)

Norman Jekel (Foto: Keller)

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Bereits im März hatte das Amt für Veterinärwesen beim Landkreis Limburg-Weilburg Hundebesitzern einige Tipps und Verhaltensregeln empfohlen, wie diese ihre Tiere vor dem Staupevirus schützen können. Denn, die Zahl der bestätigten Fälle in 2016 und 2017 bleibt im Vergleich zu den Vorjahren hoch.

Seit Juni 2016 habe es bis heute 37 bestätigte Fälle von Staupebefall gegeben. Bisher sind das ausschließlich verendete Wildtiere wie Füchse und Waschbären – gefährdet sind aber auch Haustiere. Gerade Hundebesitzer sollten achtsam sein. Hauskatzen lassen sich zwar mit dem Virus infizieren, zeigen jedoch keine klinischen Krankheitsanzeichen. Für den Menschen ist das Virus ungefährlich.

Die Sterberate bei infizierten Tieren kann bis zu 80 Prozent betragen, teilt das Veterinäramt mit. Das Staupevirus bleibt auch außerhalb eines lebenden Organismus noch Tage ansteckend. Es wird durch Speichel, Nasen-, Augensekret, Kot und Urin infizierter Tiere übertragen.

„Ich bin mittlerweile seit 15 Jahren hier in der Tierklinik Löhnberg, aber so massiv habe ich das bisher noch nie erlebt“, schildert Fachtierarzt Norman Jekel seinen persönlichen Eindruck vom anhaltenden Staupebefall im Landkreis. Mittlerweile gibt es bestätigte Fälle in Limburg (Lindenholzhausen), Bad Camberg, Hadamar (Steinbach, Oberweyer), Weilburg (Odersbach), Runkel (Arfurt, Steeden, Hofen), Beselich (Schupbach, Obertiefenbach), Brechen (Oberbrechen), Hünfelden (Heringen), Löhnberg (Niedershausen), Mengerskirchen (Mengerskirchen, Dillhausen) und Selters (Niederselters). Das teilt der Landkreis auf TAGEBLATT-Nachfrage mit.

Der erste Fall sei laut Veterinäramt im Frühjahr 2016 bekannt geworden, dann zwei weitere Fälle im August, einer im September und ein weiterer im Dezember. Die übrigen 21 Fälle alle in den vergangenen Wochen. Das sind allerdings nur die Fälle, die dem Fachdienst für Veterinärwesen und Verbraucherschutz zur Untersuchung gemeldet wurden. Wie viele tatsächlich betroffen sind, lässt sich kaum ermitteln.

Die Mitarbeiter der Tierklinik Löhnberg haben in den vergangenen Wochen allein neun Wildtiere einschläfern müssen, davon wurden bei den Untersuchungen an der Universität Gießen acht positiv auf Staupe getestet. Auch zwei Steinmarder habe Jekel erst am Dienstag einschläfern müssen. Zwar sind die Fälle noch nicht bestätigt, Tierarzt Jekel ist sich aber sicher, dass es sich um Staupe handelt.

Den Eindruck Jekels teilen auch viele seiner Kollegen, die er jüngst auf einer Delegiertenversammlung der Landestierärztekammer Hessen getroffen habe. Auch dort sei der Staupebefall ein großes Thema gewesen.

Hundebesitzer sollten den Impfschutz ihrer Tiere überprüfen und nur mit Leine Gassi gehen

Doch was können Ärzte und Tierbesitzer gegen das Virus tun? „Die Hunde sollten beim Spaziergang angeleint sein und möglichst wenig mit stehenden Gewässern wie Pfützen in Kontakt kommen“, empfiehlt Tierarzt Jekel. Gassigehen an der Leine sei ein Punkt, noch viel wichtiger sei aber ein ausreichender Impfschutz, betont Jekel. „In den vergangenen Jahren sei gerade gegenüber der Tiermedizin der Eindruck entstanden, es werde zu viel geimpft“, schildert er. Es sei eben gerade Trend, wenig oder gar nicht zu impfen.

Mit schwerwiegenden Folgen: Besonders Junghunde seien gefährdet, wenn diese nicht regelmäßig die vorgeschriebenen Impfzyklen einhalten würden. „Wer Zweifel daran hat, ob sein Hund geimpft ist, sollte im Impfausweis nachschauen (siehe Infos unten), sagt er.

Ein weiteres Risiko sieht Jekel, der gerade selbst einen Junghund ausbildet, in der unkontrollierten Einfuhr von Hunden aus dem Ausland, die angeblich geimpft sein sollen, es häufig aber eben nicht sind und bereits Krankheitsträger sind. Über diese Auslandshunde würden auch immer häufiger Krankheiten – Jekel nennt die Blauzungenkrankheit – wieder auftauchen, die man in Deutschland als längst besiegt glaubte.

Regelmäßige Impfungen und Vorsicht beim Spaziergang seien derzeit das, was Hundebesitzer tun könnten, um ihre Vierbeiner zu schützen, rät Jekel. Auffällige Wildtiere (siehe Kasten) sollten immer an das Veterinäramt oder den zuständigen Jagdpächter gemeldet werden.

Für Fragen steht der Fachdienst Veterinärwesen und Verbraucherschutz des  Landkreises Limburg-Weilburg unter (0 64 31) 2 96 58 69 oder per E-Mail an poststelle.avv(at)limburg-weilburg.de zur Verfügung. Auf der Homepage des Landkreises www.landkreis-limburg-weilburg.de gibt es außerdem ein Merkblatt mit Verhaltensregeln für Hundebesitzer. Auch die Tierklinik Löhnberg und andere Tierärzte geben Auskunft bei Fragen zum Thema Impfungen (0 64 71) 6 12 88.

 

SYMPTOME VON STAUPE

Symptome der hochansteckenden Infektionskrankheit bei Hunden und hundeartigen Wildtieren sind hohes Fieber,  Abgeschlagenheit sowie, je nach Verlaufsform, Durchfall, Erbrechen, Atemwegsinfektionen oder auch Bindehautentzündung. Es kann auch zu Entzündungen des Zentralnervensystems kommen. Bei diesem Krankheitsbild kommt es zu Verhaltensauffälligkeiten der Tiere, Zwangsbewegungen, Muskelkrämpfen, bis hin zu Epilepsie-ähnlichen Anfällen. (red) 

 

IST MEIN HUND GEIMPFT?

Welpen sollten im Alter von acht, zwölf und 16 Lebenswochen geimpft werden. Die Impfempfehlung für Hunde in Deutschland beinhaltet Impfungen gegen ansteckende Leberentzündung (HCC), Leptospirose, Parvovirose, Staupe und Tollwut. Auch nach der Grundimmunisierung sollten Hunde regelmäßig geimpft werden. Wer im Impfausweis seines Hundes nachschauen will, ob dieser gegen Staupe geimpft ist, muss unter der Rubrik „Andere Impfungen“ oder englisch „Other vaccinations„ nachschlagen. Das „S“ bei „SHPPi“ steht für den Impfschutz gegen Staupe. (kel)


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