Vom Postinspektor zum Minister

Nachruf  Heribert Reitz ist mit 87 Jahren nach einer kurzen schweren Krankheit gestorben

Seite an Seite mit Willy Brandt (links): Heribert Reitz (Mitte) in der Limburger Markthalle. Hinter ihm steht Erich Meffert, der damalige SPD-Unterbezirks-Geschäftsführer. (Foto: Fluck)
Heribert Reitz ist am Sonntag verstorben. (Foto: Fluck)
Bild 1 von 2

Reitz, der 87 Jahre alt wurde, hatte sich von einem im Januar erlittenen Schlaganfall nicht mehr erholt. Er starb nur zehn Tage nach seiner Ehefrau Herta. An ihrer Beerdigung am vergangenen Freitag hatte er schon nicht mehr teilnehmen können.

Heribert Reitz ist ein Offheimer Bub, der dort am 1. Juni 1930 als Sohn eines Straßenbauarbeiters das Licht der Welt erblickte. Nach dem Abitur 1951 trat er in den gehobenen Dienst der Bundespost ein, die er nach 20 Jahren als Oberinspektor verließ.

Schuld daran war seine politische Karriere, die 1960 in der Gemeindevertretung seines Heimatortes begann, dem er bis zu seinem Tod die Treue gehalten hat. Die politische Heimat von Heribert Reitz war von Anfang an die SPD.

1962 wurde er erstmals in den hessischen Landtag gewählt, dem er knapp drei Jahrzehnte angehörte. Dank seiner hohen Sachkenntnis und rhetorischen Fähigkeiten wurde er 1968 im Haushaltsausschuss mit dem Vorsitz betraut und führte danach von 1970 bis 1972 die SPD-Fraktion.

Die Delegierten wählten Reitz 1976 zum stellvertretenden Vorsitzenden des SPD-Bezirks Hessen-Süd, womit er gleichzeitig dem Landesvorstand angehörte. Später war er Aufsichtsratsvorsitzender der Frankfurter Flughafen AG.

Nach der Wahl von Rudi Arndt zum Oberbürgermeister der Stadt Frankfurt wurde Reitz am 11. April 1972 als hessischer Finanzminister in die von Ministerpräsident Albert Oswald geführte Landesregierung berufen. Er blieb auch in der Folgeregierung des Ministerpräsidenten Holger Börner von 1976 bis 1984 im Amt.

Nach dem Bruch der sozial-liberalen Koalition übernahm der Offheimer am 28. September 1982 zusätzlich die kommissarische Leitung des Ministeriums für Wirtschaft und Technik. Da Reitz eine Zusammenarbeit mit den Grünen um Joschka Fischer strikt ablehnte, die er damals nach eigener Einschätzung für nicht regierungsfähig hielt, schied er am 3. Juli 1984 auf eigenen Wunsch aus der Regierung aus.

Als Zeichen der Anerkennung verlieh ihm Bundespräsident Karl Carstens 1980 das Große Verdienstkreuz

Heribert Reitz hat in all den Jahren seiner landespolitischen Laufbahn nie den Kontakt zur Basis verloren; denn er blieb immer in der Kommunalpolitik seines Dorfes, später der Stadt Limburg und des Landkreises verankert. 1968, mithin vor einem halben Jahrhundert, wurde er erstmals in den Kreistag Limburg-Weilburg gewählt und im Zuge der Gebietsreform 1974 Stadtverordneter in Limburg bis 1997 sowie Mitglied des neu entstandenen Kreistags Limburg-Weilburg. Zeitzeugen bleiben seine geschliffenen Rededuelle mit politischen Gegnern im Sitzungssaal des Rathauses in bester Erinnerung.

Noch lange nach seinem Rückzug aus der aktiven Politik stand „der alte Fuchs aus Offheim“, der mit wachem Verstand die Bundes- und Landespolitik bis auf die kommunale Ebene verfolgte, Parteifreunden als Ratgeber zur Seite.

Als äußeres Zeichen der Anerkennung und des Dankes verlieh ihm Bundespräsident Karl Carstens 1980 das Große Verdienstkreuz, im Jahr 2000 wurde Reitz mit dem Hessischen Verdienstorden ausgezeichnet.

Neben seinem Sohn Toni und einem Enkel trauern Angehörige, Freunde und zahlreiche Menschen um einen großen Sohn unserer Region.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus Region Weilburg und Limburg