"Wir haben ein dickes Fell"

INTERVIEW Die schwarze Katze Henriette über Freitag, den 13., Unglück und Vorurteile

Richtet den Blick auch am Freitag, den 13., klar nach vorne: Katze Henriette. (Foto: Wüstenhagen/dpa)

Wer abergläubisch ist, hält Freitag, den 13., für einen Unglückstag. Auch Glasscherben sollen Pech bringen. (Foto: Hildenbrand/dpa)

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Die schwarze Katze Henriette lebt in Weilburg und bekommt die Vorurteile am eigenen Leib zu spüren – in diesem Jahr auch noch einmal am 13. Oktober. Im Interview nimmt die 13-jährige Lebenskünstlerin kein Blatt vor den Mund und spricht über den Ursprung des Aberglaubens, eine ADAC-Statistik und andere Kulturen.

Henriette, danke für Ihre Zeit. Wie können wir Ihnen am Freitag, den 13., am besten aus dem Weg gehen?

Henriette: Das wird nicht nötig sein. Um gleich damit aufzuräumen: Wir schwarze Katzen sind offen und anhänglich – allerdings nur zu Hause. Fremden gehen wir lieber aus dem Weg. Seit uns Menschen am Freitag, den 13., entsetzte Blicke zuwerfen, bleiben wir meist einfach im Körbchen. 

Warum bringen Menschen Freitag, den 13., ausgerechnet mit Ihnen in Verbindung?

Henriette: Das ist eine lange Geschichte, die uns immerhin ein ausgeprägtes Selbstbewusstsein verschafft hat. Schließlich fürchtet man sich vor uns, was für ein dickes Fell gesorgt hat. Verteufelt werden wir Katzen eigentlich schon seit dem Mittelalter. Das war eine große Umstellung. Schließlich sind wir im alten Ägypten noch als heilig verehrt worden. Im Mittelalter haben uns christliche Geistliche dann als Symbol für heidnische Gottheiten, als ein Abbild des Satans, betrachtet. Plötzlich haben wir das Böse verkörpert und sind mit Magie in Verbindung gebracht worden. Besonders hart hat es schwarze Katzen getroffen: Schwarz galt als dämonische Farbe. Während der Hexenverfolgungen wurden auch wir getötet. Unsere Besitzer sind oft mit Hexerei in Verbindung gebracht worden.

Unglück sollen vor allem schwarze Katzen bringen, die von links nach rechts laufen. Warum eigentlich?

Henriette: Das habe ich mich auch lange gefragt und die Antwort wieder in der Bibel gefunden. Es heißt, dass die Guten von den Sündern getrennt werden und die Bösen sich links aufstellen sollen. Unter Katzen munkelt man, dass das des Pudels Kern ist.

Wenn wir schon einmal dabei sind: Was hat es mit der Zahl 13 auf sich? Und warum soll gerade ein Freitag Unglück bringen?

Henriette: Mit uns schwarzen Katzen hat das ausnahmsweise herzlich wenig zu tun. Aber da es mein Terminkalender heute zulässt, will ich das gerne erklären. Die Zahl 13 und der Freitag gelten unabhängig voneinander schon seit Ewigkeiten als Symbole für Unglück. Oft hat das religiöse Gründe: Nach dem Neuen Testament wurde Jesus an einem Freitag gekreuzigt. Ihren schlechten Ruf verdankt die 13 einer anderen Zahl, der Zwölf. Sie soll Ordnung und Vollkommenheit symbolisieren. Das Jahr hat zwölf Monate. Jesus – und damit wären wir wieder beim Thema Religion – hatte zwölf Jünger. Im Gegensatz dazu ist die 13 nicht rund und wurde oft als „Teufelsdutzend“ bezeichnet. Das sorgt bis heute für die eine oder andere Kuriosität, mit der Unglück vermieden werden soll: In manchen Krankenhäusern, Hotels oder Hochhäusern findet man keinen 13. Stock. Einige Fluggesellschaften haben in ihren Maschinen keine 13. Reihe.

Vor zweieinhalb Jahren hat ein Mann in Süddeutschland eine schwarze Katze totgefahren. Das ganze ist an einem Freitag, den 13., passiert. Zufall?

Henriette: Na klar. Wer solche Zusammenhänge herstellt, reiht sich nahtlos in den Trend der Fake-News ein. Dem wollen wir schwarzen Katzen entschieden entgegen treten. Deshalb haben wir den ADAC gebeten, die Unfallzahlen für diesen Tag einmal gründlich auszuwerten. Zwischen Januar 2004 und Juli 2015 gab es am Freitag, den 13., sogar etwas weniger Unfälle mit Personenschäden als an anderen Freitagen. Im Schnitt waren es an einem „normalen“ Tag 991, am 13. dagegen 982.

Das wird wohl trotzdem viele Menschen nicht abhalten, schwarzen Katzen an einem Freitag, den 13., aus dem Weg zu gehen. Wo haben Sie an diesem Tag denn Ihre Ruhe?

Henriette: Im gesamten asiatischen Raum werden weder die Zahl 13, noch der Freitag mit Unglück in Verbindung gebracht. Das sind eigentlich ganz nette Voraussetzungen. In manchen Regionen haben wir Katzen dort allerdings ganz andere Probleme. Deshalb habe ich mir seit einigen Jahren angewöhnt, am Freitag den 13., einfach durchzuschlafen. Wer vom Pech verfolgt wird, kann das also schon einmal nicht mir in die Schuhe schieben. Miau.

 

Zur Person

Name: Henriette
Alter: 13
Geburtsort: Limburg
Wohnort: Weilburg
Beruf: Lebenskünstlerin
Familienstand: ledig


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