Zeugen sagen im Totschlagsprozess aus

Der 29-Jährige sitzt derzeit auf der Anklagebank beim Landgericht Limburg. (Foto: Schwarz)

Dort muss sich der Vater des Kindes wegen Totschlags verantworten.
Der Rechtsmediziner sprach unter anderem von Blutungen der Sehnerven und im Augenhintergrund. Die Nervenfasern seien geschädigt gewesen. „Das sind typische Zeichen eines Schütteltraumas, die nur durch massives Schütteln entstehen. Das Schütteltrauma ist die schwerste Form der Kindesmisshandlung“, sagte der Experte. Der Vater hatte am zweiten Verhandlungstag von einen Unglücksfall gesprochen, die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der 29-Jährige das Zwillingskind „totgeschüttelt“ hat.

Der Angeklagte hatte ausgeführt, sein Sohn sei im Wohnzimmer von der Coach gefallen. Er habe den reglosen Jungen wachrütteln wollen. Es sei kein intensives Schütteln gewesen. Hierzu erklärte Riße: Selbst ein kurzes Schütteln reiche für solche Verletzungen aus, ausschlaggebend sei die Heftigkeit. Das Gefährliche am Schütteln sei die Kopfbewegung vor und zurück.
Eine Ärztin der Neurochirurgie aus der Wiesbadener Horst-Schmidt-Klinik hatte ausgesagt, der Hirndruck sei so hoch gewesen, dass beim Klinikpersonal Zweifel an der Funktionsfähigkeit des Geräts aufgekommen seien. Allerdings habe ein zweites Gerät den Wert bestätigt. Riße bekräftigte die Aussage seines Kollegen Professor Hartwig Lehmann aus der Kinderklinik Gießen, der einen Sturz als Ursache für die Verletzungen ausschloss. Eine Sturzhöhe von 30 Zentimetern auf einen Flokati lasse keine schweren Verletzungen zu. Auch eine Ohnmacht des Kindes hält er für ausgeschlossen.

Nachbarn glauben an Unschuld

Die Verteidigung hingegen hält es für möglich, dass sich das Kind aufrichtete und von größerer Höhe auf den Boden schlug. Dem widersprach Richterin Karin Walter: „Ein Kind, das nach dem Fläschchen tief und fest schläft, wie es der Angeklagte berichtete, steht nicht nach kurzer Zeit auf.“ Der Sachverständige ergänzte: „Selbst bei einem Sturz vom Wickeltisch aus 85 bis 100 Zentimetern Höhe treten nur in drei bis vier Prozent aller Fälle Verletzungen auf.“

Die Schwester des Angeklagten sagte vor Gericht aus, dass ihr Bruder nach dem Vorfall verstört und niedergeschlagen gewesen sei. Er habe einen Zusammenbruch erlitten. Eine Nachbarin sagte, sie habe kein ungewöhnliches Kindergeschrei gehört. Laut und aggressiv sei nur die Mutter gewesen. Der Vater habe sich um die Kinder gekümmert, sagte ein anderer Nachbar. Keiner der Zeugen traut ihm den angeklagten Totschlag zu.

Die Verletzungen der Zwillingsschwester werden mit einem Sturz in der Krabbelgruppe in Verbindung gebracht. Der Prozess wird am heutigen Donnerstag, 9 Uhr, fortgesetzt.


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