Zu eng, verspätet, ausgefallen

ZÜGE Auch ohne Neigetechnik gibt es Probleme auf der Lahntalbahnstrecke

Seit dem Fahrplanwechsel im Dezember vergangenen Jahres gehören die schnellen Neigetechnikzüge zwischen Gießen und Koblenz der Vergangenheit an. Stattdessen setzt DB Regio auf der Strecke der Lahntalbahn nun teilweise kurze Solo-Triebwagen ein, die manchmal überfüllt sind. (Foto: Günther)

Die schnellen Neigetechnik-Triebwagen zwischen Koblenz und Gießen funktionierten - vor allem in den Anfangsjahren - nicht immer, aber sie boten eine verlässliche Sitzplatzkapazität. Neben 16 Sitzen der 1. Klasse standen in der 2. Klasse 130 Sitze, davon nur wenige als Klappsitze im Mehrzweckbereich, zur Verfügung. Zwei starke Motoren und die bis zu 160 km/h zulässige Höchstgeschwindigkeit erlaubten trotz verspäteter Abfahrt oder längeren Aufenthalten an den Stationen meist eine Reduzierung der Verspätung bis zum Zielbahnhof.

Das ist mit den seit Dezember eingesetzten Triebwagen nicht mehr zu realisieren. Bereits zum wiederholten Mal waren Züge mit großen Verspätungen unterwegs oder fielen aus.

Völlig inakzeptabel ist nach Ansicht des Fahrgastverbands Pro Bahn & Bus allerdings der Einsatz eines einzelnen Solo-Triebwagens vom Typ Coradia Lint-27 (Baureihe 640). Mit lediglich 65 Sitzplätzen in der 2. Klasse und acht in der 1. Klasse stieß dieser Zug schon mehrfach an seine Kapazitätsgrenzen, und für so manchen Reisende fühlte sich die Fahrt eher wie der Transport in einer Sardinenbüchse an.

Für den Betreiber, DB Regio Südwest, bestehen vertragliche Verpflichtungen, welche Mindestkapazitäten an Sitzplätzen bereitgestellt werden müssen. Laut DB seien verschiedene Unfallschäden an Fahrzeugen der Grund für einen aktuellen Engpass. Für eine kurzfristige Verbesserung sollen zusätzliche Fahrzeuge aus dem sogenannten "Stillstandsmanagement" der DB ins Lahntal beordert werden. Zwar stehen nur bauartgleiche kurze Lint-27 zur Verfügung, die aber zu einer Doppeleinheit gekuppelt werden könnten. "Spätestens mit dem Beginn der Ausflugs- und Fahrradsaison ist aber auch diese Kombination ein Problem, weil nur wenige Fahrräder in diesen Triebwagen Platz finden", ist sich Friedrich Lang, Sprecher von Pro Bahn & Bus, sicher.

Pro Bahn sieht in der Aufgabe der Neigetechnik auf dieser Strecke einen Fehler

Wenig Verständnis zeigt Friedrich Lang für die Aufgabe der seit 17 Jahren im Lahntal eingesetzten Neigetechnik, deren Einführung mit Investitionen von rund 30 Millionen DM verbunden war: "Der Wechsel von der betrieblich kostenintensiven Neigetechnik auf weitgehend barrierefreie, ältere Triebwagen mag in finanzieller Hinsicht für die Auftraggeber günstiger sein, für die Reisenden zwischen Mittelhessen und dem Rheintal ist es jedenfalls ein enormer Rückschritt."

Selbst bei geringen Verspätungen werde das Erreichen von Anschlusszügen zu einer eher nervenaufreibenden Angelegenheit. Fahrplanmäßig sind im neu geschaffenen "Taktknoten Koblenz" nur kurze Übergänge zu anderen RE-Zügen in Richtung Mosel/Saar/Luxemburg oder ins Rheintal vorgesehen, die nicht auf verspätete Züge aus dem Lahntal warten können.


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