Sind Städtepartnerschaften noch zeitgemäß ?

Neue Aufgaben der Städte und Gemeinden zum Internationalen Tag der Demokratie

Das es in Europa rund 26000 Städte- und Gemeindepartnerschaften gibt, ist auf der Webseite des "Rat der Gemeinden Europas" nachzulesen. Eine Diskussion über kommunalpolitische Themen oder die unterschiedlichen Sichtweisen in den EU-Ländern bzgl. Fragen der Migration, Verteilung der ankommenden Flüchtlinge auf die EU-Länder und der EU-Asylpolitik wird schon allein aufgrund der vorhandenen Sprachbarriere und der begrenzten Zeit kaum stattfinden. Auch eine Debatte über das Erstarken der Rechten und vor allem der nationalistischen Bewegungen hier wie dort wäre eine sinnvolle Betätigung im Rahmen des partnerstädtischen Programms. Das in Europa, nach zwei durch einen übersteigerten Nationalismus ausgelösten Weltkriegen, nationales Gedankengut immer noch hohen Stellenwert besitzt, zeigen Parolen wie jüngst die des Innenministers "die Migration sei die Mutter aller Probleme". Nicht die Migration, sondern das Wiedererstarken des Nationalismus in Europa ist die selbstgemachte Ursache der allermeisten Probleme, wie man an der Frage der Verteilung der Migranten sieht. Das Wiedererstarken des Nationalismus wäre also ein zeitgemässes Thema städtepartnerschaftlicher Gespräche. Das Nationen künstliche Gebilde sind und durch den nationalen Absolutheitsanspruch immer wieder Konflikte ausgelöst werden sollte mittlerweile bekannt sein. Genauso wie aus dem Flickenteppich vieler kleiner Länder im Mittelalter im Lauf der Zeit größere Staatsgebilde entstanden sind, so müssen sich die Nationalstaaten zu einer Föderation europäischer Staaten zusammenschliessen. Voraussetzung ist das Überwinden nationaler Ideen und Überzeugungen. Nationales Denken und Gedankengut gehört in die Geschichtsbücher bzw. in die Mottenkiste des 20ten Jahrhunderts. Das Politiker jeglicher Couleur genauso wie rechte oder linke Populisten mit nationalen und chauvinistischen Parolen heute immer noch Zustimmung aus allen Schichten der Gesellschaft erhalten ist erschreckend und vielsagend zugleich: Hier hat das europäische Bildungssystem auf ganzer Strecke versagt und hier muss dringend gegengesteuert werden. Nicht mehr, sondern weniger Nationalismus und dafür mehr europäisches Bewusstsein muss auf den Lehrplänen stehen. Die Diskussion aktueller politischer Themen muss übernational im europäischen Rahmen stattfinden. Die Bürger Europas müssen aktiv werden um den aufkeimenden Nationalismus zu bekämpfen. Immer mehr Menschen in Europa erkennen, das die Nationalstaaten uns beschränken und beschneiden, anstatt uns zu nutzen. Die Zollgrenzen und Schlagbäume oinnerhalb der EU sind abgebaut, aber noch nicht die Grenzen in unseren Köpfen. Immer mehr Menschen spüren: Internationalismus ist nichts anderers als ein global aufgeblähter Nationalismus und hat sich längst als untauglich erwiesen, die Probleme der heutigen Menscheit zu lösen. Das haben Esperantisten schon vor dem 1. Weltkrieg erkannt und spätestens seit Gründung des SAT-Bundes, des Anationalen Weltbundes (Sennacieca Asocio Tutmonda, abgekürzt SAT) 1921 existiert eine Gegenbewegung zum Nationalismus, die den Nationalstaat überwinden will. Auch die sogenannte "interne Idee" des Esperanto zielt darauf ab die Menschen durch eine gemeinsame Sprache zu Weltbürgern zu machen, die ihre Heimat lieben, aber in der Welt zu Hause sind. Voraussetzung ist, das die Europäer anfangen Esperanto zu lernen - gemeinsam die Europa-Hyme zu singen wäre ein Anfang: Eŭropa Himno Muziko: Ludwig van Beethoven Esperanta teksto: Umberto Broccatelli Kantu kune amikaro, Ni la ĝojon festas nun, Nek rivero, nek montaro Plu landlimoj estas nun. Ho Eŭropo, hejmo nia, Tro daŭradis la divid‘; Nun brilegu belo via, Ĉiu estas via id‘. Via flago kunfratigas Homojn post milita temp‘, Via leĝo nun kunigas Civitanojn en konsent‘. De l' Malnova Kontinento Ĵus ekstaris la popol', Gvidas ĝin tre nova sento Kaj kuniga forta vol'. Sub la ŝildo de la juro ni vivados en konkord'. Tio estas nia ĵuro: unu land' kaj unu sort'. Jen ekzemplo por la mondo: jen direkto, jen la voj': tuthomara granda rondo en la paco, en la ĝoj'! ;;; dt. Übersetzung Singt gemeinsam, Freundesscharen feiern wir die Freude nur weder Flüsse noch Gebirge bilden Landesgrenzen noch O Europa, uns're Heimat, allzu lang' warst du geteilt. Nun erstrahle deine Schönheit, jeder von uns ist dein Spross. Deine Fahne nun verschwistert Menschen nach der Kriegeszeit. Dein Gesetz vereint jetzt alle Bürger in Verständigung. Überall im Alten Erdteil standen just die Völker auf. Treibt sie doch ein neues Fühlen und der Ein'gung fester Will'. Unterm Schild des Rechtes leben künftig wir in Eintracht fort. Denn so lauten uns're Schwüre: einig Zukunft, einig Land. Geben wir der Welt ein Vorbild: hier die Richtung, hier der Weg: aller Menschheit große Runde nur im Frieden und in Freud'.


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