„Auch Wehrführer ist leistbar“

Feuerwehr Rainer Schmidt berichtet von seiner Arbeit an der Spitze der Aktiven

Von ganzen Herzen Feuerwehrmann: Rainer Schmidt ist Wehrführer in Oberdieten. (Foto: Adel)

Rainer Schmidt ist Wehrführer in Oberdieten und damit „Chef“ von 32 Einsatzkräften. Als Wehrführer muss er zum Beispiel darauf achten, dass alle die erforderlichen Lehrgänge besuchen und die Atemschutzgeräteträger auch die ärztlichen Untersuchungen vorweisen können. Er organisiert die Übungen, zu denen sich die Brandschützer alle zwei Wochen treffen. Immer im Zusammenspiel mit seinem Stellvertreter.

Seit 2004 führt Rainer Schmidt die Einsatzabteilung, zuvor war er schon 15 Jahre stellvertretender Wehrführer. „Einer muss es ja machen“, sagt er und erzählt, wie er 1977 als junger Mann zur Feuerwehr gekommen ist. In Oberdieten fand damals der Kreisverbandstag statt, verbunden mit dem 50-jährigen Bestehen der örtlichen Feuerwehr. Schon als Jugendlicher habe er sich für die Wehr interessiert. „In der Jugendfeuerwehr war ich aber nicht.“ Die wurde in Oberdieten 1975 gegründet, „da war ich schon 17“.

Melden zu den Lehrgängen und Organisation der Übungen gehören zu den Aufgaben

Deshalb sei er so in die Einsatzabteilung „reingerutscht“. Ab 1979 besuchte er alle Lehrgänge, vom Grundlehrgang über die Kurse für Atemschutzgeräteträger, Maschinisten, Funker, Truppführer und andere. Das er dann 1989 stellvertretender Wehrführer wurde, sei ohne großes Aufhebens intern geklärt worden. Ebenso, dass er 2004 Nachfolger von Erwin Schmidt wurde. Es gebe in Oberdieten eine Kontinuität bei den Führungspositionen.

Ungezählte ehrenamtliche Arbeitsstunden haben sich in all den Jahren aufaddiert. Viele Aufgaben sind nach außen praktisch unsichtbar: Etwa das Melden der Kameraden zu den Lehrgängen. Und bei Veranstaltungen der Wehr, den Übungen oder den Einsätzen „ist man der Erste und der Letzte“.

Und natürlich achtet er darauf, dass die Wehr eine schlagkräftige Truppe bleibt. „Das ist bislang aber kein Problem, wir haben eine starke Jugendfeuerwehr. Da bleibt immer was hängen.“

Erlebt hat er auch eine immer stärkere Professionalisierung und eine modernere Technik. „Wenn früher Einsätze waren, musste schon mal improvisiert werden.“ Heute gehe es eher darum, ob das verwendete Material noch zugelassen sei.

Die Verantwortung schreckt ihn nicht. Rainer Schmidt ist auch stellvertretender Gemeindebrandinspektor. „Man macht das nach bestem Wissen und Gewissen.“ Und natürlich ist es längst auch eine ordentliche Portion Erfahrung. Einsätze gab es viele in seinen Dienstjahren. Große Brände, aber auch schwere Verkehrsunfälle.

Denn aufgrund der Lage an der Bundesstraße 253 hat die Oberdietener Feuerwehr schon 1984 eine Rettungsschere. Viele belastende Einsätze hat Rainer Schmidt mit erlebt und auch einen toten Kameraden befreien müssen. „Wir kamen da hin und haben das Auto gesehen. Da wussten wir sofort, was los ist.“ Dann die Aktiven wieder aufzubauen, das Gespräch zu suchen, auch das ist Aufgabe des Wehrführers. „Wir haben das immer gut hingekriegt. Und wir haben auch viele Menschen gerettet“, sagt Schmidt. Schwere Unfälle seien inzwischen zum Glück seltener geworden.

Das Tanklöschfahrzeug hat Schmidt 35 Jahre lang begleitet und ist ein halbes Jahr vor ihm im „Ruhestand“

Aber es gab auch viele fröhliche Anlässe, bei denen Rainer Schmidt die Kameradschaft genoss. Er ist nicht nur für die aktive Feuerwehrarbeit verantwortlich, sondern auch stellvertretender Vorsitzender des Vereins – und der Vorsitzende Peter Schmidt ist wiederum stellvertretender Wehrführer.

Die Jubiläumsfeste, die zum Teil groß gefeiert wurden – zuletzt das 90-jährige Bestehen im vergangenen Jahr. Der Bau des Gerätehauses vor 20 Jahren. Oder die Indienststellung des Tanklöschfahrzeugs 1983 – „Ich war dabei, wie wir es geholt haben“ – all das bleibt in Erinnerung. Und natürlich die vielen kleineren Tätigleiten, denn keine Woche vergeht, ohne dass nicht etwas zu tun ist. "Aber", betont Rainer Schmidt. „auch Wehrführer ist leistbar„.

Das Fahrzeug mit ihm alt geworden, sagt Rainer Müller und schmunzelt wieder. „Ich bin mein Leben lang gerne und mit Begeisterung in der Feuerwehr gewesen.“ Aber inzwischen denke er schon hin und wieder, dass er das lange genug gemacht habe. Im Januar 2019 endet seine Dienstzeit. Dann will er die Verantwortung in jüngere Hände geben, aber natürlich noch so lange wie möglich aktiver Feuerwehrmann bleiben. Damit ist er immerhin länger im Dienst als das Fahrzeug: Das ist Mitte Juli ersetzt worden. „Für mich war das noch mal ein Highlight.“ Und er war natürlich wieder dabei, als es geholt wurde.


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