Betrüger muss zwei Jahre in Haft

Ebay Ex-Endbacher baut "Imperium" auf

Die Zeit im berüchtigten Tacumbu-Gefängnis wird dem Mann angerechnet - jeder Tag im überfülltesten Gefängnis Paraguays zählt wie 2,5 Tage in deutscher Haft. (Foto: AFP/Norberto Duarte)

In Handschellen wird der Angeklagte nach dem Urteil abgeführt. (Foto: Krause)

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Der Mann hat gestanden, von Paraguay aus mit einem ausgeklügelten System Ebay-Kunden um ihr Geld gebracht zu haben. Das Geständnis war "sehr werthaltig", würdigte Staatsanwalt Oliver Rust in seinem Plädoyer. Durch die Preisgabe umfangreichen Täterwissens wurde eine mehrere 100 Tage dauernde Hauptverhandlung mit vielen Zeugen überflüssig. Das Geständnis ist aber auch der einzige Punkt, der für den Angeklagten spricht. Die Vielzahl der Taten und die Akribie, mit der er sie ausführte, sprechen gegen ihn. "Er war kein Gelegenheitstäter, er hat das hauptamtlich gemacht", sagte der Staatsanwalt. Bei dem Arbeitsaufwand wäre auch mit ehrlicher Arbeit genug zu verdienen gewesen.

Über Kleinanzeigen gewannen der Mann und seine Ex-Frau Agenten in Deutschland, die ahnungslos nicht existierende Waren auf ihren eigenen Ebay-Konten anboten und das Geld von ihren Bankkonten über einen Finanzdienstleister nach Paraguay transferierten. Dort nahmen der Angeklagte, seine Ex, seine neue Freundin sowie der neue Partner der Ex das Geld in Empfang. Die frühere Ehefrau sitzt schon rechtskräftig verurteilt in Deutschland im Gefängnis.

Die Agenten waren genauso wie die Kunden Opfer, sagte der Staatsanwalt, sie wurden für den Schaden haftbar gemacht. Mit der Aussicht auf einen "Top Nebenjob" wurden sie geködert. Beschwerten sie sich, weil ihre Konten gesperrt wurden und wegen Geldwäsche gegen sie ermittelt wurde, setzte der Angeklagte sie noch unter Druck.

Trio teilt Beute unter sich auf

Auch der Verteidiger Thomas Strecker räumte ein, dass sich der Ex-Endbacher "sehr geschickt angestellt hat, sonst wäre er nicht so erfolgreich gewesen. Es war schon eine Riesenleistung, ein solches Imperium aufzubauen." Gleichwohl: Der Schaden von rund 300 000 Euro sei gegenüber anderen Wirtschaftsstraftaten verhältnismäßig gering. Strecker forderte sechs Jahre und acht Monate Haft. Der Staatsanwalt plädierte auf sieben Jahre und fünf Monate.

Richter Carsten Paul blieb dazwischen und verhängte sechs Jahre und elf Monate. Der Mann handelte neben den 857 Betrugsfällen in 215 Fällen auch gewerbs- und bandenmäßig, so die Begründung. Neben seiner Ex-Ehefrau war auch die neue Lebensgefährtin involviert. Das Trio teilte die Beute: Jeder bekam 30 Prozent, zehn Prozent gingen an die Tochter des Mannes. Dass der 29-Jährige bis zum Schluss beteuerte, seine Freundin sei ahnungslos gewesen, glaubte ihm das Gericht nicht.

Künftig nur Hunde und Handwerk

Wichtiger für den 29-Jährigen war aber sicher die Entscheidung, wie die Auslieferungshaft in Paraguay angerechnet wird. 23 Monate saß er im berüchtigten Gefängnis Tacumbu in der Hauptstadt Asunción. Von unmenschlichen Zuständen, Hunger, hoffnungsloser Überbelegung und alltäglicher Gewalt bis hin zu Mord war im Prozess die Rede.

Die Staatsanwaltschaft hielt eine Anrechnung von zwei zu eins (zwei Tage deutsche Haft für einen Tag in Tacumbu) für angemessen. Im Gegensatz zu einem Zeugen, der vor einem anderen Gericht drei Tage Haft für einen Tag Tacumbu erhalten hatte, habe sich der Angeklagte bessere Verhältnisse im Gefängnis erkauft. Der Verteidiger forderte trotzdem das Verhältnis eins zu drei für seinen Mandanten. Der Angeklagte selbst sagte, die Zeit in Tacumbu sei die schlimmste seines Lebens gewesen.

Das Gericht entschied auf eins zu 2,5. Ist das Urteil rechtskräftig,  muss der Mann in Deutschland noch etwa zwei Jahre absitzen. Danach will er wieder nach Paraguay, wie er im Schlusswort sagte. Dort leben seine Freundin und seine Kinder. Leben will er fortan von Hundezucht und Handwerk. "Ich werde Abstand von kaufmännischen Berufen nehmen und meinen Lebensunterhalt ehrlich verdienen", gelobte er.


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