Freie Fahrt zum Windpark

ENERGIE Rotorblätter dürfen Luftraum kreuzen

Entlang der Zufahrt zum Windpark Hilsberg liegt das Grundstück der Gemeinde Steffenberg, das die BI Holzhausen gepachtet hat. Die Rotoren der Windanlagen dürfen nach einem Rechtsstreit nun beim Transport in den Luftraum der gepachteten Fläche hineinragen. (Archivfoto: Meistrell)

Das hat das Landgericht Marburg entschieden. Die Bürgerinitiative hatte zuvor für die Wiese am Fuß des Hilsbergs ein Betretungsverbot ausgesprochen, das auch den Luftraum mit einschließt. Als Grund dafür gab sie den Schutz von Rotmilanen und anderen Vogelarten an.

Die etwa 50 Meter langen Rotorblätter jedoch würden während des Transports in diesen Luftraum über dem gepachteten Gelände hineinragen. Für das Überschwenkrecht hat die Gemeinde Bad Endbach geklagt – und gewonnen. Die gesamten Kosten des Rechtsstreits, etwa 5000 Euro, trägt die Bürgerinitiative Holzhausen.

Das Urteil ist sofort gültig. „Wir können also gut weiterbauen“, betont der technische Betriebsleiter Thomas Reuter.
So gut, dass eventuell schon Ende Oktober die erste Anlage „ans Netz gehen kann“, wie Reuter sagt. Also zwei Monate vor der ursprünglich für Ende des Jahres angesetzten Fertigstellung. „Damit ließen sich in diesem Jahr schon 2000 Tonnen CO2 einsparen“, schwärmt Reuter.

Erste Anlage Ende Oktober

Der Betonbau wird in Kürze abgeschlossen. Mitte August startet die Vorbereitung für die Transporte, kurz darauf die für die Kranstellplätze. Im September sollen dann zwei 160 Meter hohe Kräne an zwei Baustellen parallel im Einsatz sein. Nach der Sommerpause geht es dann schließlich an die Vor- und Endmontage.

„Jetzt hoffen wir nur, dass uns die Natur bei der Montage keinen Strich durch die Rechnung macht“, sagt Reuter. „Bei der Montage der Rotoren darf die Windgeschwindigkeit nicht größer sein als drei Meter pro Sekunde. Deshalb müssen wir den Zeitpunkt gut abwarten. Erfahrungsgemäß ist es so, dass nach Sonnenuntergang die Thermik nachlässt.“

Ruhe nach dem Sturm empfindet Reuter auch in Sachen Akzeptanz des Windparks. Er führt es auf die vielen Führungen über die Baustelle zurück. Über 250 Menschen haben sich vor Ort ein Bild von der Entstehung gemacht. Weitere Führungen soll es im September geben, wenn der Maschinenbau in den Mittelpunkt rückt.

Zwei weitere Klagen – von Seiten der Jagdgenossenschaft Holzhausen und des Grenzhauses in Steinperf – gegen den entstehenden Windpark wurden zudem seitens der Kläger eingestellt.

Weniger erfreulich für die Gemeinde: Erneut ist es auf dem Windpark-Gelände zu Verunreinigungen gekommen. Es folgte einer weitere Anzeige gegen Unbekannt. Nach Verschmutzungen an der Logistikfläche und an Standort 2 ist jetzt auch an Standort 4 Diesel ins Erdreich gelangt, „obwohl dort nie eines unserer Fahrzeuge gestanden hat“, so Reuter. Zwar ist das Gelände videoüberwacht, die Kameras „wandern jedoch mit der Baustelle“. Die durch die Verunreinigungen entstandenen Kosten belaufen sich laut Reuter auf etwa 40 .000 Euro. Diese Summe muss jedoch nicht die Gemeinde, sondern die Firma Enercon tragen.


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Kommentare (1)
2000 Tonnen co2 Einsparen? Wie soll das denn gehen? Wenn sich solch eine Anlage frühestens nach 8 Jahren energetisch amortisiert. Wenn Herr Reuter sich über alles so gut informiert hat wird bestimmt alles gut :-)
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