Hunde-DNA-Datenbank soll helfen

Politik  Jagd auf Hundehäufchen-Sünder in Lohra mittels genetischer Spur diskutiert

Lohra wird mittels einer DNA-Datenbank gegen unappetitliche Hinterlassenschaften von Hunden vorgehen. (Foto: Richter)

Die Hinterlassenschaften von Hunden sind auch in der Gemeinde Lohra ein zunehmendes Ärgernis und ließen gleich frischen Wind in der Hauptausschuss-Sitzung aufkommen, als es um die Neufassung der Hundesteuersatzung ging.

Neben einigen Änderungen in der Handhabung, sollten zugleich die Hebesätze für die Hundesteuer angehoben werden. Überraschenderweise lag aber dazu ein Änderungsantrag der CDU, SPD und BfB vor, für den Christdemokrat Werner Waßmuth als Erster vehement warb.

Bevor man die Steuer erhöhe, sollte man das Problem Hundekot anders angehen und entsprechende Sanktionen einführen, weil sich über die Hundesteuer allein das Problem nicht lösen ließe. Das beschrieb Waßmuth folgendermaßen: Er sei oft im Feld unterwegs und sehe die Hinterlassenschaften der Hunde auf den Feldern, dort wo „unsere Lebensmittel wachsen“. Auch habe er sich jüngst geärgert, als er beim Umgraben seines Gartens mit der Hand in Hundekot packte.

Und nicht zuletzt gebe es Beschwerden von Eltern, wenn die „Tretminen“ auf den Bürgersteigen liegen oder Kinder beim Spielen damit in Berührung kämen.

Denn, so Waßmuth, dabei handele es sich nicht um Dünger: „Wo so ein Haufen liegt, darunter wächst nichts mehr.“

Um was für einen Haufen es sich in der Gesamtsumme handelt, war in einer überschlägigen Rechnung schnell dargestellt. Wenn ein Hundehaufen auf 100 Gramm komme, produzierten 100 Hunde im Monat 300 Kilogramm und in einem Jahr 3,6 Tonnen. In der Gemeinde Lohra sind 492 Hunde gemeldet, erklärte der Gemeindevorstand, der von Hans Kraft vertreten wurde, auf Nachfrage.

Dieser Zustand sei nicht erträglich, erklärte Waßmuth, deshalb müsse man neue Wege gehen. Auch die Sprecher der anderen Antrags-Fraktionen, Kurt Schwald für die SPD und Harald Rink für die BfB, befürworteten den gemeinsamen Antrag. Denn eine Erhöhung der Steuer treffe alle Hundehalter, während die Zahl der „Schwarzen Schafe“ wohl nur ein oder mehrere „Prozentchen“ erreichen dürfte, brach Schwald eine Lanze für die Hundebesitzer, die die Hinterlassenschaften ihrer vierbeinigen Freunde entsorgen.

Rink schlug zudem vor, zu überlegen, im Gegenzug die Hundesteuer zu senken oder denjenigen zu erlassen, die eine DNA-Probe ihrer Hunde ablieferten.

Bisher sind die durchaus möglichen Bußgelder nicht erhoben worden

Ob denn bisher keine Bußgelder verhängt wurden, wollte Bernd Willershausen von der BfB wissen, was Lars Plitt verneinte, weil die Verursacher kaum feststellbar seien, würden diese aber in flagranti erwischt, dann handele es sich um eine Ordnungswidrigkeit.

Er könne die Problematik sehr gut nachvollziehen, frage sich aber, was die DNA-Proben und die Erstellung einer Datenbank kosten würde, warf Jan Klefenz von den Grünen ein und Jennifer Wagner fragte nach der praktischen Umsetzung. „Wer sammelt das alles ein, verpackt, verschickt es, damit es getestet werden kann“, wollte die BfB-Vertreterin wissen.

Man habe doch wichtigere Dinge zu bereden, als 3,6 Tonnen Hundekot, die sich auf wer weiß wie viel Fläche verteile. Es gehe auch um das Lebensgefühl, die Lebensqualität erwiderte Waßmuth, der zum mehrfach vorgetragenen Kostenargument sagte, dass jetzt zu prüfen sei, ob die Idee umgesetzt werden könne und wie viel dies kosten würde. Wobei für Waßmuth klar ist, dass die Verursacher die Kosten zu tragen hätten. Die Idee sei nicht neu, das Problem hätten alle Kommunen und da wäre es doch gut, wenn Lohra mit einer DNA-Datenbank für Hundekot in Hessen oder gar bundesweit der Vorreiter wäre. Wie das Online-Portal „Der Westen“ bereits vor einem Jahr berichtete, führten London und einige Gemeinden der USA ­bereits DNA-Datenbanken für Hunde ein, und erreichten damit eine Reduzierung von Hundekot-Verunreinigungen von bis zu 90 Prozent.

Der Hauptausschuss empfiehlt der Gemeindevertretung mit sieben Ja zu zwei Neinstimmen die Annahme des Änderungsantrags.


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Kommentare (1)
Und für solche Tests wird natürlich die Allgemeinheit der Hundesteuerzahler zur Kasse gebeten.

Hoffentlich setzt sich dieser Blödsinn nicht durch und macht Schule in anderen Gemeinden und Städten.
Man sollte sich evtl. mehr
auch Gedanken über eine bessere Infrastruktur machen. In meinem Wohnort (Stadtteil von Wetzlar mit 3.800 Einwohnern und einer dementsprechend hohen Anzahl von Hunden) findet man sage und schreibe 2 Hundekotbeutelspender und kaum öffentliche Mülleimer. Da wundert es nicht, dass manch Hundehalter die Hinterlassenschaften von Bello nicht entsorgt, oder gar den gefüllten Kunststoffbeutel im Feld liegen lässt. Andere Gemeinden können das besser.

Auch stelle ich mir bei Gassirunden oft die Frage, warum ich nicht nur um die Hinterlassenschaften von Hunden, sondern auch um solche von Pferden Slalom laufen muss.
Die öffentlichen Straßen und Wege in meinem Wohnort sind nicht selten mit Pferdemist gepflastert. Kürzlich bin ich aufgrund dessen beinahe mit dem Motorrad gestürzt.
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