Kuh ist acht Monate auf der Flucht

Polizei  „Elsa“ wiedersetzt sich allen Versuchen, sie wieder einzufangen

Das ist Elsa. Die Kuh hat die Polizei mächtig auf Trab gehalten. Jetzt ist sie wieder zuhause. (Foto: Polizei)

(Foto: Polizei)

(Foto: Polizei)

Bild 1 von 3

Mitte Februar sollte Elsa von einem Landwirt in der Hainstraße in Biedenkopf in einen anderen Viehtransporter umgeladen werden. „Dazu hatte der Vierbeiner überhaupt keine Lust“, berichtet Polizeipressesprecher Jürgen Schlick am Freitagmittag. Elsa suchte das Weite und rief in der Folgezeit immer wieder die Polizei, heimische Jäger sowie Veterinäre auf den Plan. Zahlreiche Versuche, den Vierbeiner zu fangen oder zu betäuben, schlugen fehl.

Einer, bei dem nachts immer wieder mal das Telefon klingelte, wenn Elsa irgendwo gesichtet worden war, ist Edmund Weber aus Eckelshausen. Die Polizei habe seine Telefonnummer, erzählt er dem Hinterländer Anzeiger. „Wenn irgendwo eine frei laufende Kuh oder ein herrenloses Pferd gesichtet wird, ruft sie oft bei mir an.“ So auch im Fall von Elsa.

Doch bei dieser Kuh wollte es partout nicht gelingen, ihrer habhaft zu werden. Manchmal war Elsa schon wieder weg, ehe Weber vor Ort sein konnte. „Das war spannend“, erzählt der Landwirt, „wenn wir ankamen, dann war sie schon verschwunden“. Ein andermal gelang es nicht, nahe genug an das Tier heranzukommen, um es betäuben zu können. Der Tierarzt müsse sich auf mindestens 30 Meter nähern, um schießen zu können, erklärt Edmund Weber. Elsa roch aber immer frühzeitig Lunte. „Das hat nicht funktioniert“, berichtet Weber, „so dicht kamen wir nie heran“.

Dass dem so war, führt der Landwirt auf einen wesentlichen Aspekt zurück: Elsa ist eine Weidekuh und keine Stallkuh. Kühe, die im Stall stehen und es gewohnt sind, angebunden zu sein, sind laut Weber üblicherweise friedlicher als Kühe, deren Alltag das Leben auf der Weide ist.

So verschwand die Kuh für geraume Zeit und sorgte im Hinterland immer wieder für Aufsehen. Mal wurde sie auf der Bundesstraße 62, mal auf der B 253 oder in der Innenstadt von Biedenkopf gesichtet. Zudem erfolgten ausgiebige Fußmärsche im Bereich der Ludwigshütte, im Bereich Weifenbach und Wallau.

Eine Aufnahme aus einer Wildkamera dokumentiert ein nächtliches Treffen mit einem Reh

Elsa scheute auch nicht den Kontakt mit anderen Tieren. „Eine Aufnahme aus einer Wildkamera im Hinterland dokumentiert ein nächtliches Treffen mit einem Reh“, berichtet Jürgen Schlick. Leider sei zum Inhalt der „Unterhaltung“ zwischen Elsa und dem Reh nichts bekannt, fügt der Marburger Polizeisprecher schmunzelnd hinzu.

Irgendwann wurden die „Verfolger“ sogar darauf aufmerksam, wo Elsa ihr Lieblingsplätzchen hat: in einem Fichtenwäldchen bei Weifenbach. „Da hat sie sich über längere Zeit aufgehalten“, berichtet Edmund Weber. Deutlich habe man auf dem Boden die Trittspuren und den Kuhdung sehen können. Von dort führte ihr Weg sogar zur Sackpfeife hinauf. Zu fangen war sie dennoch nicht – obwohl ihr Unterschlupf aufgeflogen war. „Das wurde als schlimmer“, sagt der Eckelshausener Landwirt

„Scheinbar hatte die Kuh irgendwann keine Lust mehr auf das Vagabundenleben und schlich sich bei einem Landwirt in Niederlaasphe ein“, beendet Jürgen Schlick seinen Bericht. Hier fiel Elsa erst auf, als eine veterinärmedizinische Untersuchung der Rinderherde anstand. Bei der Zählung war plötzlich ein Tier zu viel auf der Weide.

Telefonate mit Landwirten sowie die Ohrmarke rissen Elsa letztendlich aus der Anonymität. Nun ist sie wieder zurück auf ihrem Hof im Landkreis Fulda.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus Region Hinterland und Marburg