"Man muss etwas verrückt sein"

IRONMAN Hinterländer Triathlet startet am Sonntag in Frankfurt

Bis man am Ironman teilnehmen kann, sind monatelange Trainings nötig. Wolfgang Ehrling und Timo Heck gehen zum Beispiel gemeinsam laufen. (Foto: Valentin)

Aber genau das wird der Buchenauer am kommenden Sonntag wieder machen, wenn er bereits zum siebten Mal beim Ironman in Frankfurt an den Start geht. Dabei hat der 55-Jährige in diesem Jahr schon einen solchen Wettkampf in den Knochen: Anfang des Jahres hat er beim Ironman auf Lanzarote mitgemacht, und der gilt unter Kennern vor allem aufgrund der Radstrecke als besondere Herausforderung. Hier müssen nämlich 2700 Höhenmeter überwunden werden.

Disziplin beweisen und flexibel reagieren können

Ironman, das bedeutet auf der einen Seite Disziplin, weiß Ehrling, auf der anderen aber auch flexibel auf Situationen reagieren zu können. "Während des Wettkampfs kann immer wieder irgendwas Unvorhersehbares passieren. Da muss man dann in der Lage sein, drauf reagieren zu können", erklärt er. Zum Beispiel ein platter Fahrradreifen, der auf die Schnelle gewechselt werden muss, oder ein Wadenkrampf beim Schwimmen, aufgrund dessen man dann auch einmal ein paarhundert Meter nur mit den Armen paddelt. "Aufgeben" kommt im Wortschatz eines Ironman-Triathleten jedenfalls nicht vor. Das weiß Wolfgang Ehrling nur allzu gut. 2011 erhielt er nach einem Treppensturz nur wenige Tage vor dem Wettkampf vom Arzt die niederschmetternde Nachricht: Bänderriss! Wer glaubt, dass dies das Aus für den Ironman bedeutete, irrt gewaltig. Der Buchenauer ist trotzdem gelaufen und hat es auch ins Ziel geschafft. "Das Schlimmste war das Schwimmen. Die Peitschenbewegung mit den Beinen hat am meisten weh getan."

So viel Glück wie Ehrling hat Timo Heck aus Allendorf nicht. Für den 35-Jährigen sollte Frankfurt der erste Ironman-Frankfurt werden. Neun Monate hatte er sich darauf vorbereitet, war 160 Kilometer geschwommen, über 5000 Kilometer mit dem Rad gefahren und 960 Kilometer gelaufen. Kurz vor der Ziellinie hat ihn nun eine Operation am Fuß gestoppt. Er wird am Sonntag nicht im Teilnehmerfeld stehen. "Aber heute ist nicht aller Tage, ich komm wieder - keine Frage", teilt der Allendorfer über Facebook mit.

Nach seiner Hochzeit 2005 hatte er mit dem Laufen angefangen, danach irgendwann die ersten Halb- und Marathons absolviert. Im vergangenen Jahr stand erstmals ein Mitteldistanz-Triathlon auf dem Programm. Triathlon sei ein schönes Hobby, gibt Heck zu, aber auch ein zeitintensives. "Man muss das Training schon in den Alltag einbauen", weiß er. Teilweise steht er morgens um 5 Uhr auf, läuft zwei Stunden, geht dann zur Arbeit nach Gladenbach und dort in der Mittagspause zum Schwimmen. Und abends schwingt er sich dann auch noch mal aufs Rad. "Zum Glück läuft meine Frau auch und versteht das ganz gut", grinst er. Ansonsten könnte die Zeit, die ein Triathlet für das Training opfert, schon einmal für Missstimmungen zuhause sorgen.

Die Ernährung ist übrigens bei der Vorbereitung zu einem Ironman-Wettkampf nicht ganz so wichtig, wie viele glauben mögen. Natürlich sollte man sich keine Rettungsringe anfuttern und auf deren Vorteile beim Schwimmen hoffen. "Aber am Ende muss jeder selbst wissen, was ihm gut tut", sagen Heck und Ehrling übereinstimmen. Wichtiger als die Nahrung vor, ist ohnehin die während des Wettbewerbs. Während eines Ironmans haben die Teilnehmer einen Umsatz von 8500 bis 9000 Kalorien, erklärt Ehrling. Zum Vergleich: Der Grundumsatz eines normalen Erwachsenen liegt am Tag zwischen 1500 und 2000 Kalorien. "Da muss man dem Körper einfach zurückgeben, was er verliert", sagt Ehrling. Und das ist keineswegs nur Wasser. Für ihn gehören zum Beispiel Salztabletten sowie Energieriegel und -gels zur Grundausstattung.

Manche Teilnehmer "pfeifen sich zwischendurch 'ne Bratwurst rein"

"Ich habe aber auch schon Teilnehmer gesehen, die sich zwischendurch eine Bratwurst reingepfiffen haben und dann wieder auf die Strecke gegangen sind", betont der Buchenauer. Und auf den letzten Kilometern gibt dann abgestandene Cola noch einmal den letzten Kick, um es bis ins Ziel zu schaffen.

Was viele auch nicht wissen: Beim Ironman gelten besonders strenge Regeln, was man darf und was nicht. "Im Windschatten eines anderen Teilnehmers zu fahren, kann zur Disqualifikation führen", erzählt Ehrling. Ebenso wenn man unterwegs zum Beispiel die Verpackung eines Energieriegels wegwirft, sich in einem Busch am Straßenrand erleichtert oder rechts überholt. Er habe schon genügend Leute gesehen, für die der Wettbewerb nach solchen "Vergehen" beendet war. Wolfgang Ehrling fiebert dem Wettkampf am Sonntag jedenfalls entgegen, und Timo Heck, der wie der Buchenauer für den Marburger Ultrasport-Club an den Start gegangen wäre, drückt ihm von zu Hause die Daumen. Denn Ehrling hat ein klares Ziel: Er will sich für die Mutter aller Ironmans auf Hawaii qualifizieren. Weil dafür aber die Zeit wahrscheinlich nicht hinhauen wird, setzt der 55-Jährige auf eine andere Karte. "Wer zwölf Ironmans mitgemacht hat, kommt automatisch in den Lostopf für Hawaii", erzählt er. Und das will er auf jeden Fall erreichen.


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