Miss Mathematik – mit Fisch und Reis

VORTRAG  Amary Fall berichtet im Gladenbacher Café Fair über die Bildungssituation in Senegal

Im Collège Keur Baka wurde eine Schulkantine eingerichtet, in der für die Abschlussklassen dreimal pro Woche eine warme Mahlzeit aus Reis und Fisch gekocht wird. (Foto: Amary Falls)
Amary Fall. (Foto: privat)
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Im westlichsten Land Afrikas mit einer Analphabetenrate von 58 Prozent unter den Erwachsenen ist das Engagement für bessere Bildungsangeboten, vor allem für Mädchen und Frauen, die Chance für die Entwicklung des ganzen Landes.

Eindrucksvoll und anschaulich berichtete Amary Fall, ehemaliger Lehrer und Leiter der Schulbehörde in Kaolack, im gut besetzten Café Fair von der Schul- und Bildungssituation im Senegal. Dank der Übersetzung durch Angela Schmidt-Bernhardt vom Senegal-Verein Marburg tauchten die Zuhörer in die Kultur und Tradition ein, wurden zudem ganz konkret über aktuelle Lebensbedingungen im postkolonialen Senegal informiert.

Die von Amary Fall aufgezeigten Gründe für das Fernbleiben oder den Schulabbruch vor allem von Mädchen auf dem Lande stehen stellvertretend für solche in zahlreichen Ländern auf dem afrikanischen Kontinent. Zu Frühehen, langen Schulwegen, Analphabetismus, Traditionalismus und Armut der Eltern kommt im Senegal der große Einfluss der Koranschulen hinzu. In weiten Landesteilen bestehen die einzigen schulischen Angebote in den arabisch gesprochenen Unterweisungen eines Koranlehrers, des Marabou.

Mithilfe des Senegal-Vereins Marburg unterstützt Amary Fal das Collège Keur Baka mit seinen rund 480 Schülern. Die staatliche Schule bietet Jungen und Mädchen neue Chancen auf umfassende Bildung – nicht zuletzt durch das Einrichten einer Schulkantine, in der für die Abschlussklassen dreimal pro Woche eine warme Mahlzeit aus Reis und Fisch gekocht wird.

„Wer Hunger hat, kann nicht lernen“, stellte Amary Fall nüchtern fest. Inzwischen sind die Eltern des Collège mobilisiert, sitzen im Kantinen-Komitee und besorgen das Feuerholz. Das Projekt „Schulkantine“ hat Schule gemacht.

Engagiert und lebhaft beschrieb der Referent weitere Lernanreize für Mädchen und junge Frauen, zum Beispiel landesweite Wettbewerbe im Fach Mathematik.

Frauen lernen die Landessprachen, um Kredite für ein kleines Geschäftsmodell beantragen zu können

Seit dem Ende seiner aktiven Berufsjahre engagiert sich Amary Fall besonders in der funktionalen Alphabetisierung von Frauen. Diese lernen zum Beispiel eine der 20 Landessprachen oder die Amtssprache Französisch gezielt für ihre Bedürfnisse zu nutzen. So wird ihnen das Vokabular vermittelt, das sie zum Beantragen von Mikrokrediten für ein kleines Geschäftsmodell benötigen.

Amary Falls informativer und persönlich gestalteter Vortrag regte die Zuhörer im Café Fair zu Nachfragen an, unter anderem nach Möglichkeiten zur Erweiterung der Schulkantine, nach Einsparen von Holz, das im Zuge des Klimawandels rarer wird, oder nach den Perspektiven für junge Leute mit einer guten Schulausbildung.

„An diesem Abend haben Sätze vom Bekämpfen der Fluchtursachen in Ländern Afrikas ihre Phrasenhaftigkeit verloren. Dieses konkrete Projekt macht Mut zur Weiterentwicklung“, sagte Doris Häring vom Weltladen-Team.

Unter den Zuhörern wurde ein kleiner Senegal-Graskorb des Weltladens herumgereicht. Das Sammelergebnis ist für die Erweiterung der Kantine im Collège Keur Baka bestimmt. (red)


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