Retter, Kulturbotschafter, Brückenbauer

GESCHICHTE  Freiwillige Feuerwehr Weidenhausen besteht seit 90 Jahren / Fest findet am 16. und 17. Juni statt

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Sie beweisen Mut, übernehmen Verantwortung und stehen rund um die Uhr bereit, um Menschen in einer Notlage zu helfen. Ihr Dienst ist nicht planbar. Für ihre freiwillige Arbeit nehmen sie persönliche Risiken auf sich. Das gemeinsame Ziel lautet: In Kameradschaft dem Nächsten helfen.

Das war schon vor 90 Jahren der Antrieb für 51 junge Männer, die Freiwillige Feuerwehr Weidenhausen ins Leben zu rufen. Die Gründungsversammlung fand am 14. Januar 1928 statt. Im dritten Anlauf gelang es somit, einen selbstverwalteten Feuerwehr-Verein aus der Taufe zu heben.

Bereits in den 90er Jahren des vorherigen Jahrhunderts sowie um das Jahr 1925 gab es ähnliche Versuche in Weidenhausen. Doch weil es am Interesse und auch am Geld fehlte, waren sie nicht von Erfolg gekrönt.

Feuerwehr stand Pate für die im Jahr 2010 besiegelte Städtepartnerschaft mit Londerzeel

In dieser Zeit war der Brandschutz von den Männern des Dorfes pflichtgemäß erfüllt worden. Doch mit dem Bau der Wasserleitung in den Jahren 1927 und 1928 war eine gleichmäßige und ausreichende Trink- und Löschwasserversorgung in Weidenhausen gewährleistet. Dies ließ den Gedanken an eine Feuerwehr auf freiwilliger Basis keimen, heißt es in der Vereinschronik.

Zu ihrem ersten Kommandanten wählte die Truppe Georg Klingelhöfer. Der berief bereits einen Monat nach der Gründung eine zweite Versammlung ein. Der Feuerwehr fehlte schlicht das Geld für notwendige Anschaffungen. Eine Haussammlung sollte Abhilfe schaffen. Im Sommer 1928 organisierte die Feuerwehr außerdem ein Gründungsfest, um an Einnahmen zu kommen. Der Monatsbeitrag lag damals bei 30 Pfennig – 20 Pfennig flossen in die Vereinskasse, der Rest in eine Sterbekasse.

Ihre erste große Bewährungsprobe mussten die Einsatzkräfte am 22. Juni 1930 meistern. Das Wohnhaus des Polizeidieners Heinrich Bastian stand in Flammen. Laut einem Eintrag im Protokollbuch schleuderten die Helfer bereits sechs Minuten nach Bekanntwerden des Feuers das erste Wasser in den Brandherd.

Die erste Motorspritze stand der Feuerwehr 1932 zur Verfügung, vier Jahre später wurde das erste eigene Fahrzeug in den Dienst gestellt – ein 8-Zylinder-Wagen der Marke Horch. Dies war auch der Anlass, ein neues Gerätehaus in der Römershäuser Straße zu errichten (1937).

Fast ein halbes Jahrhundert befand sich hier das Domizil der Weidenhäuser Feuerwehr. Im September 1983 zog sie dann in ihr neues Gerätehaus am Dorfgemeinschaftshaus ein. Viel Eigenleistung und Geld aus der Vereinskasse investierten die Kameraden in den Neubau. Dafür hatten sie viele Jahre gekämpft. In der Feuerwache sind heute vier Einsatzfahrzeuge untergebracht, auf die die derzeit 29 Aktiven zurückgreifen können.

Bei Bränden, Unfällen und Naturkatastrophen sind die ehrenamtlichen Helfer gefordert. Zu den größten und auch kräftezehrendsten Einsätzen in der Vereinsgeschichte gehört jener während des Jahrhundert-Hochwassers am 6. und 7. Februar 1984. Fast 20 Stunden lang kämpften die Aktiven gegen die Wassermassen im Ort an.

Doch nicht nur durch ihren unermüdlichen Einsatz als Helfer in Notlagen sorgen die Weidenhäuser für positive Schlagzeilen. Auf Initiative des damaligen Wehrführers und heutigen Ehrenvorsitzenden Heinrich Müller gründeten sie im Mai 1965 den Musikzug. Bei Konzerten im In- und Ausland baute das Orchester als Kulturbotschafter viele Freundschaftsbrücken.

So pflegte die Feuerwehr Weidenhausen von 1966 an über viele Jahre Kontakte zu den Kollegen im schwedischen Ystad. Seit 1976 besteht eine enge Partnerschaft mit der „Koninklijken Fanfare Sint Cecilia“ aus Londerzeel-Sint Jozef in Belgien. Diese führte 2010 sogar zur offiziellen Städtepartnerschaft von Gladenbach und der Gemeinde in der Provinz Flämisch-Brabant. Erst vor wenigen Tagen waren der Musikzug und weitere Feuerwehr-Mitglieder zu Gast in Londerzeel.

Nun steht bei den Weidenhäusern sogar ein Doppelgeburtstag an. Denn vor 40 Jahren wurde auch der Grundstein für die Jugendfeuerwehr gelegt. 15 Jungen zwischen zwölf und 17 Jahren gehörten damals der Gruppe an. Erster Jugendwart war Horst Felix. Heute betreut Christian Powöls die Jugendfeuerwehr, die sich jeden zweiten Freitag im Monat um 17.45 Uhr trifft.

Zum Auftakt des Jubiläumsfestes findet am 16. Juni eine Großübung der Gladenbacher Jugendfeuerwehren statt. Die Nachwuchskräfte werden auf dem Firmengelände der ehemaligen Justushütte ihr Können demonstrieren und dabei auch für ihre Arbeit und Freizeitaktivitäten werben. Die Jugendlichen hoffen deshalb auf viele Zuschauer.

 

Das Festprogramm zum Doppelgeburtstag

Samstag, 16. Juni
14.30 Uhr: Übung der Gladenbacher Jugendfeuerwehren auf dem Firmengelände von Oranier – Zuschauer sind willkommen, im Anschluss können Jugendliche und Eltern Fragen an Aktive und Betreuer stellen.
19.30 Uhr: Einlass zur Abendveranstaltung auf dem Festgelände an der Feuerwache – das Konzert der Boptown Cats beginnt gegen 20.30 Uhr, der Eintritt kostet fünf Euro.
22.30 Uhr: Partytime mit DJ Chapterloud

Sonntag, 17. Juni
10 Uhr: Gottesdienst an der Feuerwache
11 Uhr: Frühschoppenkonzert des Musikzuges der Feuerwehr
14.30 Uhr: Kaffee und Kuchenbuffet
17 Uhr: Public Viewing – Übertragung des Fußball-WM-Gruppenspiels Deutschland gegen Mexiko auf Leinwand im Übungsraum
Außerdem den ganzen Tag: Spiele für Kinder, Fahrzeugausstellung, Informationen rund um die Feuerwehr. (mi)


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