SUR stellt Insolvenzantrag

Wirtschaft  Vorläufige Insolvenzverwalterin: „Zuversichtlich, dass es weitergeht“

Seibel & Reitz in Breidenstein hat Insolvenzantrag gestellt. Die vorläufige Insolvenzverwalterin fordert bei der Rettung des Unternehmens nun mehr Engagement von der Gesellschafterfamilie. Die Rettung könne gelingen, wenn alle Beteiligten mitspielen, teilt die Insolvenzverwalterin mit. Der Geschäftsbereich Edelstahl bei Seibel & Reitz müsse allerdings eingestellt werden, da es für diesen Bereich keinen Interessenten gebe. (Archivfoto: Abbe)

Das Amtsgericht Marburg hat Rechtsanwältin Gundula Pierson von Schultze & Braun (Achern) zur vorläufigen Insolvenzverwalterin bestellt. „Der Geschäftsbetrieb läuft uneingeschränkt weiter“, teilt der Dienstleister für Insolvenzverwaltung und Beratung von Unternehmen mit. Die 57 Mitarbeiter seien bis einschließlich Februar über das Insolvenzgeld abgesichert.

Ursache für die wirtschaftliche Schieflage ist laut Pressemitteilung „der enorme Preisdruck am Markt“. Seibel & Reitz sei ein Qualitätshersteller mit den entsprechenden Kosten im Einkauf und in der Produktion, erklärt die vorläufige Insolvenzverwalterin. Diese Kosten könne das Unternehmen aufgrund der niedrigen Preise, die derzeit am Markt aufgerufen werden, nicht vollständig refinanzieren. Gundula Pierson: „Das hat die Liquidität belastet und den Insolvenzantrag notwendig gemacht.“

Gespräche mit möglichen Inverstoren laufen, um die Firma und möglichst viele Arbeitsplätze zu retten

Die Rechtsanwältin ist zuversichtlich, eine Lösung für Seibel & Reitz zu finden: „Die Auftragsbücher sind voll, die Produkte stehen für eine hohe Qualität, wie sie andere Hersteller kaum anbieten.“

Pierson steht laut Pressemitteilung auch schon mit mehreren Investoren in Verbindung. „Es hat schon vor dem Insolvenzantrag erste Gespräche über den Einstieg von Investoren gegeben“, sagte sie, „daran können und werden wir anknüpfen“. Zusammen mit ihrem Kollegen Alessandro Honert führe sie bereits international Verhandlungen mit Interessenten. Ziel sei es, das Unternehmen und möglichst viele Arbeitsplätze zu erhalten.

Auf Nachfrage des Hinterländer Anzeigers bestätigt Pierson am Dienstagnachmittag, dass unter den genannten 57 Unternehmensmitarbeitern auch elf sind, denen Seibel & Reitz bereits gekündigt hat. Die betroffenen Mitarbeiter hätten allerdings Kündigungsschutzklage erhoben. Damit zählten sie weiterhin zum Mitarbeiterstamm und stünden dem Betrieb auch weiterhin zur Verfügung.

Sofern die Rettung des Unternehmens gelingt, könnten auch die elf bereits entlassenen Mitarbeiter durchaus noch eine Zukunft bei Seibel & Reitz haben, sagt die vorläufige Insolvenzverwalterin. Es handele sich um Facharbeiter. Und die brauche das Unternehmen. Denn bisher sei eher ein Problem der Firma, dass zu wenige Mitarbeiter vorhanden sind für das Volumen, das produziert werde. Entsprechend hätten zahlreiche Mitarbeiter viele Überstunden vor sich hergeschoben.

Deshalb müsse der Produktionsprozess stärker automatisiert werden, erklärt die vorläufige Insolvenzverwalterin. Das könne mit neuen Investoren durchaus gelingen.

Als größte Hürde auf diesem Weg nennt Pierson die knappe Zeit. Bis Ende Februar müssen demnach neue Investoren gefunden sein. Denn dann läuft das Insolvenzgeld aus, das die Mitarbeiter für maximal drei Monate absichert.

Pierson bestätigt dabei, dass ein Teil der Mitarbeiter bereits für Dezember kein Gehalt mehr bekommen habe. „Die werden jetzt Geld bekommen“, kündigt die Rechtsanwältin an.

Die Gespräche mit den potenziellen Investoren laufen derweil unter Hochdruck, sagt die Juristin. Dass sie bis Ende Februar erfolgreich abgeschlossen werden können, dafür sieht die Rechtsanwältin durchaus Chancen. „Ich bin zuversichtlich, dass es weitergeht“, sagt Pierson.


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