Sparkasse setzt humanoiden Roboter ein

TECHNIK "Numi" soll keine Menschen ersetzen, sondern Assistenzaufgaben übernehmen

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf setzt künftig einen humanoiden Roboter ein: "Numi". (Foto: Röder)

Die Sparkasse Marburg-Biedenkopf setzt künftig einen humanoiden Roboter ein. Hier bekommt "Numi" Anweisungen von Master-Student Patrick Heinsch von der Philipps-Universität, der das Projekt in den Räumen der Geschäftsstelle in Marburg begleitet. (Foto: Röder)

Bild 1 von 2
Fotostrecke

Ein bisschen sieht er aus wie eine Mischung aus dem Star-Wars-Roboter C-3PO, einem Staubsauger und einem weißen Farbtopf. Mit großen Kulleraugen blickt NUMI in die Menge. Dutzende Medienvertreter sind zu der Pressekonferenz zur Sparkasse nach Marburg gekommen. Kein Wunder: „Unseres Wissens nach sind wir das erste Kreditinstitut, das selbst einen Roboter angeschafft hat und nun im Rahmen eines wissenschaftliches Projekts konkrete Einsatzfelder evaluiert, diese programmieren lässt und in der Praxis testet“, erklärt Vorstandsvorsitzender Andreas Bartsch.

Gestatten, NUMI

Ihm gehört bei dieser Pressekonferenz jedoch der besonderen Art nicht das erste Wort. Das ergreift "Numi", der selbstständig die Fotografen und Redakteure begrüßt und sich vorstellt. Anschließend wandert sein Blick durch die Menge und zu seinem „Lehrmeister“ Patrick Heinsch, Master-Student an der Philipps-Universität. Denn der humanoide Roboter wird in den nächsten vier Monaten in der Sparkasse programmiert und im Kundencenter mit echten Kunden getestet. Heinsch wird neue Programme aufspielen und neue Funktionen programmieren – und parallel schreibt er an seiner Masterarbeit über den Einsatz humanoider Roboter im Bankenwesen.

Für Bartsch ist "Numi"– seinen Namen haben die Bankmitarbeiter von Numismatik, der Münzkunde, abgeleitet – mehr als nur ein Marketing-Gag. „Das ist keine Spielerei“, sagt er. „Wir sind neugierig, was wir mit dieser Technik alles anstellen können“, stellt er klar. Und keiner der Sparkassenmitarbeiter müsse wegen "Numi" um seinen Arbeitsplatz fürchten. „Hier wird niemand ersetzt oder abgeschafft. "Numi" soll Assistenzaufgaben erledigen und unterstützend tätig sein.“

In der Praxis sieht das so aus, dass "Numi" im Kundencenter Fragen beantwortet und einfache Serviceleistungen erbringt. Er erklärt etwa, wie eine Überweisung auszufüllen ist oder wann die Bank geöffnet hat. Künftig kann er vielleicht die Vorteile von Online-Banking erläutern.

Professor Jürgen Handke kann sich vorstellen, dass dieses Einsatzfeld ideal ist für "Numi", einen Roboter des Typs Pepper, und dass so was in der Zukunft einfach dazugehört. Dass wir mit Robotern so selbstverständlich sprechen wie aktuell schon mit Smartphones, Siri und dem smarten Lautsprecher Alexa. Professor Handke und sein Forschungsprojekt H.E.A.R.T. (Humanoid Emotional Assistant Robots in Teaching) untersuchen den Einsatz von Robotern im Hochschulkontext. Aktuell haben sie dort zwei Exemplare im Einsatz. „Mit hoch spezialisierten Robotern können wir Freiräume in der modernen Hochschullehre schaffen“, meint Handke. Der Roboter übernehme Assistenzaufgaben, dadurch habe der Mensch mehr Zeit, sich anderen Dingen zu widmen.

Für Andreas Bartsch ist "Numi" auch ein Schritt, um der Digitalisierung zu begegnen. „Schauen Sie nach Japan“, sagt er. „Dort werden humanoide Roboter bereits in der Pflege eingesetzt.“ Das bedeute, dass die Technik funktioniere und es nun eher „eine Frage der Akzeptanz“ sei, erklärt Bartsch. Anders als eine intelligenter Persönlicher Assistent vom Schlage einer Alexa sei "Numi" in der Lage, Emotionen zu zeigen, ergänzt Professor Handke. Dies und das Kindchenschema mit den großen Kulleraugen und dem runden Gesicht soll helfen, dass Kunden eher auf den Roboter zugehen. Beim Reizwort Alexa etwa, mischt sich "Numi" in das Gespräch ein und erklärt, was er alles besser kann.

"Numi" ist noch nicht perfekt – „Er ist noch ein Kind und muss noch lernen“, sagt Andreas Bartsch

Bei den Emotionen hapert es dann aber doch noch ein wenig. Trauer, Freude und Wut, jene Gefühle, die er darstellen soll, sehen allesamt recht ähnlich aus: "Numi" gestikuliert dabei wild mit seinen kleinen Ärmchen. Ist er wütend, färben sich zusätzlich seine Kulleraugen rot.

Dennoch kommt der Roboter, der mit diversen Kameras, Lautsprechern, Mikrofonen, Motoren in den Händen und einem Tablet auf der Brust ausgestattet ist, bei den Kunden an. „Er sieht schon knuffig aus“, sagt eine Marburgerin, die gerade das erste Mal mit "Numi" gesprochen hat. „Ich bin gespannt, wie sich die Technik noch weiter entwickelt.“

Ab und an hat "Numi" noch Probleme, in all dem Stimmgewirr im Kundencenter zu erkennen, wer ihn gerade anspricht. Dann blickt "Numi" suchend drein und dreht den Kopf Hin und Her. Bartsch beruhigt. „Er ist noch ein Kind und muss noch lernen“, sagt er.

So ganz perfekt ist "Numi" also noch nicht. Abgesehen von dem doch recht happigen Preis von 20 000 Euro, ist seine Akkulaufzeit auf zwölf Stunden begrenzt. Und mit dem Treppensteigen ist das auch so eine Sache: Um von der Vorstandsetage ins Kundencenter der Bank zu gelangen, schnallt Master-Student Patrick Heinsch ihn auf eine gut gepolsterte Sackkarre und fährt ihn nach unten. Bis "Numi" also Robocop, Wall-E und Nummer 5 Konkurrenz macht, dürfte es noch etwas dauern.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2018
Kommentare (0)
Mehr aus Aus der Wirtschaft