Statt arbeitslos nun selbstständig

Existenzgründung

Björn-Martin Schirmacher (v.l.) berichtet Heike Beber, Gerhard Wenz, Corinna Krieb und Frank Hüttemann von seinen Erfahrungen nach knapp zwei Jahren der Selbstständigkeit. (Foto: Valentin)

Auf die Vorteile einer Selbstständigkeit verwies Gerhard Wenz, Bereichsleiter der Agentur für Arbeit, bei einem Pressegespräch in Gladenbach. Björn-Martin Schirmacher bietet sich dafür als Musterbeispiel an. 2016 entschied der Hörakustikermeister, sich mit einem eigenen Geschäft in Gladenbach selbstständig zu machen.

„Davor hatte mich mein Beruf als Gebietsleiter bei einem Unternehmen quer durch die Republik geführt“, erinnert sich Schirmacher. Als sich dann abzeichnete, dass das Büro, in dem er tätig war, geschlossen werden sollte, zog Schirmacher die Notbremse. Er traf die Entscheidung, nicht mehr von anderen abhängig sein zu wollen.

Bei ihm verging von der Idee bis zu deren Umsetzung kaum ein halbes Jahr: Im Mai wurden die ersten Gespräche geführt, im Dezember eröffnete er sein Geschäft. „Ohne den Existenzgründungszuschuss der Arbeitsagentur hätte das aber sicherlich nicht so hingehauen“, weiß Schirmacher.

Ein schlüssiges Geschäftskonzept und ein Businessplan sind Voraussetzungen für die Förderung

Schließlich dauert es eine Zeit, bis das Geschäft anläuft. „Aber die Fixkosten wie Raummiete oder Gehalt für die Mitarbeiter muss man trotzdem zahlen“, berichtet er. Auch die Angebote der Wirtschaftsförderung des Landkreises für Unternehmensgründer hätten ihm sehr geholfen, gibt er zu. Denn vor den Gesprächen mit dem Beratungs- und Existenzgründerzentrum ha­be er keine Ahnung von dieser Materie gehabt. Dabei sind ein schlüssiges Geschäftskonzept und ein Businessplan unabdingbare Voraussetzungen für die Förderung von Existenzgründern.

„Eine nachhaltige Geschäftsgründung ist sowohl für uns als auch für die Wirtschaftsförderung ein ganz wichtiges Kriterium für eine Förderung“, sagt Gerhard Wenz. „Schön ist es auch, wenn bei einer Geschäftsidee Alleinstellungsmerkmale da sind, die das Unternehmen von Mitbewerbern in der Branche abheben“, ergänzt Frank Hüttemann, Leiter der Wirtschaftsförderung des Landkreises. Im Falle Schirmachers ist das zum Beispiel seine Spezialisierung als Pädakustiker für Kinder und Kleinkinder.

Hüttemann ist sich sicher, dass gerade Neugründungen für frischen Wind auf dem Markt sorgen. „Es gibt die großen, etablierten Unternehmen als Rückgrat der Wirtschaft, aber es sind oft die kleinen Gründer, die Impulse für Innovationen bieten“, betont er.

Hüttemann kann sich durchaus vorstellen, dass Schirmacher in diesem Sinne für den hessischen Gründerpreis infrage kommt. Oft sei bei neuen Geschäftsideen eine persönliche Betroffenheit ein starker Motivator, fügt Hüttemann hinzu.

Auch das trifft auf Björn-Martin Schirmacher zu. Er habe als Kind Hörprobleme gehabt, die behandelt werden mussten. Sicherlich habe das auch zu seiner Berufswahl beigetragen, sagt er.

Dass das Interesse an Selbstständigkeit durchaus groß ist, belegte Gerhard Wenz anhand der Statistik. Im Bereich der hiesigen Arbeitsagentur wagten pro Jahr rund 200 Personen den Schritt aus der Arbeitslosigkeit in die Selbstständigkeit. „Etwa die Hälfte davon wird durch den Gründungszuschuss gefördert“, so Wenz.

Dazu bietet die Arbeitsagentur jeden dritten Donnerstag im Monat ab 16 Uhr eine Informationsveranstaltung für interessierte Existenzgründer im Berufsinformationszentrum in der Afföllerstraße 25 in Marburg an. Im Schnitt werde dieses Angebot von acht bis zehn Personen genutzt. Der nächste Termin ist der 19. Juli.

Auch die Wirtschaftsförderung greift Gründern mit regelmäßigen Infoveranstaltungen unter die Arme. Eine solche soll es am 4. September am Wissenscampus in Biedenkopf geben.

Björn-Martin Schirmacher hat den Weg in die Selbstständigkeit vor knapp zwei Jahren jedenfalls nicht bereut. Im Gegenteil: Nachdem er bereits von Anfang an einen Mitarbeiter eingestellt hat, will er ab dem kommenden Jahr sogar Auszubildende einstellen. Damit habe die Neugründung sogar schon einen doppelten Nutzen erfüllt, sind sich die Teilnehmer an der Gesprächsrunde einig.


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