Steht die Sackpfeife vor dem Aus?

Freizeitzentrum Für hohe Investitionen zeichnet sich momentan keine Mehrheit ab

Was Millioneninvestitionen für den Winterbetrieb angeht, sind sich die Fraktionen einig. Völlig anders sieht das für den Sommerbetrieb auf der Sackpfeife aus. (Foto: Archiv)

Viel ist in den vergangenen Jahren geredet worden über den Zustand der Freizeitanlagen auf der Sackpfeife. Der Wunsch war und ist in Biedenkopf groß, das Freizeitzentrum fit für die Zukunft zu machen. In der Frage, wie das gelingen kann und was es kosten darf, gehen die Meinungen indes auseinander.

Seit Juni ist zumindest klar, was es kosten würde, die bisher vorhandenen großen Anlagen durch neue zu ersetzen und so den Skibetrieb im Winter und den Sommerbetrieb mit Rodelbahn auch in Zukunft anbieten zu können. 1,69 Millionen Euro müsste die Stadt dem Ingenieurbüro Schweiger (Sonthofen) zufolge investieren, um eine neue schienengeführte Ganzjahresrodelbahn zu bauen. Hinzu kämen Investitionen in Gebäude und – so empfehlen es die Planer – auch noch in eine Spielgolfanlage. Gewinn wäre mit diesen Anlagen indes nicht zu erzielen. Die Stadt müsste den Betrieb auch weiterhin bezuschussen.

Keine Fraktion hält Millionen für den Winterbetrieb auf der Sackpfeife für vertretbar

Soll sich der Winterbetrieb in Zukunft nur annähernd rechnen, müsste die Stadt zufolge 2,45 Millionen Euro investieren, unter anderem in einen Schlepplift und künstliche Beschneiung. Im besten Fall – bei 93 Schneetagen im Jahr – wäre ein kleiner Gewinn drin.

Die Planer schlagen weitere Bausteine vor, mit denen Biedenkopf das neue Freizeitzentrum in den Folgejahren weiter ausbauen könnte. Für unverzichtbar halten sie aber den Neubau einer Gaststätte. Die dafür vorliegenden aktuellen Architektenpläne sind in Zusammenarbeit mit Gastronomiefachleuten entstanden: Der Neubau würde 1,38 Millionen Euro kosten.

Angesichts der Höhe all dieser Investitionen sind einige Parlamentsfraktionen bei der Präsentation im Juni indes sichtlich zusammengezuckt. Allein der Neubau der Sommerrodelbahn und der Gaststätte würde mehr als drei Millionen Euro kosten. Zum Vergleich: Im gesamten Haushaltsjahr 2018 hat die Stadt Biedenkopf für Investitionen rund sechs Millionen Euro zur Verfügung.

Für Biedenkopf geht es also um einiges, wenn das Thema Sackpfeife in dieser Woche im Parlament auf der Tagesordnung steht. Wohin die Reise gehen könnte, ist dabei in Umrissen bereits erkennbar. Alle Fraktionen – SPD, CDU, FDP, Bürgerblock und UBL – haben schon mitgeteilt, dass sie die vorgeschlagenen Millioneninvestitionen in den Winterbetrieb nicht für vertretbar halten.

Bleibt die Frage nach dem Sommerbetrieb. Und die beantworten die Fraktionen – nach bisherigem Stand der Dinge – unterschiedlich. CDU und FDP sind bereit, vier Millionen Euro für Gaststätte und Sommerrodelbahn, womöglich ergänzt durch eine Spielgolfanlage, auszugeben und so das Freizeitzentrum zu erhalten. Darüber hinaus wollen die beiden Parteien kleinere Maßnahmen umsetzen: Wanderwege und den Sinnespfad attraktiver machen.

Allerdings sieht es so aus, als ob CDU und FDP für diese Projekte keine Mehrheit im Parlament finden werden. Denn der Bürgerblock (BB) – der eigentlich mit CDU und FDP eine Zählgemeinschaft bildet – schert aus. Die Fraktion hat erklärt, dass sie Investitionen ins Freizeitzentrum nur dann zustimmen werde, wenn die Stadt einen privaten Investor und Betreiber findet. Der Zuschussbedarf müsse deutlich sinken. Auch für den Gaststätten-Neubau macht der BB zur Bedingung, dass zunächst ein Pächter gefunden werden müsse. Private Investoren und Pächter stehen bisher aber wohl noch nicht bei der Stadt Schlange.

Was diese unterschiedlichen Positionen von CDU/FDP und BB für die künftige Zusammenarbeit innerhalb der Zählgemeinschaft bedeuten, könnte eine interessante Frage werden. Aktuell zeichnet sich zumindest ab, dass der BB gemeinsam mit SPD und UBL – also der Opposition – den Vorschlag von CDU und FDP ablehnen könnte.

Angesichts der unterschiedlichen Positionen sind intensive Diskussionen zu erwarten

Denn die SPD hat sich bereits „gegen größere Investitionen auf der Sackpfeife“ ausgesprochen und erklärt, dass sie dem Konzept des Ingenieurbüros Schweiger nicht folge. Die Chancen, die SPD für die Millionenprojekte Ganzjahresrodelbahn und Gaststätte zu gewinnen, dürften damit schlecht stehen. Das Budget für die Gaststätte will die SPD auf rund 750 000 Euro deckeln. Die Zukunft der Sackpfeife sieht die Fraktion in alternativen, möglichst naturnahen Konzepten.

„Größere Investitionen“ auf der Sackpfeife lehnt auch die UBL ab. Weder ins Freizeitzentrum will die Fraktion hohe Summen investieren noch einen Millionenbetrag für die Gaststätte ausgeben. Die Fraktion könnte sich stattdessen vorstellen, die Attraktivität des Kaiser-Wilhelm-Aussichtsturms und der dortigen Gastronomie zu steigern und die Wanderwege auszubauen.

Ausgehend von diesen unterschiedlichen Positionen dürfte es am Dienstag in der gemeinsamen Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses und des Bauausschusses sowie am Donnerstag im Parlament mindestens intensive Diskussionen geben. Die Sitzungen beginnen jeweils um 18.30 Uhr im Rathaus. Ob auch endgültige Entscheidungen fallen, bleibt abzuwarten.


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