Zoll zerschlägt Schwarzarbeiter-Ring

300 Beamte heben hessenweit tätigen Clan in Gladenbach aus

Die Ermittlungskommission "Adria" des Zolls und die Staatsanwaltschaft Marburg haben in Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet 24 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. (Foto: Zoll)

Die Ermittlungskommission "Adria" des Zolls und die Staatsanwaltschaft Marburg haben in Mittelhessen und dem Rhein-Main-Gebiet 24 Wohnungen und Geschäftsräume durchsucht. (Foto: Zoll)

Bild 1 von 2

Nach zwei Jahren Ermittlungsarbeit auf der Spur einer Bande aus dem Bereich der organisierten Kriminalität im Baugewerbe schnappte am Vormittag die Falle zu: 300 Beamte von Zoll, Polizei und Bundespolizei durchsuchten zeitgleich 24 Wohnungen und Büros in Gladenbach und Offenbach.

Dabei wurden die drei mutmaßlichen Drahtzieher des Schwarzarbeiter-Netzwerks mit Haftbefehl festgenommen: zwei 34- und 44-jährige, serbische Geschäftsführer einer Gladenbacher Baufirma sowie der mutmaßliche Strippenzieher der Scheinfirmen, ein 39-jähriger Serbe aus Offenbach. Computer, Datenträger und Mobiltelefone wurden in den Büros und Wohnungen sichergestellt. Acht weitere Personen, die die Ermittler der Bande zuordnen, wurden vernommen.

So genannte Vermögensabschöpfer des Zolls stellten 60.000 Euro Bargeld und eine teure Limousine sicher. Die Staatsanwaltschaft Marburg hat Pfändungsbeschlüsse in Höhe von zwei Millionen Euro erlassen.

Die mutmaßlich kriminelle Vereinigung soll seit Jahren als Nachunternehmer Bauaufträge in ganz Hessen mit Schwarzarbeitern und illegalem Personal aus dem Ausland ausgeführt und Sozialkassen und Fiskus um Millionen Euro geprellt haben. Nach Informationen des Hauptzollamts Gießen versuchte die Bande, die Schwarzarbeit durch fingierte Zahlungen mehrerer Scheinfirmen zu verdecken.

Schon 2012 war die Baufirma aus Gladenbach in den Fokus der Zoll-Ermittler geraten. Bei Baustellenkontrollen in Lich und Grünberg hatte sich herausgestellt, dass die Bauarbeiter nicht zur Sozialversicherung angemeldet waren. Bei weiteren Ermittlungen im Auftrag der Staatsanwaltschaft Marburg deckten die Schwarzarbeitsfahnder nicht nur die kriminellen Machenschaften mehrerer im Familienclan geführter Baufirmen auf, sondern entlarvten obendrein ein Netzwerk von mindestens sechs Scheinfirmen, berichtete Michael Bender, Sprecher des Hauptzollamts Gießen.

Ermittler gehen von einem bundesweit agierenden Netzwerk aus

Bender erwartet, dass mit weiteren Ermittlungen weitere Scheinfirmen enttarnt werden. Der Zoll gehe von einem bundesweiten Netzwerk aus.

Die Gladenbacher Firma wird verdächtigt, mit ihrer Masche in den vergangenen drei Jahren knapp eine Million Euro an Sozialabgaben und Lohnsteuer unterschlagen zu haben. "Mit einem Geflecht von vorgetäuschten Nachunternehmen und unter Nutzung von Scheinrechnungen versuchten die Verantwortlichen von ihren kriminellen Machenschaften abzulenken und Gewinne zu verschleiern", erklärte der Zoll-Sprecher. Die mit den Scheinrechnungen gewonnenen Schwarzgelder zur Zahlung der Löhne für die Schwarzarbeiter werden mit sechs Millionen Euro beziffert. Entsprechend hoch sei der Schaden für die Sozialversicherungen. Trotz der Komplexität handele es sich um keinen Einzelfall, so Bender: "Solche organisierten Strukturen der Schwarzarbeit beschäftigen die Finanzkontrolle Schwarzarbeit zunehmend und stellen für die Ermittler eine besondere Herausforderung dar."

Nach den ersten Erkenntnissen über die Bande im Jahr 2012 hatte die Staatsanwaltschaft Marburg die Ermittlungen beim Hauptzollamt Gießen in der Sonderkommission "Adria" gebündelt.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Kommentare (0)
Mehr aus Region Hinterland und Marburg