Entenfamilie auf dem Stadthaus

Überraschung am 1. Mai

Wie war das möglich? Nach der radikalen Abholzung des Lahnufers hat die Ente vermutlich keinen geschützten Nistplatz zur Brutpflege gefunden und hier oben über den Dächern von Wetzlar unter dem wilden Gestrüpp von Kirschlorbee, Cotoneaster, Efeu und wilden Rosen Asyl gesucht und gefunden. Keiner hat's gemerkt von uns und unseren 16 Nachbarn, wie die Ente heimlich ihre Eier gelegt und ausgebrütet hat.

Nun war sie ebenso wie wir in Verlegenheit. Wie gelangt man an die Lahn? Teppenhaus, Aufzug, Marsch durch die Innenstadt bis hinunter zum Fluss ist nicht möglich. Auf Anraten des Tierschutzvereins versuchten meine Frau und ich, die Tiere einzufangen, um sie zur Lahn zu bringen. Bei den Küken gelang es uns, obwohl die Mutter uns heftig attackierte. Sie selbst aber entkam und flog über die Dächer davon. Dann kam sie in Begleitung des Erpels, aber beide entwichen wieder durch die Luft. Wir trugen die Küken zur Colchesteranlage. Kaum waren sie auf dem Rasen, da eilten sie ängstlich piepsend schnurgeade zum Wasser und hopsten ohne Zögern hinein. Sie nahmen Kurs auf ein Entenpaar, das sie wohl für ihre Eltern hielten.

Ob sie nun adoptiert wurden oder ob sie von ihren eigenen Eltern entdeckt wurden oder ob es ihnen erging wie den unglücklichen Flüchtlingen im Mittelmeer? Wir wissen es nicht.

Es bleiben zwei Fragen. Haben andere Wetzlarer Bürger ähnliches erlebt? Wird der Kahlschlag am Lahnufer noch weitere Enten zu Asylsuchenden auf den Höhen des Stadthauses machen?

Christel und Armin Hanstein


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