Mit dem Roboter das Gehen lernen

Neurologie  Sparkassenstiftung investiert 30 000 Euro in modernes Therapiegerät

Der neue Gangroboter ermöglicht es auch Doris Gehmlich, das Laufen in kleinen Schritten wieder zu erlernen. Bei der Übergabe der Sparkassenspende, die die Anschaffung ermöglicht hatte, waren auch Landrat Wolfgang Schuster (v.l.), Stefan Hofmann, Ingrid Sünkeler, Dietmar Demel, Klaus-Dieter Böhm, Ilse Müller, Michael Rieb und Ulrike Kynast anwesend. (Foto: Volkmar)

Ermöglicht wurde die Anschaffung des 140 000 Euro teuren, hochmodernen Therapiegeräts unter anderem durch Erträge der Wetzlarer Sparkassenstiftung, die jüngst insgesamt 30 000 Euro an die BDH-Klinik gespendet hatte.

Mit dem Geld hat die Klinik des Bundesverbandes für Rehabilitation einen computergestützten Gangroboter erworben, der die Therapiemöglichkeiten erhöhen und bislang gehunfähigen oder stark eingeschränkten Patienten das Laufenlernen erleichtern soll.

„Ich lerne, meine Füße wieder zu bewegen, wenn auch nur mit kleinen Schritten.“

Sparkassenvorstand Stephan Hofmann hat die Spende im Beisein von Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und Stiftungs-Geschäftsführerin Ulrike Kynast an die Klinikleitung übergeben. Unter den Gästen war auch die Vorsitzende des Bundesverbandes Rehabilitation, Ilse Müller.

„Wir behandeln nicht nur schwerste Schädelhirnverletzungen, auch die Zahl der Patienten mit akuten Schlaganfällen und Hirnblutungen aus ganz Hessen werden bei uns versorgt. Und die Zahl der Akutpatienten nimmt jährlich zu“, betonte Professor Klaus Dieter Böhm. Oft blieben Folgen von Lähmungen bis hin zur Gehunfähigkeit zurück, die durch eine Frühmobilisierung im Rahmen der Physiotherapie behandelt würden, schilderte Böhms Stellvertreterin Ingrid Sünkeler. Nur so lasse sich der Zustand der Patienten in kleinen Schritten verbessern.

Ein solches Gerät wie den neuen Gangroboter gab es in den Kliniken der Region bislang nicht. Doch „gehen lernt man nur wieder durch gehen“, äußerte Michael Rieb, Leiter des Rehabilitationszentrums. Was der Patient aus eigener Kraft nicht schaffe, übernehme nun der Roboter.

Von der Therapievielfalt des neuen, in der Schweiz entwickelten Gerätes konnten sich die Gäste vor Ort überzeugen. Auf Knopfdruck lässt sich der linke Flügel des Gangtrainers komplett aufschwenken, so dass der Patient mit seinem Rollstuhl ebenerdig einfahren kann. Ein an einer Hängevorrichtung über dem Laufband befestigter Tragegurt sorgt für die Gewichtsentlastung und Sicherheit, so dass sich der Patient voll auf seine Beinbewegung konzentrieren kann. In welchem Ausmaß der Roboter das Gehen unterstützt, lässt sich sehr individuell einstellen: Was der Patient aus eigener Kraft nicht schafft, übernimmt der Roboter. Über ein Display kann der Therapeut den Computer entsprechend einstellen, die Impulse werden über Fuß- Manschetten auf den Patienten übertragen. „Eine derart gezielte Therapie wäre mit reiner Physiotherapie nicht möglich“, schilderte Michael Rieb.

Auch Doris Gehmlich aus Köln, die nach einem schweren Schlaganfall mit linksseitiger Lähmung seit Juni in Braunfels behandelt wird, ist von den Möglichkeiten des Gerätes begeistert: „Hier lerne ich wieder meine Füße zu bewegen, wenn auch nur mit kleinen Schritten“, sagte sie.

Geschäftsführer Dietmar Demel freute sich über die langjährige finanzielle Unterstützung der Sparkasse: „Dank ihrer Stiftung konnten wir seit 1971 rund 450 000 Euro in moderne Medizintechnik investieren, für die im Klinikhaushalt keine Mittel vorgesehen waren.“


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