Sich besinnen und den Alltag sehen

VORTRAG Lübbering empfiehlt: Führungskräfte sollten Zeiten der Meditation einplanen

Dr. Marcus Lübbering empfiehlt innere Einkehr. (Foto: Rühl)

Er sprach auf Einladung der Diakonie Lahn Dill und der exact Beratung Wetzlar vor 100 Führungskräften im Ernst-Leitz-Saal in der Spilburg. Im Rahmen der „Woche der seelischen Gesundheit“ 2014 hatten die beiden Partner zu einer ersten Veranstaltung unter dem Titel „Balanceakt Führen und Leiten“ eingeladen. Bei der vierten Folge ging es nun um das Thema „Gelassenheit trotz Stress – Ein Anstoß zur inneren Stärke“.

Der katholische Christ Lübbering berichtete, dass er seit 35 Jahren morgens und abends die Stille suche. Lübbering sagte, das Thema seelische Gesundheit finde in Unternehmen immer mehr Beachtung. Unter Unternehmern bestehe die Gefahr, im Job auszubrennen. Die Arbeit aber sei nur einer von mehreren Mosaiksteinen des Lebens. Auch Partnerschaft, Familie, Sport, Haushalt und Hobby gehörten zum Leben. Es werde gefährlich, wenn das Lebensrad als Hamsterrad wahrgenommen werde. Auch unter Führungskräften steige die Zahl der psychischen Erkrankungen. Verantwortung könne in Stress ausarten und dauerhaft wirken, sodass es gefährlich werde. Folgen seien Lustlosigkeit und Burnout. Führungskräfte seien besonders gefährdet, da sie oft einsam seien. Eine Studie der Weltgesundheitsorganisation komme zu dem Ergebnis, dass 2050 über 50 Prozent der Menschen Depressionen haben werden.

Wichtig ist die Regelmäßigkeit

Lübbering wies darauf hin, dass es in allen Religionen Wege nach innen gebe. Sie könnten ein verbindendes Element in der globalisierten Welt sein.

Doch man brauche nicht nach Fernost zu schauen. Auch die eigene Kultur sei eine Schatzkammer, um die Reise in die Mitte zu erlernen und sich zu besinnen. Der Ministerialdirigent berichtete, dass die Meditation ein festes Angebot der von ihm mitbegründeten Academie Kloster Eberbach ist.

Inzwischen würden sich mehrere Unternehmen und hessische Einrichtungen Anregungen holen. So hat das Amt für Bodenmanagement für seine Mitarbeiter die Meditation eingeführt.

Für die 100 Teilnehmer in der Spilburg hatte Lübbering eine Übung mitgebracht. Zehn Minuten Stille, teils mit Musik, umfasste die Übung. Als Tipp gab er den Unternehmern und Managern mit, sie sollten ein Wort oder einen Satz immer wieder still wiederholen, um den Kopf freizubekommen. Er selbst konzentriere sich auf das aramäische Wort „Maranatha“, was „Komm Herr“ bedeutet.

Meditation brauche die Regelmäßigkeit, so Lübbering. Ein Seelsorger habe ihm das Meditieren empfohlen, als er 26 Jahre alt war, so der 62-Jährige.

Anregungen habe er sich bei der Weltgemeinschaft für christliche Meditation geholt, die auf den irischen Benediktinermönch John Main (1926-1982) zurückgeht. „Die christliche Sicht kann unsere Schau auf die Welt verändern“, ermutigte Lübbering die Teilnehmer. „Wir leben entscheidend anders, wenn wir wissen, dass es etwas Größeres gibt“. Nicht alles sei mit dem Verstand zu erfassen. Aber die Meditation könne zur Klarheit des Verstandes und zu klaren Entscheidungen führen. (lr)


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2017
Kommentare (0)
Mehr aus Wirtschaft