Wenn Chefs "Stressoren" werden

ARBEITSWELT Arbeitspsychologe Zapf hält "gesundes Führen"für eine Managementaufgabe

Wenn Chefs Mitarbeiter mobben, können Arbeitsklima und Arbeitsergebnis nicht gut sein. (Archivfoto: Colourbox)

Prof. Dieter Zapf. (Foto: privat)

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Arbeits- und Organisationspsychologe Professor Dieter Zapf weiß, woran es liegt, wenn es im Betrieb nicht rund läuft, wenn Mitarbeiter und Chef nur das Nötigste miteinander reden, sich aus dem Weg gehen, wenn Mitarbeiter häufig krank werden.

"Stress ist ein Ungleichgewichtszustand zwischen Anforderungen der Umwelt und persönlichen Leistungsvoraussetzungen, der persönlich bedeutsam ist", weiß Zapf. Ob die "Ressourcen" überwiegen oder die so genannten "Stressoren", das gelte es zu betrachten. Stressoren seien Merkmale der Arbeit und der Organisation, die großen Einfluss darauf haben, ob Mitarbeiter unter Stresszuständen leiden. Demgegenüber sind Ressourcen bedeutsam für das Erreichen der Arbeitsziele. "Destruktive Führung" so Zapf, ist ein starker sozialer Stressor mit bedeutenden Auswirkungen auf die Gesundheit.

Unterstützung durch den Chef kann die Zahl psychosomatischer Beschwerden verringern

Anhand einer Statistik zeigt er auf, dass Vorgesetzte häufiger Mobbingtäter sind, als Kollegen oder Untergebene. Die Zahl liegt nach Zapf Erkenntnissen bei "erschreckenden 66,6 Prozent".

"Die Führungskraft spielt eine wichtige Rolle bei der Stresswahrnehmung, denn die Führungskraft kann selbst zum Stressor oder zur Ressource werden", weiß Dieter Zapf. Führungsinstrumente wie Wertschätzung und soziale Unterstützung der Mitarbeiter sowie ein entsprechendes Vorbildverhalten wirken sich nach Zapfs Erkenntnissen positiv auf die Stressbewältigung aus. So nehmen beispielsweise psychosomatische Beschwerden deutlich ab, wenn Mitarbeiter durch ihren Vorgesetzten eine hohe soziale Unterstützung erfahren.

"Gesundes Führen" sei eine Managementaufgabe, sagte Zapf kürzlich auch bei einem Vortag in Wetzlar, zu dem die "exact" Beratung und die Diakonie-Lahn-Dill eingeladen hatten. Stressoren, also das Konfliktmanagement,  und die Ressourcen wie die soziale Unterstützung kann man nicht an die Abteilung Arbeitsschutz delegieren, sondern sie gehören zu den Kernarbeitsbereichen von Führungskräften, gab Zapf den 120 Führungskräften mit auf den Weg, die eingeladen waren.

Im Anschluss an den Vortrag stellte bei dieser Veranstaltung Wolfgang Muy von der Wetzlarer Diakonie die Person und die Persönlichkeit der Führungskraft in den Mittelpunkt. Persönliche Kompetenzen seien von maßgeblicher Bedeutung für die Bewältigung der alltäglichen Arbeitsbelastung. Vertrauen in die eigene Handlungsfähigkeit, Achtsamkeit und das Entdecken der persönlichen Kraftquellen seien notwendig, um als Führungskraft authentisch und erfolgreich führen zu können, sagte Mey.

Dirk Olbrich, Geschäftsführer der exact Beratung, hatte die Teilnehmer mit eigenen Impressionen zum Thema auf den Vortrag eingestimmt. (red)


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