„Der Steg ist unglaublich wichtig für uns“

BAUWERK  1909 wurde er gebaut, in den kommenden Jahren soll er ersetzt werden: der Steg zur Lahninsel

Ortsvorsteherin Andrea Volk (SPD) auf dem extrem beliebten und in die Jahre gekommenen Naunheimer Steg. (Foto: Freudenmann)
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Die in die Jahre gekommene, rostende Eisenkonstruktion verbindet den Naunheimer Festplatz und die Lahninsel über die 48 Meter breite Lahn und ist extrem beliebt. „So viele Menschen nutzen diesen Steg. Er ist ortsbildprägend und unglaublich wichtig für uns. Wir brauchen den Steg. Dass es ein Ersatzbauwerk geben muss, ist unstrittig“, sagt Ortsvorsteherin Volk (SPD) beim Vor-Ort-Termin. Während Volk erzählt, schieben Fahrradfahrer ihre Räder über den Steg, Rollstuhlfahrer nutzen ihn, Mütter schieben Kinderwagen von Lahninsel Richtung Naunheim und umgekehrt, Fußgänger queren.

Doch der Steg, der regelmäßig kontrolliert wird, muss in den kommenden Jahren ersetzt werden: Seine Lebensdauer wurde kürzlich auf noch sechs bis acht Jahre geschätzt. Zum Thema Erneuerung habe es bereits Gespräche mit dem Ortsbeirat gegeben, derzeit laufen vorbereitende Arbeiten wie Vermessungen, teilt die Stadt auf Nachfrage dieser Zeitung mit. Allerdings seien noch keine Haushaltsmittel eingestellt, es gebe auch noch keinen Zeitplan für den Neubau. In Naunheim hofft man indes, dass frühzeitig mit der Planung begonnen werde, sagt Ortsvorsteherin Volk. Nicht zuletzt aufgrund der Bedeutung des Stegs.

Dabei sei die entscheidende Frage: Wie soll ein neuer Steg aussehen? Besonders breit ist der aktuelle Steg mit seinen 1,25 Metern nicht: Radfahrer, Rollstuhlfahrer oder Kinderwagen passen nicht nebeneinander, Rücksicht ist beim Überqueren der Lahn gefragt.

Soll der neue Steg also breiter geplant werden? „Es gibt dabei die Sorge, dass dann noch mehr Autos den Weg auf die Lahninsel finden könnten, obwohl sie es nicht sollten“, erklärt Volk. Wenn der Steg allerdings breiter konzipiert und etwa mit einem Poller oder Ähnlichem für den normalen Verkehr gesperrt wäre, könnten Rettungswagen im Notfall auf die Insel fahren. „Bei Festen müsste nicht alles über Garbenheim gefahren werden, auch könnten kommunale Nutzfahrzeuge queren“, gibt Volk zu bedenken.

Volk: „Es darf zu keiner Lücke kommen, zu viele Menschen brauchen ihn“

Gleichzeitig müsse bei der Planung für den neuen Steg auch der Verkehrsknotenpunkt an der Abfahrt Festplatz bedacht und möglichst entzerrt werden, betont Volk. Dort treffen Radfahrer, die auf dem Radweg R 7 unterwegs sind, auf abbiegende Autofahrer von der Landesstraße 3285. Auch wenn ihm noch einige Lebensjahre bescheinigt wurden, will Volk das Thema Steg immer wieder auf den Plan rufen. „Es darf zu keiner Lücke kommen, zu viele Menschen brauchen ihn.“

 

Historie

In der Sitzung der Gemeindevertretung Naunheim im Januar 1908 wurde beschlossen, zu erheben, ob der Bau eines Lahnstegs nicht sinnvoll sei, wenig später wurde er beschlossen. Die Baukosten beliefen sich auf 12 900 Mark. Aus erhaltenen Frachtbriefen geht hervor, dass die Eisenkonstruktion 14 405 Kilogramm, die Brückenkonstruktion insgesamt 23 467 Kilogramm wog. Ende November 1909 wurde die Brücke durch den Kreisbaumeister abgenommen. Die Brücke wurde immer wieder repariert, hielt aber sogar Schäden aus dem Zweiten Weltkrieg Stand. „Wer genau hinschaut, erkennt noch heute Einschüsse in den Metallrahmen, die von Bordwaffen alliierter Flugzeuge oder von Maschinengewehren der amerikanischen Panzer, die in der Nähe des Stegs standen, stammen“, schreibt Irene Jung, Leiterin des Historischen Archivs der Stadt Wetzlar, im Heft „100 Jahre Lahnsteg in Naunheim“.

Noch bevor der Steg fertig war, wurde bereits eine Gebühr für die Nutzung veröffentlicht. Alle Personen, die älter als zehn Jahre waren, hatten fünf Pfennig zu zahlen. Fahrräder, Schubkarren und Ähnliches kosteten fünf Pfennig extra. Es gab auch Monatskarten für den regelmäßigen Weg zur Arbeit, Jahreskarten für Arbeiter, aber auch Jahresfamilienkarten für die Einwohner von Naunheim. Auch für Großvieh, das den Steg benutzte, musste bezahlt werden: 10 Pfennig je Stück, ganze Herden kosteten 30 Pfennig. Vom Brückengeld befreit waren unter anderem Beamte und deren Fuhrwerk bei Dienstreisen und die Feuerwehr.

Um den Steg benutzen zu dürfen, mussten Fußgänger am Automaten eine Karte lösen. Diesen „Fahrkarten-Verkaufs-Apparat“ zu besorgen, war gar nicht so einfach: Der damalige Bürgermeister bat um Zusendung eines Exemplars, um den Automaten mal anschauen zu können. Das war aber natürlich nicht möglich. Der bestellte Automat kam dann erst nicht an: Er wurde nämlich an Naunheim in der Eifel geschickt, über das noch später in der Serie berichtet wird. (taf)

Quelle: Irene Jung, 100 Jahre Lahnsteg in Naunheim


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