„Schlejels Willem“ startet in neues Jahrzehnt

Jubiläum  Wilhelm Schlegel, der frühere Geschäftsführer der Aßlarer Bank, feiert seinen 100. Geburtstag

Wilhelm Schlegel arbeitet auch mit 100 Jahren noch am Computer und ist vielseitig interessiert. (Foto: privat)

Seine Menschlichkeit, sein feiner Humor, seine Erfahrung, seine Weitsicht und sein ruhiges, ausgleichendes Wesen ließen ihn immer „einer von uns“ bleiben. Er machte Karriere, blieb aber immer seinen Vereinen und den Menschen seines Heimatortes treu.

Senior arbeitet am Computer

„Die ersten 100 Jahre im Leben sind immer die schwersten“, zitiert er Albert Einstein und ergänzt: „Hoffentlich behält er Recht, denn dann kann es für mich nur noch besser werden.“

In bewundernswerter geistiger Frische steht der Jubilar noch mitten im Leben, arbeitet am Computer und ist vielseitig interessiert. „Je älter man wird, desto mehr lebt man in seinen Erinnerungen“, meint er aber. Und Erinnerungen hat er viele.

In Aßlar geboren, besuchte er die Volksschule und nutzte die zwei Jahre, die er am Ende der Weltwirtschaftskrise auf eine Lehrstelle warten musste, zum Besuch der Handelsschule in Wetzlar.

1934 begann er seine Lehre beim Bankverein Aßlar, der sein weiteres Leben maßgeblich prägte. Drei Fünf-Markstücke waren sein Monatslohn. Nach dem Abschluss als Bankgehilfe kam er zum Arbeitsdienst und wurde kurz darauf Soldat. An der Westfront wurde er verwundet. Nach seiner Genesung kam Schlegel im Mai 1942 zum Afrika-Korps. 1943 kam er in Tunesien in englische Gefangenschaft, wurde in Algerien von den Amerikanern übernommen und kam über Glasgow nach New Jersey. Der Aßlarer war einer von 6000 Kriegsgefangenen im Lager „Aliceville“ in Alabama, die als Erntehelfer eingesetzt wurden.

An seinem 26. Geburtstag wurden er und seine Kameraden den Franzosen übergeben, mussten die „Rommelpfeiler“ aus der Atlantikküste ziehen. Erst 1948 wurden die jungen Männer endlich aus der Kriegsgefangenschaft entlassen. Nach mehr als zehn entbehrungsreichen Jahren war Wilhelm Schlegel wieder zu Hause.

Die schwere Krise der Aßlarer Bank in 1954 brachte ihm den beruflichen Aufstieg in den Vorstand und zum Geschäftsführer. Im gleichen Jahr feierte er Hochzeit mit seiner Otti, 1957 wurde Sohn Klaus-Dieter geboren und Werner folgte in 1962.

Lebenserfahrung lehrt Gelassenheit

50 Jahre lang war die Aßlarer Bank sein Lebensmittelpunkt, 30 davon im Vorstand. Mit 66 Jahren wurde er in den Ruhestand entlassen. Heute ist er dankbar für ein erfülltes Leben und die Menschen, die ihm stets zur Seite standen. Dankbar ist der Jubilar auch für die zwei Enkel, deren Entwicklung er mit Freude verfolgt.

Nach 100 Jahren Höhen und Tiefen gibt der Jubilar gerne den Rat: „Mit Distanz und Gelassenheit erträgt man die Unbilden des Alltags sehr viel leichter.“ Der Aßlarer freut sich auf das neue Lebensjahrzehnt, in das er heute, Mittwoch, von 10 bis 13 Uhr in der Aßlarer Stadthalle mit Familie, Freunden und Weggefährten voller Neugier startet.


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Kommentare (1)
Hallo Wilhelm !

Die Herzlichsten Geburtstagsgrüße zu Deinem 100. sendet dir ein "Weißer Elefant aus dem Allgäu".
Wünsche dir viel Gesundheit und für heute einen schönen Geburtstag.

Viele Grüße
Harald und Hannelore mehr
Marscheck aus Buching/Ostallgäu
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