„Wir wollen die Bürger nicht gängeln“

Stadtverwaltung  Dirk Steinmüller ist beim Braunfelser Ordnungsamt für Gaststätten, Gewerbe und Veranstaltungen zuständig

Viel zu tun gibt es beim Bürger- und Ordnungsamt in Braunfels auch außerhalb der Öffnungszeiten: Dirk Steinmüller ist unter anderem für Gaststätten- und Gewerberecht zuständig. (Foto: Berns)

Mittlerweile sind es 34 Jahre, in denen Dirk Steinmüller bei der Stadt Braunfels arbeitet. Direkt nach seinem Schulabschluss begann der heute 50-Jährige hier seine Lehre. „Ich hatte noch überlegt, ob ich eine Ausbildung zum Schreiner mache, mich dann aber doch für die Verwaltung entschieden“, erzählt er.

Nach seiner Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten schlug er die sogenannte mittlere Laufbahn ein, wurde Verwaltungssekretär und qualifizierte sich über die Fachhochschule in Gießen zum Diplom-Verwaltungswirt.

Zunächst war er in der Finanzverwaltung tätig, dann übernahm er die Stelle beim Bürger- und Ordnungsamt in Braunfels. Hier ist er als stellvertretender Fachbereichsleiter für zahlreiche Aufgaben zuständig.

Ein Schwerpunkt sind die Gewerbeangelegenheiten. Wer ein Gewerbe, beispielsweise einen Handwerksbetrieb, oder ein Geschäft in der Stadt ansiedeln will, muss dies bei Steinmüller anmelden. Anzeigen, nennt sich das in der Fachsprache.

Der Beamte ist auch für die Bereiche Datenschutz, Gaststättenrecht, Marktgeschehen, Brandschutz sowie Ladenöffnungszeiten verantwortlich – und noch einiges mehr.

Einen großen Teil seiner Arbeitszeit macht jedoch etwas anderes aus: „Zu 75 Prozent bin ich für die Bürger da“, sagt er. Die wenden sich via Mail oder per Telefon an das Ordnungsamt, manche kommen auch persönlich vorbei. Meistens haben die Menschen, die sich an das Amt wenden, Beschwerden vorzubringen. Es geht um Lärm, die Nachbarn oder Abfall. Nicht immer kann Steinmüller direkt weiterhelfen, dann leitet er das Ganze an die zuständige Stelle weiter.

Wer denkt, dass die Mitarbeiter der Stadt nur zu den Öffnungszeiten der Verwaltung anwesend sind, der irrt. 41 Stunden in der Woche arbeitet beispielsweise der Verwaltungswirt. Viel zu tun hat er in jedem Fall, denn neben den Anfragen der Bürger muss er sich ja noch um seine Fachgebiete kümmern.

Hier gilt es nicht nur zu prüfen und zu entscheiden, sondern auch zu beraten. Beispielsweise, wenn eine Veranstaltung angemeldet wird. Da gibt es eine Menge, was die Veranstalter beachten müssen, vom Ablauf über den Brandschutz und die Örtlichkeiten bis hin zur Zielgruppe und der Verpflegung. Um es für alle Beteiligten einfacher zu machen, hat Steinmüller Formulare entworfen, die die Organisatoren ausfüllen können. Vier Seiten umfasst das für Veranstaltungen gedachte Papier. Gerade was die zahlreichen Auflagen bei Veranstaltungen, für Gaststätten und Gewerbebetriebe, aber auch im ganz normalen Alltag angeht, ärgern sich viele über die Behörde.

„Wichtig ist, dass man Probleme im Vorfeld aus dem Weg schafft“

Steinmüller kann das auf der einen Seite verstehen, auf der anderen gehe es aber oft nicht mehr nur um den Einzelnen. „Wir wollen die Bürger nicht gängeln. Es geht stattdessen in erster Linie um Sicherheit und Verbraucherschutz“, betont der Beamte.

So sei es eben wichtig, dass beispielsweise Hygienevorschriften eingehalten werden, damit die Gesundheit der Besucher keinen Schaden nimmt, oder dass genügend Fluchtwege vorhanden sind. Auch im Alltag gäbe es solche Situationen. „Wenn die Äste eines Baumes so überhängen, dass sie auf Passanten oder die Straße fallen könnten, dann stellt das eben eine Gefahr dar.“

Noch viele weitere Beispiele zählt der Verwaltungswirt auf, sie machen deutlich, dass es ihm tatsächlich um das Gemeinwohl geht. Deshalb versucht er auch in allen Angelegenheiten, den Bürgern beratend zur Seite zu stehen.

Klar ist aber auch, dass der Beruf bisweilen unangenehme Aufgaben mit sich bringt. „Natürlich ist es angenehmer, wenn man Leistungsbescheide überbringen kann“, sagt Steinmüller und lächelt. Aber er arbeite gerne in seinem Fachbereich. Besonders dann, wenn in einem Verfahren im Einvernehmen mit allen Beteiligten das gewünschte Ziel erreicht worden sei. „Wichtig ist, dass man Probleme im Vorfeld aus dem Weg schafft.“ In Braunfels klappe das sehr gut, sagt er.

Und natürlich gibt es für Steinmüller auch noch ein Leben nach der Arbeit. So ist er in der Einsatzabteilung der Freiwilligen Feuerwehr Braunfels aktiv und Vorsitzender des Fördervereins.


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