150 Jahre mitten in der Stadt

AUSSTELLUNG 1862 wurde Buderus-Zentrale nach Wetzlar verlegt

Arbeiter der Eisenerzgrube Morgenstern bei Waldgirmes um 1913.

Eröffnen die Ausstellung (v.l.): Oberbürgermeister Wolfram Dette, Landrat Wolfgang Schuster im Gespräch mit Bereichsvorstand Jürgen Sterlepper.

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"Auf der gepachteten und 1859 stillgelegten Aßlarer Hütte hatte Buderus im Jahre 1856 seine ,Central-Verwaltung' errichtet, um von hieraus die verschiedenen Betriebe in Oberhessen und im Raum Nassau-Weiburg zu steuern", so Sterlepper. Er beleuchtete in seinem Vortrag die geschichtliche Entwicklung der vergangenen 150 Jahre der Buderus'schen Eisenwerke.

Obwohl die Wurzeln von Buderus in der Laubacher Region liegen, wo sie 1731 die gräfliche Friedrichshütte übernahmen und 1861 in Lollar zwei neue Hochöfen in Betrieb gingen, habe man sich für Wetzlar als Unternehmenszentrale entschieden. Sicherlich hat dabei die äußerst verkehrsgünstige Lage der Stadt den Ausschlag gegeben. Wetzlar lag an der im Januar 1862 eröffneten Bahnlinie Deutz-Gießen und die Lahntalbahn von Wetzlar nach Koblenz stand kurz vor der Vollendung, sie wurde Anfang 1863 eröffnet.

Und doch dauerte es noch rund zehn Jahre bis im August 1872 in der Nähe des Wetzlarer Bahnhofs der erste von zwei Hochöfen angeblasen wurde. Hier gab es ideale Voraussetzungen, denn allein in der heimischen Region waren zahlreiche Eisenerzbergwerke in Betrieb und dank der Bahn konnte man den benötigten Koks wirtschaftlich aus dem Ruhrgebiet beziehen. Der Eisenmarkt und die 1873 von Buderus errichtete Hausertorbrücke sind historische Zeugen dieser wirtschaftlichen Entwicklung.

"Das Hochofenwerk startete zwar gut. Der Chronik ist zu entnehmen, dass im August 1873 auf der Wetzlarer Sophienhütte 250 Arbeiter beschäftigt waren, die mit 2,70 Mark pro 12-stündiger Schicht einen guten Verdienst hatten", betonte der Bereichvorstand, als er auf die folgende, rund zehnjährige Krise verwies. Ursache für die sinkenden Roheisenpreise war die rückläufige Weltkonjunktur. Sie bedeutete Lohnkürzungen und Personalabbau. Glücklicherweise gelang Buderus 1878 ein bedeutsamer Erfolg mit weit reichenden Folgen: Man entwickelte ein Gießereiroheisen, das sich hervorragend für die Herstellung von dünnwandigen Gussstücken eignete. In Hirzenhain und Lollar wurde die Fertigung hochwertiger Ofenherstellung ausgeweitet und auf der Sophienhütte entstanden neben dem Zementwerk um 1900 eine Röhrengießerei und ein Gießereibetrieb für Spezialguss.

Buderus legte den Grundstein für die Elektrifizierung von Wetzlar und ihrer Umgebung

Ein Meilenstein in der Entwicklung von Buderus war die Gründung der Buderus'schen Handelsgesellschaft zum Vertrieb der Lollarer Zentralheizungsprodukte im Jahre 1911. Im gleichen Jahr nutzte die Sophienhütte die Gichtgase der Hochöfen, um damit Dynamos anzutreiben, die so viel Strom erzeugten, dass die Stadt Wetzlar und zahlreiche Kommunen an das Stromnetz angeschlossen wurden. Damit legte Buderus den Grundstein für die Elektrifizierung von Wetzlar und ihrer Umgebung.

Die Entwicklung von Buderus zum Gießereikonzern wurde durch die Aufrüstungspolitik des Dritten Reiches unterbrochen, aber nach dem Krieg fortgesetzt. In den Jahren des Wiederaufbaus profitierte Buderus von seiner breiten Produktpalette. Aber auch auf dem sozialen Sektor machte das Unternehmen von sich reden. Waren es zu Beginn des 20. Jahrhunderts die Arbeitersiedlungen in Lollar und Niedergirmes, so fanden die zahlreichen Vertriebenen in der Bredow-Siedlung eine neue Heimat und die Kinder im angegliederten Kindergarten eine Bleibe.

"Das Unternehmen expantierte und die Zahl der Mitarbeiter wuchs kontinuierlich auf über 10 000 Beschäftigte", beschreibt Sterlepper die wirtschaftliche Entwicklung der Buderus AG. Nicht nur in die Fertigungskapazitäten wurde investiert auch die Verwaltungs- und Verkaufsbereiche waren gewachsen. Und so im Jahre 1966/67 das zehnstöckige Hochhaus, die "Neue Verwaltung" errichtet.

Nachdem die Robert Bosch GmbH 2003 mehr als 95 Prozent der Buderus-Aktien übernommen hatte, beschloss die Hauptversammlung der Buderus AG im März 2004 die Zusammenlegung der Heiztechnikaktivitäten von Bosch und Buderus. Heute werden vom Standort Wetzlar die Verwaltung und der Verkauf aller Bosch Thermotechnik Aktivitäten gesteuert.

In Grußworten betonten Landrat Wolfgang Schuster (SPD) und Oberbürgermeister Dette (FDP) die Beutung des Unternehmens für die Region. Auch wenn sich in den vergangenen Jahren in den Struktur- und Eigentumsverhältnissen einiges geänderte habe, so konnte der Standort Wetzlar und damit über 2000 Arbeitsplätze erhalten werden. Beide Politiker bezeichneten das Unterneh-men als einen starken Partner, den man auch in Zukunft mit guten Rahmenbedingungen unterstützen werde.

Die Ausstellung "150 Jahre Buderus/Bosch Thermotechnik in Wetzlar" in der Unternehmenszentrale (Sophienstraße) ist am 14. und 21. Dezember und am 4. Januar von 15 Uhr bis 18 Uhr für die Öffentlichkeit geöffnet. Rainer Haus, bei Bosch Thermotechnik für die historische Kommunikation zuständig, wird durch die 40 Bilder umfassende Historie führen.


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