An Sperrung führt kein Weg vorbei

B 255 Hessen Mobil-Chef erklärt, warum es auch in Bauabschnitt 4 und 5 keine Alternative gibt

(Grafik: Steinhaus)

Eugen Reichwein hat in den vergangenen Wochen viel Kritik einstecken müssen. (Foto: Archiv)

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Es geht um insgesamt sieben Kilometer Bundesstraße, um 75 000 Quadratmeter Asphalt, die in fünf Bauabschnitten mit Kosten von 3,2 Millionen Euro erneuert werden sollen und für mächtig Ärger im Aartal sorgen. Der Ärger gipfelte in der vergangenen Woche in einer einstweiligen Verfügung, die eine Geschäftsfrau aus Offenbach gegen die Vollsperrung in der Ortsdurchfahrt Bicken (Abschnitt 2) erwirkte, weil sie sich von der Welt abgeschnitten fühlte.

Hessen Mobil ist nun vom Verwaltungsgericht Gießen zur Stellungnahme aufgefordert und muss erklären, warum es ohne Vollsperrung nicht gehen soll. Dann wird das Gericht entscheiden.

Bundesstraße zu schmal für einseitige Sperrung: Breite von 8,50 Metern ist vorgeschrieben

Weil Bauabschnitt 2 zwangsweise pausieren muss, sollen die Arbeiten in dieser Woche in Abschnitt 4 zwischen Bischoffen-Mitte und dem Abzweig Niederweidbach fortgesetzt werden. Bereits im Laufe dieses Mittwochs werde die Bundesstraße in dem Bereich vollgesperrt, kündigte Reichwein an. Zunächst werde der Kampfmittelräumdienst eine Verdachtsfläche auf der Höhe der Staumauer untersuchen. Dann gehe es an die Sanierung.

Dass es auch diesmal nicht ohne Vollsperrung funktioniert, erklärte der Regionalbevollmächtigte mit der nur knapp über sieben Meter breiten Fahrbahn der B 255. Die Vorschriften zur Arbeitssicherheit verlangten seit einer Änderung vor drei Jahren eine Breite von mindestens 8,50 Metern für eine halbseitige Sperrung. Mindestens 2,75 Meter für die Fahrspur plus Platz für die Barken, einen Sicherheitsraum und den eigentlichen Arbeitsraum. Diese Vorschrift bereite nicht nur auf der B 255 Probleme, es existierten quasi keine einzige Landestraße mit der erforderlichen Breite und kaum Bundesstraßen, wenn sie nicht über einen Seitenstreifen verfügen, sagte Reichwein.

Die einzige Möglichkeit wäre laut Reichwein, die Fahrbahn für die Baustellenzeit links und dann rechts auf die Bankette hinaus auszubauen, mit einem Untergrund, der auch schwere Lkw trägt, und anschließend wieder zurückzubauen. Das sei nicht nur unverhältnismäßig aufwendig, es bliebe auch das Problem der Baustellenampel, die maximal über Strecken von 400 Metern geschaltet werden könne. Die restlichen fünf Kilometer der Bauabschnitte 4 und 5 müssten also in beinahe ein Dutzend kleine Etappen aufgeteilt werden. Reichwein: „Das würde in der Kosequenz dazu führen, dass wir es bei einer halbseitigen Sperrung mit gut sechs Monaten Baustelle zu tun bekommen statt der geplanten sieben Wochen bei Vollsperrung.“ Auch wirtschaftlich sei diese langwierige Vorgehensweise nicht vertretbar. Schon die Mieten für Baumaschinen wie die Fräse würden die Kosten untragbar in die Höhe treiben, so Reichwein.

Deshalb sei die Entscheidung für die Vollsperrung gefallen – in Absprache mit der Gemeinde, der Polizei und der Straßenverkehrsbehörde beim Lahn-Dill-Kreis. Zumal die Umleitungsstrecken „nicht allzu kritisch“ seien, so Reichwein. Wer etwa von Gladenbach nach Bischoffen wolle, benötige über Weidenhausen und Günterod 22 Kilometer statt der üblichen 17 über die B 255. Aus Richtung Frankenbach werde eine Beschilderung für eine Umleitung ebenfalls über Günterod eingerichtet. Dieselbe Regelung gelte anschließend für Bauabschnitt 5 zwischen dem Abzweig Niederweidbach Richtung Oberweidbach.

Die zwei Bauabschnitte werden auf der Kreuzung zur Landestraße 3053 voneinander getrennt. So sei es möglich, mit Hilfe einer Ampel einspurig zumindest in jeweils den Bereich der B 255 einzufahren, in dem gerade nicht gebaut wird, so Reichwein.

Für die Umleitungen werde es an jedem Kreuzungspunkt eine Beschilderung geben. Für jedes einzelne Schild brauche es eine verkehrsrechtliche Anordnung, berichtete Reichwein über die bürokratischen Hürden.

Ende Oktober, so ist geplant, soll der Spuk vorbei, die Arbeit erledigt und die B 255 wieder komplett freigegeben sein. Viele im Aartal können das wohl schon jetzt kaum mehr erwarten.


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