Bauhof: Umzug oder Neubau?

POLITIK  Diskussion um den ehemaligen BSU-Standort prägt auch den Wahlkampf

Ist das alte BSU-Gelände als Bauhof nutzbar? Darüber herrscht weiterhin deutliche Uneinigkeit in Biebertal. (Archivfoto: Waldschmidt)

Für die SPD-Fraktion und den SPD-Bürgermeisterkandidaten Michael Borke wäre das 7000 Quadratmeter große Gelände eine echte Alternative. Schon mehrfach hat Borke das Gelände ins Gespräch gebracht. Jetzt kommt das Thema auch in den Geschäftsgang der Gemeindevertretung. Für die nächste Sitzung am 26. Oktober hat die SPD einen Antrag gestellt. Damit soll der Gemeindevorstand beauftragt werden, parallel zu den laufenden Planungen zu prüfen, ob – und wenn ja unter welchen Voraussetzungen und zu welchen Kosten – der gemeindliche Bauhof auf dem Gelände der ehemaligen Firma BSU untergebracht werden kann.

SPD und FW sehen die Kosten-Problematik

In der Begründung der SPD heißt es: „Die im Masterplan für Feuerwehrstützpunkt und Bauhof ermittelten Kosten belaufen sich alleine für den Bauhof auf rund fünf Millionen Euro. Das ist aus unserer Sicht für einen Bauhof mit weniger als 20 Beschäftigten und für eine Gemeinde in der Größe Biebertals entschieden zu teuer und kann nur unter Verzicht auf andere wichtige Projekte finanziert werden. Alleine schon aus diesem Grund halten wir eine Prüfung von Alternativen für zwingend erforderlich.“ Eine „realistische Alternative“ sei das Gelände in Bieber. Wie eine erste grobe Einschätzung zeige, könne das Raumprogramm für den Bauhof in den Firmengebäuden untergebracht werden.

Auch die Freien Wähler halten die geschätzten Kosten für den Neubau von Feuerwehr und Bauhof für zu hoch. „Erste utopische Kostenschätzungen von annähernd neun Millionen Euro haben dazu geführt, dass wir dem vorgelegten Grundsatzbeschluss, Bauhof und Feuerwehr umgehend und zusammen zu bauen, nicht zugestimmt haben. Wir brauchen zunächst eine aussagekräftige Kosten-Nutzen-Aufstellung. Für uns war und ist der Neubau Bauhof kein Prestigeobjekt, sondern immer noch mit einigen Fragezeichen versehen und darf nach unserer Auffassung nicht mehr als 2,5 Millionen Euro kosten“, so FW-Fraktionsvorsitzende Inge Mohr in einer Pressemitteilung.

Ihre Fraktion hat sich am Mittwoch zusammen mit Bürgermeisterkandidatin Patricia Ortmann und dem Makler das ehemalige BSU-Gelände angesehen und sich einen Eindruck verschafft. Sie sprach sich dafür aus, das Gelände nicht von vornherein abzuhaken. Aber: „Das Gelände hat Schwächen.“ Es sei zunächst einmal „sehr, sehr groß. Die Fläche brauchen wir eigentlich nicht.“ Was eine Entscheidung auch erschweren werde, sei das „bekannte Altlastenproblem“. Hintergrund: In den 90er-Jahren war bei einem Unfall Entfettungsmittel in den Boden eingedrungen. Seitdem müssen jedes Jahr Proben genommen werden.

Genaues Rechnen vor Umzug nötig

Die Kosten dafür belaufen sich auf rund 8000 Euro im Jahr, eventuell erforderliche Sanierungsmaßnahmen würden nicht ausgeschlossen, so die Freien Wähler. „Diese Gründe haben in der Vergangenheit alle Entscheidungsträger, auch die SPD und deren Bürgermeisterin (Helga Lopez; Anm. d. Red.), davon abhalten, eine gemeindliche Nutzung zu befürworten. Das Gelände wurde bisher als völlig ungeeignet und zu risikobehaftet abgelehnt.“ Bevor man sich für einen Umzug ausspreche, „müssen Kostenschätzungen und Folgekostenberechnungen vorgelegt werden“, meinte Inge Mohr.

Bürgermeisterkandidatin Patricia Ortmann, die von den Freien Wählern unterstützt wird, hat zu dem Thema ebenfalls eine klare Meinung: Es sei gut, dass das Gelände geprüft wird. Aber sie gehe davon aus, dass es für den Bauhof nicht geeignet sei – zu groß, zu viele Altlasten. Ihr Favorit sei ein gemeinsamer Standort von Feuerwehr und Bauhof, allein um Synergien nutzen zu können – „aber zu vernünftigen Preisen“. Eine Bestandsimmobilie, die vor Jahren als ungeeignet verworfen wurde, sehe sie nicht als Lösung. Im Gegenteil: Statt über 800 000 Euro allein für den Erwerb des BSU-Geländes „und weitere mehrere Hunderttausend Euro“ in das Objekt zu stecken, könne man dann auch in den jetzigen Bauhof-Standort investieren. Salzhalle und Unterstellplätze für die Fahrzeuge der Straßenmeisterei hätten unweit vom Standort der alten Zigarrenfabrik Raum gefunden. Das ehemalige Firmengelände in Bieber zu nutzen, „kann auch nur eine Zwischenlösung sein“, so Ortmann abschließend.

SPD-Bürgermeisterkandidat Michael Borke sieht gerade Letzteres anders. Sollten sich die Verantwortlichen für das BSU-Gelände aussprechen, wäre das eine „langfristige Lösung“. Vorstellen könne er sich auch, dass ein Projektentwickler das Gelände kauft und sich die Gemeinde einmietet, gegebenenfalls mit Kaufoption. Das Objekt biete eine Menge Möglichkeiten, jährliche Kosten von 8000 Euro für die Bodenuntersuchungen hält er für „überschaubar“. Sollte man hier mit „überschaubaren Investitionen“ etwas hinbekommen, „sparen wir viel Geld“.

Unabhängig vom SPD-Antrag – und vermutlich noch vor der Parlamentssitzung am 26. Oktober – will sich laut Bürgermeister Thomas Bender der Gemeindevorstand mit dem Gelände auseinandersetzen.


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