Bilanz: Wie sieht es einen Monat nach dem Unwetter aus?

"Geplätschert wie ein Bach"

Bis das Wohnzimmer wieder seinen eigentlichen Zweck erfüllt, wird es noch ein paar Wochen dauern. Überwältigt waren Tanja und Torsten Eisenhut (v. l.) von der Hilfsbereitschaft von Freunden, Bekannten und Verwandten, wie hier im Bild Torstens Schwester Kerstin Eisenhut (r.). (Fotos: Keller)

Allein in Hüttenberg war die Feuerwehr am 24. Juli an insgesamt 103 Einsatzstellen im Einsatz.

Sie sollen beim nächsten Unwetter das Schlimmste verhindern: Sandsäcke vor dem Wohnzimmerfenster der Eisenhuts.

Bild 1 von 3

Ein ungutes Gefühl haben Tanja und Torsten Eisenhut auch jetzt noch, wenn es so richtig schüttet. "Ich hatte während des Unwetters eher Bedenken, dass der Abfluss im Hof die Wassermassen nicht mehr schluckt", erzählt Torsten Eisenhut. Entgegen seiner Befürchtungen suchten sich die Wassermassen einen anderen Weg in die Parterrewohnung. Und zwar durch das Wohnzimmerfenster.

"Es hat geplätschert wie an einem Bach", sagt Torstens Schwester Kerstin, die während des Unwetters gerade zu Besuch war. Zuerst hätten sie noch versucht, das Wasser mit Eimern wieder aus der Wohnung herauszuschütten. Als dann aber auch noch die schnell herbeigeholte Gartenpumpe versagte, war klar: So lange es regnet, macht das alles keinen Sinn.

Um das Wasser überhaupt abfließen zu lassen, blieb den Eisenhuts nur noch die Möglichkeit, das vor dem Wohnzimmerfenster angestaute Wasser durch die angrenzende Garage ablaufen zu lassen. "Lieber durch die Garage als durch die ganze Wohnung", kann Torsten Eisenhut einen Monat später schon fast wieder darüber lachen.

Schrottreifes Inventar wurde vielerorts noch am selben Abend vor die Tür gesetzt

Am Abend des 24. Juli war wohl niemandem zum Lachen zumute. Wer konnte, pumpte selbst das Wasser aus Keller oder Wohnung. Feuerwehren kämpften an den brisantesten Stellen gegen die Wassermassen, und vor einigen Häusern türmten sich noch am selben Abend die ersten Berge mit vollgesaugten Sofas, aufgequollenem Laminat und allerlei anderem schrottreifem Inventar.

Damit das nicht so schnell wieder passiert, haben die Eisenhuts vorgesorgt. Neben einem eigens dafür installierten Rohr, durch das das Wasser jetzt von der einen Garagenseite herein- und auf der anderen wieder herauskann, hat Torsten Eisenhut die kleine Mauer vor dem Wohnzimmerfenster erhöht und zusätzlich mit Sandsäcken geschützt.

Die Folgen des ungebetenen Wassereinbruchs sind auch heute nicht zu übersehen. Außer einer tapezierten Wand herrscht im Wohnzimmer noch Baustellenatmosphäre. Ein bisschen Feuchtigkeit steckt immer noch im Boden.

Schmerzliche Erfahrung für den Großteil der Hochwassergeschädigten: die Hausratversicherung haftet in solchen Fällen nicht. "Eine Versicherung gegen Elementarschäden? Ja, jetzt haben wir die auch", sagt Tanja Eisenhut.

Überraschende Hilfe haben die Eisenhuts auch noch erhalten. Pünktlich zum 12. Hochzeitstag, zwei Wochen später, überreichten Freunde eine Spende von 500 Euro für neues Wohnzimmerinventar. Zusammengekommen war das Geld über die spontane Spendenaktion, zu der Freundin Janina Panz und Schwester Kerstin Eisenhut in einer Facebook-Gruppe aufgerufen hatten. Sogar an die beiden Hunde des Hauses wurde gedacht, und es gab noch einen Leckerli-Gutschein oben drauf.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2014
Mehr zum Thema
Kommentare (0)
Mehr aus Region Wetzlar