"Bitte keine Vollbremsung"

Einsatz Interview mit Christian Lewalter zu Feuerwehreinsätzen auf dem Land

Ein Einsatz ist immer eine besondere Situation sagt Christian Lewalter von der Feuerwehr Brandoberndorf. (Foto: Jung)

Christian Lewalter von der Feuerwehr in Brandoberndorf verrät im Gespräch unter anderem, wie man sich als Autofahrer auf Landstraßen und in geschlossenen Ortschaften am besten verhält, wenn sich ein Einsatzfahrzeug nähert.

Herr Lewalter, immer öfter hört man, dass Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert werden. Haben Sie in Waldsolms solche Erfahrungen machen müssen?

Christian Lewalter: In Waldsolms haben wir das zum Glück noch nicht erlebt. Ich vermute, je dörflicher es ist, desto entspannter ist die Lage noch. Ich habe aber von Kollegen aus anderen Gebieten auch schon gehört, dass es teilweise zu unschönen Szenen kommt. Mit der Rettungsgasse haben wir aber auch allein deshalb keine Probleme, weil wir als Waldsolmser Wehr ja keine Autobahnen in unserem Gebiet haben.

Heißt das, dass es auf Landstraßen keine Probleme gibt?

Lewalter: Nicht ganz, auch bei uns verhalten sich viele Leute ganz falsch, wenn sich ein Einsatzfahrzeug nähert. Das geschieht aber in der Regel aus Unwissenheit heraus.

Gibt es Beispiele?

Lewalter: Wir erleben beispielsweise immer wieder, dass Autofahrer eine Vollbremsung machen, manchmal sogar stehen bleiben, weil sie uns vorbeilassen wollen. Das bringt uns aber eher in Bedrängnis, gerade wenn Gegenverkehr ist, weil wir dann ja auch voll bremsen müssen. Oder es wird ganz langsam gefahren.

Wie verhält man sich denn richtig?

Lewalter; Bitte keine  Vollbremsung machen. Gerade auf der Landstraße am besten zügig weiterfahren bis zum nächsten Feldweg oder einer Haltebucht, so dass es für uns genügend Platz gibt, gefahrlos vorbeizufahren - und uns am besten durch das Setzen des Blinkers kurz zu verstehen geben, dass man uns wahrgenommen hat. In einem Ort sollte der Fahrer schauen, dass genug Platz für das Einsatzfahrzeug entsteht. Das kann an einer roten Ampel auch bedeuten, diese ganz vorsichtig zu überfahren und direkt dahinter so an den Rand zu fahren, dass wir vorbeikönnen.

Ist das nicht verboten?

Lewalter: Im normalen Straßenverkehr schon, wenn Sie aber in so einem Fall geblitzt werden, in dem Sie einem Einsatzfahrzeug Platz machen, dann nicht. Auf dem Blitzerbild würde man das Einsatzfahrzeug im Hintergrund ja auch sehen. Und Sie dürfen natürlich nicht mit Vollgas bei Rot über die Kreuzung düsen, sondern nur vorsichtig etwas hinter die Ampel fahren,wenn dadurch mehr Platz für die Einsatzfahrzeuge entsteht.

Sozusagen eine Regelung für den Sonderfall. Welche Sonderrechte genießen eigentlich die Fahrer von Einsatzfahrzeugen?

Lewalter: Wir dürfen im Einsatz natürlich schneller fahren als erlaubt und wir dürfen über rote Ampeln und entgegengesetzt der Einbahnstraße fahren. Gerade das Überqueren roter Kreuzungen machen wir aber mit äußerster Vorsicht. Hier erleben wir immer wieder mal, dass Menschen uns nicht die Vorfahrt gewähren oder noch schnell in die Kreuzung einfahren, obwohl wir Martinshorn und Blaulicht angeschaltet haben. 

Lernen Sie bei der Feuerwehr eigentlich, wie man ein Fahrzeug im Einsatz sicher steuert?

Lewalter: Es gibt jährliche Unterweisungen, was wir dürfen oder wie man mit einem Einsatzfahrzeug eine Vollbremsung macht. Das sind Schulungen, die der Lahn-Dill-Kreis anbietet. Aber echte Einsatzfahrten kann man schlecht üben.

Ist man dann im Stress, wenn man einen Einsatz hat?

Lewalter: Natürlich, für uns als freiwillige Helfer ist ein Einsatz immer eine besondere Situation. Und oft auch eine Stresssituation.  Wir kommen aus dem ganz normalen Alltag und müssen dann möglichst schnell an einem Einsatzort sein, um Menschen zu helfen. Innerorts müssen wir beispielsweise innerhalb von zehn Minuten nach Eingang des Notrufs am Einsatzort sein. Das ist die gesetzliche Hilfsfrist. In Waldsolms können wir die noch ganz gut einhalten, da wir in allen Ortsteilen noch Wehren haben, wobei es tagsüber schwieriger ist, weil viele nicht vor Ort arbeiten.

Und Sie müssen dann auch erstmal zum Feuerwehrgerätehaus...

Lewalter: Ja, das ist für uns als Freiwillige tatsächlich das größere Problem, weil wir auf der Fahrt zum Feuerwehrgerätehaus ja in unserem Privat-Pkw sitzen. Wobei wir in Waldsolms ja noch einen Feueralarm haben, wer den hört, der weiß dann in der Regel Bescheid. Das ist etwas anderes an Orten, wo es nur den "Stilen Alarm" gibt. 

Was kann man den als Mitglied der Einsatzkräfte tun, um die Fahrt zum Einsatz am besten zu bewältigen und was können Autofahrer tun, um den Einsatzkräften ihre Fahrt zu erleichtern?

Lewalter: Ruhe bewahren.


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