Das Auge der US-Army

Heinz Magel war Fotograf der amerikanischen Besatzungstruppen in Gießen
Zusammen in der Dienststelle: Heinz Magel (links) mit dem damaligen Chef der Fotoabteilung Sergeant Goddord und dem Specialist Underwood. (Foto/Repros: Scholz)
Willy Brandt im Gespräch mit Kenneth A. Murphy.
Elvis Presley bei seiner Entlassung aus dem Militärdienst 1960. (Foto: Magel/Repro: Scholz)
Heinz Magel mit seiner Kamera. (Foto: Scholz)
Bild 1 von 4

Heimische Geschichte mit der Planfilmkamera eingefangen

"Ich war vom Fotografieren fasziniert, das lag irgendwie im Blut bei mir", erinnert sich der 1989 in Ruhestand gegangene Zivilangestellte der Streitkräfte, dessen Großvater bereits im 19. Jahrhundert in Paris das Fotografenhandwerk erlernt hatte. Heinz Magel hat in seiner 1958 angetretenen Laufbahn als militärischer Fotograf ganz unterschiedliche Motive abgelichtet hat: Eines der Bilder zeigt Elvis Presley, der ab 1958 als amerikanischer Soldat in Friedberg stationiert war.

1960 macht Berlins Regierender Bürgermeister Willy Brandt auf Wahlkampftour in Gießen Station, und Magel hat ihn im Gespräch mit dem damaligen US-Post Commander Leutnant Colonel Kenneth A. Murphy abgelichtet.

Magel hat mit seiner vier mal fünf Inch Speed Graphic Planfilmkamera heimische Geschichte eingefangen, und das war durchaus schwierig: Zunächst musste an der Kamera, in die eine Filmkassette für zwei Bilder eingefügt wurde, das Objekt fokussiert und die Schärfe eingestellt werden. Im Anschluss wurde der Verschluss gespannt, der das lichtempfindliche Filmmaterial schützende Schieber aus der Kassette gezogen und ausgelöst. Anschließend wurde der Schieber wieder eingeschoben und die Kassette für die zweite Aufnahme umgedreht.

Für den Busecker war dies aber kein kein Problem, der er war ein Meister seines Fachs, der in seiner Laufbahn mehrfach ausgezeichnet und befördert wurde und seine Bilder immer selbst entwickelte.

Als der gebürtige Oberschlesier nach Kriegsende und russischer-polnischer Kriegsgefangenschaft im Januar 1946 nach Ilsdorf/Mücke kam, konnte er bereits im Fotogeschäft des Onkels einiges lernen. Doch das hat Magel bald schon nicht mehr ausgereicht, und es wurden Fachbücher angeschafft. "Ich habe diese Bücher gelesen wie ein anderer einen Krimi liest", berichtet der Rentner, der schließlich nach Homberg/Ohm zog, wo er seine Frau kennenlernte. In ihrem Haus richtete sich Magel eine erste provisorische Dunkelkammer ein, um seine Filme zu entwickeln. Bereits Anfang der 50er Jahre arbeitete er für den Alsfelder Kreis Anzeiger – allerdings nebenberuflich.

Im Haupterwerb kam der heute 84-jährige 1946 bei den amerikanischen Besatzungstruppen in Gießen zunächst als Lagerarbeiter und später als Angestellter im Büro unter. Die Fotografiererei betrieb er im Nebenberuf weiter, bis 1958 bei den Amerikanern eine Stelle für einen deutschen Fotografen ausgeschrieben wurde. "Im Personalbüro war bekannt, dass ich fotografiere. Also wurde ich gebeten, mich zu bewerben", berichtet der Rentner.

Ab jetzt hieß es in militärischem Auftrag Bilder machen. "Der Sergeant, Chef der Fotoabteilung, wollte erstmal sehen, was ich kann. Er gab mir einige Negative und den Auftrag, in der Dunkelkammer Bilder davon anzufertigen. Es hat sofort geklappt und mein neuer Vorgesetzter war erstaunt und zufrieden", erklärt Magel. Schon bald ging es auf Reisen: Die Abteilung, die von 1970 bis 1989 von Magel geleitet wurde, war in ganz Mittelhessen und Norddeutschland zuständig für die Fotos in den so genannten ID-Cards, Ausweispapieren der US-Soldaten und auch ihrer Angehörigen.

"Es ging von Kaserne zu Kaserne, bevor ich im Anschluss mit der großen Kamera losgelassen wurde und für das deutsch-amerikanische Pressebüro Public Affairs arbeitete", erinnert sich der Rentner, der dreimal im Depot mit der Kamera festgenommen wurde, bevor er Ausweispapiere mit der Berechtigung zum Führen einer Kamera im militärischen Bereich erhielt.

Der 84-jährige machte unter anderem Porträts von den Kommandanten, Fotos für Zeitungsberichte und von Beförderungen und Auszeichnungen. "Montagmorgens kam gewöhnlich die CID zu mir, damit ich in Gießen, Butzbach, Kirchgöns oder Friedberg Einbruchsspuren in den Clubs fotografiere", sagt Magel, der rückblickend betont, gern für die Amerikaner gearbeitet zu haben.

Großteil der Bilder ist in den Archiven des Pentagon verschwunden

Alle Bilder wurden mit Archiv- und Quellennachweis und Namen des Fotografen archiviert und speziell die als historisch eingestuften Aufnahmen des Deutschen sind samt Negativen ans Pentagon gesandt worden, weshalb sie heute nicht zur Verfügung stehen.

Rund 200 Bilder hängen zudem im mittlerweile geschlossenen C.A.R.E-Museum im ehemaligen Gießener US-Depot und sind der Öffentlichkeit damit nicht zugänglich.

Das ist bedauerlich, denn Magels erstklassige Bilder sind eindrucksvolle Dokumente der heimischen Geschichte, die vielfältige Facetten der Besatzungszeit in Mittelhessen auf Film gebannt haben.


Mit ePaper wird die Zeitung digital: Testen Sie jetzt das ePaper Ihrer Heimatzeitung zwei Wochen kostenlos!
Link zum Thema
Copyright © mittelhessen.de 2012
Kommentare (0)
Mehr aus Lokale Kultur Wetzlar/Gießen