Der Geschichtenerzähler

KONZERT Chris de Burgh zieht 2500 Zuschauer in die Wetzlarer Rittal-Arena

Chris de Burgh hat in der Rittal-Arena rund 2500 Freunde seiner Musik fast drei Stunden lang unterhalten. (Foto: Krentscher)

Jubel, Trubel, Heiterkeit, glückliche Menschen feiern einen Barden, der länger in diesem Geschäft erfolgreich ist als viele im Saal alt sind.

Es beginnt wie immer: Ein eher kleiner Mann (1,68) in Straßenkleidung kommt auf die Bühne, wird bejubelt und singt. Da wird manche gestandene Frau zum Teenager, zückt das Smartphone und filmt, was das Zeug hält.

Er besingt nicht nur, was ihn bewegt, sondern auch, was die Welt bewegt

Das erste Lied rockt: „Bethlehem“, vom neuen Album „A Better World“, das der 69-Jährige mit seiner Tour vorstellt. Da ist er der Rocker mit irischem Gemüt, später und immer wieder der leise Barde. So oder so: Chris de Burgh ist vor allem ein Geschichtenerzähler, mal kraftvoll, mal sanft, aber immer mit dieser Stimme, unverwechselbar wie die Grönemeyers, und der vierköpfigen Topband an der Seite.

Ballade folgt auf Hymne, Soli auf Momente mit der Band, wie bei einer Jamsession, fast unplugged musizieren sie „Heart and Soul“ und „Moonlight and Wodka“, Pop folgt Rock, Rock folgt Folk. Dazwischen Koketterien zum Alter, den Deutschkenntnissen, andere Scherze. Ein unaufgeregter, entspannter, professionell, nicht routinemäßig steril wirkender de Burgh ist das.

Am liebsten ist er mir, wenn er die leisen Lieder singt, allein am Piano oder zur Gitarre, in stimmungsvolles Licht (Extralob an die Licht- und Bühnentechnik) gehüllt, bei alten Bekannten wie „I’ll Be Missing You“ oder „A Spaceman Came Travelling“. Da wird die Gänsehaut zum ständigen Begleiter, kommen sie, die sentimentalen Momente. Klingt kitschig? Mag sein. Na und?

Das darf, das muss sein, wenn einer wie dieser Lieder singt wie diese. Er singt von Gefühlen, von Menschen, Ländern, besingt nicht nur, was ihn bewegt, sondern auch, was die Welt bewegt, zum Beispiel das Leid der Syrer. Der Sänger lobt Deutschland, das Flüchtlinge aufnimmt, und weiß wohl, dass diese im Grunde nur eines wollen: wieder nach Hause. Das Lied dazu: „Homeland“.

Dann Tempo: „The Revolution“, das Lied für die Hausfrauen, „All For Love“, und eines gegen Krieg: „Borderline“: „But these are only boys, and I will never know, how men can see the wisdom in a war“. Szenenapplaus für diese Botschaft.

Und gegen Ende, natürlich, dieses besondere Lied, denn was wäre ein de Burgh-Konzert ohne sie: „The Lady in Red“, leider zerklatscht, nutzt der Ire, um einmal durch die Halle zu schlendern.

Und ganz am Ende, wie gesagt, Standing Ovations, Jubel, Klatschen, Johlen, glückliche Menschen vor und auf der Bühne. „We thought you are fantastic“, meint de Burgh (dito) und schickt uns mit etwas Sanftem nach Hause: „Go where your hearts believes“.


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