Draußen mit dem Rad: Sport, Wissen, Erholung

Serie  Diese Zeitung stellt ihren Lesern seit vier Jahren Radtouren in die Region vor / Auch im Herbst macht Radeln Spaß

Aufstieg in den Westerwald durchs Ulmtal: Weil der Radweg einer stillgelegten Bahntrasse folgt, ist die Steigung sehr zahm. Bergab geht's im Kerkerbachtal ebenfalls entlang einer alten Eisenbahntrasse. (Foto: Reeber)
Tour durch die Wetzlarer Altstadt: Die Spielorte bedeutender Kriminalfälle sind mit dem Fahrrad zu erkunden – auf einer etwa neun Kilometer langen Reise durch die Stadt. (Foto: Weber)
Hier hausten die Kelten: Das Oppidum am Dünsberg bei Fellingshausen gilt als eine der bedeutendsten keltischen Siedlungen. Das im Jahr 2001 errichtete Keltentor soll verdeutlichen, wie die Kelten ihre Siedlungen gegen Angreifer sicherten. Mit dem Rad gut zu erreichen! (Foto: Reeber)
Zentrale Verbindung zwischen Wetzlar und Gießen ist der Lahntalradweg. Radfahrer kommen auch durch Dorlar und passieren unter anderem die Villa an der Lahn, die der aus Berlin gekommene Otto Kramer 1898 hier auf Resten des alten Kloster errichten ließ. (Foto: Reeber)
Fachwerk-Juwel am Wegesrand: Bei einer Fahrt zu den Besitztümern des Fürstenhauses Solms-Braunfels kommen Radler kurz vor Ende des Abstiegs zwischen Greifenstein und Lahntal am Hof Heisterberg bei Leun vorbei. Die Hofgüter waren für die Adelshäuser seit jeher wichtige Wirtschaftsfaktoren, denn von hier aus wurden Felder und Wälder bewirtschaftet. Am Hof Heisterberg wurde ursprünglich sogar Wein angebaut. (Foto: Reeber)
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Diese Zeitung stellt ihren Lesern seit vier Jahren Radtouren in die Region vor. Mehr als 1000 Kilometer sind bereits zusammengekommen. Wer die Serie treu verfolgt, der weiß, dass Radtouren viel mehr bieten als eine Reise im Sattel. Das bloße Fahren durch schöne Gegenden ist das eine. Die ansprechenden, interessanten, überraschenden Ziele sind das andere.

AUF DEM HOLZWEG

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Eine thematisch eng mit der Region verbundene Tour startet in Lollar und führt am westlichen Rand von Gießen nach Grüningen. Wir folgen dem Rohstoff Holz, in Mittelhessen durch Fachwerkbauten präsent, von vielen früheren Sägewerken verarbeitet, von Zimmerleuten verbaut. Höhepunkte der Tour sind die Visite im Holz- und Technikmuseum in Wißmar und der Besuch der beiden drehbaren Häuser in Heuchelheim. In Grüningen lohnt zudem ein Stopp bei Schreiner Martin Schlimbach, der Fahrräder aus Holz baut. Zwischen dem Start in Lollar und dem Ziel in Grünungen liegen gut 30 Kilometer und drei Stunden.

BEGEGNUNG MIT TELL

Verkehrspolitisch ist die Stilllegung vieler Nebenbahnen in Hessen eher fragwürdig gewesen. Radler können heute aber davon profitieren, denn Bahntrassenradwege stehen für sanfte Steigungen und schöne Landschaft. Gleich zwei alte Bahntrassen kombiniert eine Tour durch den Westerwald, die ab Stockhausen auf der Trasse der früheren Ulmtalbahn bis Beilstein führt, dann ins nächste Tal nach Mengerskirchen wechselt und entlang der ehemaligen Kerkerbachbahn bis Runkel zurück an die Lahn rollt. Unterwegs gibt es tolle Ausblicke, eine Einkehr bei Kaffee und Kuchen in der denkmalgeschützten Hofener Mühle und ein Stück Literaturgeschichte: Eine Fahrt getreu Wilhelm Tell – durch eine „hohle Gasse“ im Wald bei Hofen. Insgesamt knapp 60 Kilometer und fünf Stunden. 

MORD UND TOTSCHLAG

Eine etwas kürzere, aber nicht weniger interessante Tour ist in Wetzlar zu finden. Mit dem Rad lassen sich in der Domstadt die Schauplätze alter Kriminalfälle erradeln, vom falschen Kaiser Tile Kolup über den korrupten Juristen Papius bis hin zur Kindsmörderin vom Stoppelberg. Auf knapp neun Kilometern durch die Stadt wird zudem die Altstadt erkundet, werden Parks und Anlagen besucht. Mit gut zwei Stunden Fahrzeit ist die Tour auch etwas für die unerfahrenen Radler. Und ungemein lehrreich.

KELTEN UND RÖMER

Zwei Völker bestimmten vor 2000 Jahren das Leben der Region: die Kelten und die Römer. Zentren ihrer Aktivität liegen nah beieinander: Die zivile römische Stadt in Waldgirmes und die Keltensiedlung am Dünsberg bei Fellingshausen trennen nur wenige Kilometer Luftlinie. Schlachtfelder, auf denen sich beide Völker bekriegten, sind bislang nicht entdeckt worden und es ist durchaus wahrscheinlich, dass es eine friedliche Koexistenz gab falls sich die Volksgruppen je begegnet sind: Denn während die römische Stadt um das Jahr 4 vor Christus gegründet wurde, scheint die Hochzeit der Kelten 50 Jahre zuvor zu enden. Offenbar suchten sie eine neue Heimat, zogen gen Köln. Die Tour ist vom Römischen Forum in Waldgirmes bis zum Keltentor bei Fellingshausen gut 15 Kilometer lang.

SOLMS UND BRAUNFELS

Viele Jahrhunderte nach Kelten und Römern gelangte das Adelshaus Solms-Braunfels zu Bedeutung in der Region. Daran erinnern nicht nur stattliche Anlagen wie Schloss Braunfels. Es gibt auch Höfe und Jagdhäuser, insgesamt rund 50 denkmalgeschützte Gebäude. Bei einer Tour von Solms nach Braunfels werden unter anderem die Dianaburg, Burg Greifenstein und Hof Heisterberg besucht. 42 Kilometer stehen auf dem Plan, gespickt mit Geschichte und idyllischen Landschaften, an einem halben Tag gut zu bewältigen.


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