Drei Staupe-Fälle in Hüttenberg

NATUR Infizierte Waschbären und Fuchs gefunden / Tierärztin empfiehlt Impfung von Hunden

Niedlich, aber von Hunden zu meiden: Füchse und Waschbären infizieren sich häufig mit dem Staupe-Virus. (Foto: Heyder/dpa)

Das Forstamt Wetzlar empfiehlt, Wildtiere, soweit das möglich ist, von Häusern fernzuhalten. (Foto: Archiv/dpa)

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Ein an Staupe erkrankter Fuchs wurde in der Gemarkung Hochelheim gefunden. Zuvor berichtete die Gemeinde Hüttenberg von zwei Waschbären mit den gleichen Symptomen in Hörnsheim und Volpertshausen. „Wir müssen davon ausgehen, dass Hüttenberg flächendeckend von Staupe und Fuchsräude betroffen ist und können leider keine Entwarnung geben“, sagt Bürgermeister Christof Heller.

Die Gemeinde Hüttenberg ruft Hundehalter zu besonderer Vorsicht auf und empfiehlt, Hunde bei Spaziergängen im Wald und im Feld an der Leine zu führen. „Hunde sollten nicht unbeaufsichtigt laufen“, erklärt Bürgermeister Heller. Infizierte Hunde müssen umgehend in tierärztliche Behandlung gegeben werden. Sollten Menschen verendete Wildtiere finden, bittet die Gemeinde um eine Nachricht an den zuständigen Jagdpächter.

„Junge Hunde sind für diese Viruserkrankung am anfälligsten, weil die Immunabwehr noch nicht besonders stark ist. Deshalb ist es besonders wichtig, sie zu impfen“, empfiehlt die Rechtenbacher Tierärztin Ursula Körner. Nötig sei dies zunächst im Alter von acht und zwölf Wochen und dann noch einmal nach einem Jahr. Gefährdet seien aber alle ungeimpften Hunde.

Das Forstamt warnt: Anwohner sollten Wildtiere unbedingt von den Häusern fernhalten

Besonders viele bestätigte Staupe-Fälle hatte es zuletzt im Landkreis Limburg-Weilburg gegeben. Betroffen waren seit Juni des vergangenen Jahres 37 Wildtiere, darunter vor allem Füchse und Waschbären. Im Lahn-Dill-Kreis ist die nicht melde- und anzeigepflichtige Erkrankung derzeit kein großes Thema, wie der Kreis auf Nachfrage mitteilte.

„Man kann den Staupevirus mit den Masern beim Menschen vergleichen. Anstecken können sich Hunde über direkten Kontakt, aber auch, wenn sie an Ausscheidungen von infizierten Wildtieren schnüffeln“, erklärt Tierärztin Körner. Auch an verendeten Wildtieren können sich Hunde noch mehrere Tage nach deren Tod infizieren. Katzen können sich zwar infizieren, zeigen jedoch keine klinischen Krankheitsanzeichen.

Betroffen sind vom Staupe-Virus neben Füchsen und Waschbären unter anderem auch Dachse, Frettchen, Nerze oder Wiesel. Fälle, in denen sich Menschen mit dem Virus angesteckt haben, sind dagegen bisher nicht bekannt.

Damit Hunde gar nicht erst in Berührung mit infizierten Wildtieren kommen, rät das Forstamt Wetzlar, diese möglichst von Gebäuden fernzuhalten. „Jedes Haus sollte so abgedichtet sein, dass Waschbären nicht eindringen können. Man sieht ihre Spuren immer wieder an den Dachrinnen“, sagt Jürgen Hackerott, Bereichsleiter Produktion des Forstamtes Wetzlar.

Jüngst habe es viele Anrufe besorgter Bürger gegeben, die von Füchsen und Waschbären berichteten. Derzeit sei die Fuchspopulation besonders hoch, da die Schonzeit gelte und das Tier nicht gejagt werden dürfe. Kürzlich sei ein Waschbär sogar in ein Fitnessstudio „eingebrochen“. „Auf keinen Fall sollte man gelbe Säcke schon mehrere Tage herausstellen, bevor die Müllabfuhr kommt, oder Haustiere auf der Terrasse füttern. Das lockt Waschbären an“, sagt Hackerott und betont: „Es ist ganz wichtig, Füchse, Waschbären und auch Marder, so gut es geht, abzuwehren.“

Auch in Hüttenberg waren zuletzt immer wieder Füchse in Ortsnähe unterwegs, um sich Nahrung zu beschaffen. Wie viele Wildtiere auf dem Gebiet der Gemeinde tatsächlich an Staupe oder Fuchsräude erkrankt sind, lasse sich nicht sagen, so Bürgermeister Heller. Man müsse mit einer Dunkelziffer von Fällen rechnen. Vorsicht und frühzeitige Impfungen des Haustieres seien für Hundebesitzer das A und O.

 

STAUPE BEIM HUND: SYMPTOME UND FOLGEN

Typische Anzeichen der ansteckenden Virus-Infektion Staupe sind bei Hunden bereits nach wenigen Tagen zu erkennen. „Es beginnt mit unauffälligen Symptomen wie gereizten Augen und Magen-Darm-Problemen“, erklärt die Rechtenbacher Tierärztin Ursula Körner. Nach einer Woche seien die Symptome dann sehr stark. Es treten Fieber, Erbrechen, Durchfall, Nasen- und Augenausfluss oder Atemnot auf. Im Verlauf der Krankheit kann auch das zentrale Nervensystem angegriffen werden. „Die Krankheit verläuft aber nicht immer gleich“, betont Körner. Abhängig ist das etwa vom Alter und Immunsystem. Nicht selten endet Staupe tödlich. (hog)


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