Ein Nest für "Firmenkinder"

BETREUUNG Wetzlarer Projekt hat hessenweit Vorbildcharakter

AWO-Geschäftsführer Nils Neidhardt und Koordinatorin Annegret Müller (2. und 3. von links) übergaben das Namenschild an die drei Tagesmütter (v.l.) Petra Vogler, Heike Martin und Katja Vogt. (Fotos: Volkmar)

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Am Dienstag wurde das "Nest" seiner Bestimmung übergeben, zur feierlichen Eröffnung kamen rund 50 Gäste aus Politik, Wirtschaft und Sozialverbänden ins Foyer von Bosch Thermotechnik. Das Besondere: Die Einrichtung gilt hessenweit als Pilotprojekt für die Kooperation eines freien Wohlfahrtsverbandes mit der Industrie. Ein Grund, warum auch Hessens Sozialminister Stefan Grüttner (CDU, Foto) dabei war.

Nach über einjähriger Vorarbeit mit Unterstützung der Stadt Wetzlar und des Lahn-Dill-Kreises sei es gelungen, ein Betreuungsmodell auf den Weg zu bringen, das die firmennahe Kleinkinderbetreuung für die Mitarbeiter der Unternehmen Bosch Thermotechnik und Zeiss SMT ermögliche, sagte Bosch-Personalchef Oliver Barta.

Minister lobt: die Kooperation in Wetzlar sei "ein Meilenstein" für Hessen

"Mit dieser Kooperation haben Sie für Hessen einen Meilenstein gesetzt, auf den Sie stolz sein können", lobte Stefan Grüttner die Kooperationspartner. Wenn die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zum Problem werde, seien meist die Frauen betroffen. "Wir müssen den erwerbstätigen Eltern flexible Arbeitszeiten und eine entsprechende Kinderbetreuung anbieten, nur so können wir den Spagat zwischen Familie und Beruf im Alltag erleichtern", sagte Grüttner. Wenn Unternehmen sich um die Kinderbetreuung kümmern, sei dies auch ein dickes Plus, wenn es um die Suche nach neuen Mitarbeitern geht.

Annegret Müller ist zuständig für die Koordination der AWO-Kindertagespflege-Nester und stellte den Gästen die Einrichtung in der Bannstraße vor, die derzeit Platz für zehn Kinder bietet. Um die Betreuung der Kinder unter drei Jahren kümmern sich drei anerkannte Tagespflegekräfte, die bei der AWO fest angestellt sind.

"Mit unseren flexiblen Öffnungszeiten kommen wir den Mitarbeitern entgegen, die ihre Kinder im Problemfall auch während der Arbeitszeit besuchen können", erklärte Annegret Müller, die in dem Angebot der Unternehmen ein klares Bekenntnis für die Vereinbarkeit von Beruf und Familie sieht.

Auch Landrat Wolfgang Schuster (SPD) betonte in seinem Grußwort die Weitsicht der Unternehmen, wenn es um junge Mitarbeiter und die Doppelbelastung durch Job und Kinderbetreuung gehe.

"Unsere heimischen Unternehmen können es sich überhaupt nicht leisten, qualifizierte Mitarbeiter zu verlieren", sagte Schuster. Er appellierte an die heimische Wirtschaft, das Kooperationsmodell von Bosch und Zeiss als Vorbild für eigene Projekte in Sachen Kinderbetreuung zu nehmen.

Auch kleine Firmen könnten sich vergleichbar zusammenschließen, um die Kinderbetreuung für ihre Mitarbeiter zu gewährleisten.

Nach den Grußworten von Wetzlars Bürgermeister Manfred Wagner (SPD) und Dietmar Glaßer, dem Vorsitzenden der AWO Lahn-Dill, stellte AWO-Geschäftsführer Nils Neidhart mit Petra Vogler, Heike Martin und Katja Vogt die neuen Tagesmütter vor, die die Kleinsten in dem Pflegenest Wetzlar betreuen werden.


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