Eine neue Rampe für Roxanne

Hilfe  Auf Spenden angewiesen

Um unkompliziert in das und aus dem Auto zu steigen, sind Mutter Lidia und ihre autistische Tochter Roxanne auf eine elektrische Rampe angewiesen. (Foto: Keller)
Die elektrische Rampe des VW-Busses ist kaputt. Als Notlösung wuchtet Lidia Schmidt derzeit zunächst den Rollstuhl auf die Rückbank und schnallt daneben dann Tochter Roxanne fest. (Foto: Keller)
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Es ist im Grunde nicht viel, worum Lidia Schmidt bittet. Eine neue elektrische Rampe für ihren VW-Bus, damit die 41-jährige Mutter ihre schwerstbehinderte Tochter Roxanne (18) ins Auto und damit beispielsweise zum Arzt fahren kann. Das ist derzeit Lidia Schmidts größter Wunsch. In 18 Jahren, die auch 18 Jahre intensivste Pflege ihrer Tochter bedeuten, hat Lidia Schmidt schon so manche Herausforderung angenommen und gemeistert. Zuletzt den Umzug von Florstadt nach Hüttenberg. Jetzt ist es die Herausforderung, eine neue Rampe zu beschaffen.

Im Vergleich zu ihrer eher zierlichen Mutter ist Roxanne groß und schwer. Seit ihrer Geburt hat die heute 18-Jährige einen Gendefekt, leidet an Epilepsie, ist geistig behindert, hat schwere Sprachentwicklungsstörungen und zeigt autistische Züge wie Auto- und Fremdaggressionen.

Ihr Kind aufgeben und in ein Heim geben, kam für Mutter Lidia nie in Frage. Der Vater verlässt die beiden, als Roxanne sechs Jahre alt ist. Seitdem steht die Mutter alleine da. Kümmert sich rund um die Uhr um ihre Tochter. Arbeiten gehen? Ausgeschlossen, bei quasi 24-Stunden-Pflege.

Mit 13 wird die Schulpflicht für Roxanne vom zuständigen Schulamt ausgesetzt. Das Mädchen zeigt sich gegenüber Lehrern und Schülern einer Sonderschule aggressiv. Unterricht ist nicht möglich. Hinzu kommen schiefe Blicke von Außenstehenden aufgrund des auffälligen Verhaltens von Roxanne, berichtetet Lidia Schmidt. Spätestens, als ihre Tochter über 50 Kilo wiegt und über 1,50 Meter groß ist, wird auch der Transport der Tochter für Lidia Schmidt immer mehr zum Problem.

2014 kann sich die alleinerziehende Mutter durch Spenden einen VW Bus inklusive Rollstuhlrampe kaufen

Was die Mutter 2014 braucht? Einen Kleinbus mit einer elektrischen Rampe, um Tochter samt Rollstuhl ins Auto zu bekommen. Aber weder Krankenkasse noch Sozialamt können diese Kosten übernehmen.

Mit ihrer Geschichte wendet sich Lidia Schmidt damals an die Lokalzeitung in Florstadt. Und die veröffentlicht die Geschichte der beiden, verbunden mit einem Spendenaufruf für eben einen Bus inklusive elektrischer Rampe.

Die Resonanz ist überwältigend: Fast 40 000 Euro spenden Privatpersonen, Stiftungen, Institutionen und Vereine an den Verein „Lotus Hilfsprogramme“ mit Sitz in Gießen. Der Verein, der sich zum Ziel gesetzt hat, einen Beitrag zum Kampf gegen Armut und Hunger vor allem auf den Philippinen zu leisten, sammelt die Spenden für Roxanne und kann den Spendern entsprechende Quittungen ausstellen. „Wer Lidia Schmidt eine Stunde mit ihrer Tochter erlebt, der weiß erst, was diese Frau täglich leistet“, sagt Lotus-Gründer und Vorsitzender Heinrich Treutner. Von dem Geld wird ein VW Bus inklusive Rampe gekauft.

Und heute? Brauchen Lidia Schmidt und Roxanne erneut Hilfe. Die mittlerweile vier Jahre alte Rampe ist kaputt, berichtet sie. Mehrere Reparaturen seien schon durchgeführt worden. Jetzt helfe nur noch eine neue Rampe.

Lidia Schmidt stellt erneut, wie schon 2014, einen Antrag bei ihrer Krankenkasse. Die lehnt ab: „Ein solcher Pkw-Umbau gehört nicht zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenversicherung“. Ernüchternd für Lidia Schmidt. Zu hause, im sogenannten häuslichen Bereich, übernehme die Kasse aber alles, was Lidia Schmidt benötige, aber eben keine Rollstuhlrampe für das Auto.

Mindestens 6500 Euro wird Lidia Schmidt auftreiben müssen, so viel hat schon die mittlerweile defekte Hebebühne gekostet. Helfen will auch wieder Heinrich Treutner von Lotus. „Wir haben vor vier Jahren schon geholfen und ich sehe keinen Grund, Lidia Schmidt jetzt die Hilfe zu verweigern“, sagt er und betont die Hartnäckigkeit, mit der Lidia Schmidt sich dafür einsetzt, dass es ihrer Tochter gut geht. Auch er hofft, dass genug Spenden zusammenkommen, um eine neue elektrische Rollstuhlrampe zu finanzieren.

Spenden können mit dem Stichwort „Roxanne“ auf das Konto des Vereins Lotus überwiesen werden. Weitere Informationen dazu gibt es www.lotushilfe.de.


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