Erste Horrorclowns in Mittelhessen gesichtet

POLIZEI Körperverletzung, Nötigung, Bedrohung: Aus Spaß kann ganz schnell Ernst werden
Grusel-Clown
Die Übegriffe sogenannter Horror- oder Grusel-Clowns rufen nun auch die Politik auf den Plan. Foto: Paul Zinken/Symbolbild

"Vieles kann passieren: Der Erschreckte rennt aus Angst auf die Straße und wird angefahren, stürzt mit dem Fahrrad, erleidet einen Schock oder Herzinfarkt, sprüht aus Angst sein Tierabwehrspray ins Gesicht des 'Angreifers'", heißt es weiter. "Kaum einer kann wohl alle möglichen Folgen absehen und bedenken."

Das ist passiert:

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  • Aus der Toilette einer Turnhalle in der Straße "Zum Hardtwald" in Reiskirchen kam am Dienstag um 20.30 Uhr vermutlich ein junger Mann mit einer weißen Clowns-Fratze und erschreckte zwei vom Training kommende Frauen. Sie erklärten ihm er solle das Weite suchen und holten sich Hilfe bei Trainingskameraden - in dieser Zeit konnte der Unbekannte entkommen. Er wird als etwa 20 bis 25 Jahre alt, 1.85 Meter groß mit schwarzen Haaren beschrieben.
  • Mit einer dreckigen Lache und einer Fahrradhupe erschreckte ein unbekannter Clown in der Artur-Herzog-Straße in Wetzlar-Nauborn am Mittwoch um 21.45 Uhr eine Frau, die mit ihrer Tochter unterwegs war. Auch er machte sich schnell aus dem Staub und konnte von der Polizei nicht mehr gefunden werden.
  • In der Kurt-Schumacher-Straße in Rosbach erschreckte am Mittwoch um 19.45 Uhr ein Grusel-Clown ein Kind, das sich auf dem Nachhauseweg vom Sportplatz befand. Mit weißer Harlekinmaske, gemustertem Kostüm und mit einem Vorschlaghammer war der unbekannte Erschrecker unterwegs. Ein Passant meldete der Polizei den Vorfall, nachdem er mit dem verängstigten Jungen gesprochen und den Verkleideten selbst gesehen hatte. Er wird als 1.80 Meter groß und schlank bezeichnet und war in Begleitung einer weiteren Person. "Clown" und Kind waren bei Eintreffen der Polizei nicht mehr zu ermitteln. "Wir hoffen, dem Kind geht es gut und es kann sich schnell von dem Schreck erholen", teilt die Polizei mit.
  • Einen Clown mit einer Kettensäge der in Marburg "herumtorkelte" und Passanten erschreckte, darunter auch ein 14-jähriges Mädchen, bekam die Polizei in Marburg am Sonntag gemeldet. Ob seine Kettensäge echt war, ist dabei nicht bekannt.
  • Auch in Bad Endbach-Hartenrod sichteten Anwohner am Sonntagabend gleich mehrere Clowns, die dort ihr Unwesen getrieben haben sollen. Sie versuchten, die Autofahrer zu erschrecken, und warfen eine Mülltonne um. Sie stiegen danach offenbar in einen sie begleitenden Pkw ein und waren so schnell verschwunden, wie sie kamen.
  • In Marburg erschreckte in der Nacht zu Donnerstag ein Clown einen Passanten in der Frauenbergstraße. Er kam von hinten und klopfte dem Mann auf die Schulter. Als sich der Mann umdrehte, kicherte der Clown, der eine Axt (ob echt oder unecht, ist nicht bekannt) in der Hand hielt. Der Passant blieb cool, machte dem Clown klar, dass man so etwas nicht mache, woraufhin der verschwand.

Die Polizei duldet keine Straftaten!

"Der mediale Hype um das Thema 'Grusel-Clowns' hat diese wohl erst zu dem werden lassen, was sie sind", heißt es in der Pressemitteilung der Polizei. "Ein absoluter Trend, der viele 'Möchtegernclowns' auf den Plan ruft, die inzwischen auch Bürgerinnen und Bürger in Mittelhessen in Angst und Schrecken versetzen."

Und weiter: "Jeder dieser Clowns sollte sich nicht nur seiner Verantwortung gegenüber seinen Mitmenschen bewusst sein, sondern vor allem auch wissen, dass die Polizei alle strafrechtlichen Möglichkeiten ausschöpfen wird. Die Verwirklichung der in Frage kommenden Straftaten, wie Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung können Folgen bis hin zu einer Freiheitsstrafe nach sich ziehen.  Mögliche zivilrechtliche Folgen in Form von Schadensersatz können natürlich auch noch in Betracht kommen."

Auch wer nicht als Clown unterwegs sei, sich aber in den sozialen Medien bewege, könne helfen, den vermeintlichen Spaß-Freunden keine weitere Plattform zu bieten. Die Polizei rät: "Erstellen Sie keine Fake-Posts und verbreiten Sie diese auch nicht weiter. Auf den ersten Blick können oder wollen viele nicht unterscheiden, ob sie Wahrheit oder Fake teilen, und tragen so zur Verunsicherung ihrer Mitmenschen bei."

Was tun, wenn ich erschreckt werde?

Der Rat der Polizei: "Sollten Sie plötzlich einem Grusel-Clown gegenüberstehen, dann raten wir nach dem Motto 'der Klügere gibt nach' zu handeln. Schreien Sie laut um Hilfe und treten Sie, wenn möglich, den Rückzug an. Rufen Sie sofort über die Notrufnummer 110 die Polizei an.

Wenn Sie sich verteidigen müssen, bedenken Sie immer die Verhältnismäßigkeit der Mittel. Die Abwehr eines Angriffs im Sinne der Notwehr heißt nicht, selbst zum Angreifer oder Täter zu werden."

Halloween

Zum Abschluss noch ein Wort der Polizei an alle Fans von Halloween: "Haben Sie gemeinsam mit Ihren Mitmenschen Spaß und erfreuen Sie sich an manch gruseligem Outfit. Achten Sie das Eigentum anderer und bedenken Sie die bei manchen vorhandene Angst. Ganz sicher finden Sie in diesem Jahr auch ein kreativeres Kostüm als das eines Grusel-Clowns." (red)


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